Überwachung der Telefon-Netze Einbrecher bei der Telekom

Mails in Deutschland sind sicher? Von wegen. Der Angriff der Amerikaner auf das Netz der Telekom zeigt, wie blauäugig das Unternehmen agiert. Die Werbekampange für eine "E-Mail made in Germany" wirkt unfreiwillig komisch.

Kommentar von Johannes Boie

Nach den Enthüllungen der vergangenen Wochen und Monate, die Edward Snowdens Dokumente ermöglicht haben, muss mittlerweile jeder wissen: Im Netz gibt es keinen Schutz vor den Geheimdiensten dieser Welt. Was sie technisch hinbekommen können, das nehmen sie in Angriff. Sie sind außer Rand und Band. Das geht, die jüngsten Berichte zeigen es, bis hin zum Angriff auf persönliche Tablets, Smartphones, Computer. Auf Geräte also, die das Leben ihrer Nutzer im Detail abbilden und speichern: Bewegungen, Orte, Kontakte, Bilder, Nachrichten, Aufenthaltsdauer, Suchanfragen und besuchte Internetseiten.

Wer gut meinend mit Geheimdiensten ist, mag argumentieren, es sei nicht deren Aufgabe, sich selbst zu bremsen - schon gar nicht in einer Zeit, in der Terrorgruppen auch in Deutschland und anderen westlichen Ländern Menschen rekrutieren, um sie zu Henkern auszubilden oder als Terroristen in ihre Heimat zurückzuschicken. Verheerend ist aber, dass den Diensten keine oder nur ungenügende Grenzen gesetzt werden, nicht den amerikanischen und britischen, nicht den deutschen und insbesondere nicht denen in weniger demokratischen Ländern. Dort vermag alleine fehlendes technisches Knowhow, Spionage zu bremsen.

Die Netzbetreiber tragen Verantwortung für ihre Nutzer

Unfreiwillig komisch ist vor diesem Hintergrund das Gebaren deutscher Internetkonzerne, die in dem Abhörskandal bislang vor allem die willkommene Möglichkeit einer Marketingkampagne sehen. Die Telekom etwa wurde vor mehreren Wochen vom Spiegel mit neuen Hinweisen konfrontiert, die deutlich zu belegen scheinen, dass ausländische Spione Telekom-Technik für Überwachungsmaßnahmen verwenden.

Der Konzern ist mit 60 Millionen Kunden alleine in Deutschland ein lohnendes Ziel; Kabel, die er mit betreibt, verbinden Kontinente, seine Rechenzentren sind für die einwandfreie Funktion des Netzes existenziell. Die Telekom trägt also Verantwortung für Netz und Nutzer. Doch bis heute hat es der Konzern nicht geschafft herauszufinden, wo in seinen Netzen der Einbruch erfolgt sein könnte. Zugegeben: Die notwendigen Nachforschungen sind komplex, und welches Unternehmen kann sich schon vor dem Zugriff von Geheimdiensten schützen, wenn diese mit illegalen Methoden arbeiten?

Die Schatzkarte der NSA

Geheimdienste aus den USA und Großbritannien sollen direkten Zugriff auf das Netz der Telekom und anderer deutscher Anbieter haben. Mit dem Programm "Treasure Map" können die Spione jedes einzelne Gerät, das mit dem Internet verbunden ist, sichtbar machen. Von Johannes Boie mehr ...

Andererseits ist es ausgerechnet die Telekom, die mit anderen deutschen Netzunternehmen gerade eine große Kampagne gestartet hat, Titel: "E-Mail made in Germany". Eine Landkarte suggeriert in der Werbekampagne, dass es einen grünen, sicheren Bereich des Netzes gebe: Deutschland. Das dazu passende Produktversprechen: "Ihre E-Mails sind automatisch geschützt und werden nur in Deutschland gespeichert." Das suggeriert, alles sei für den Nutzer sicher. In Wirklichkeit ist die Formulierung "automatisch geschützt" als Werbeversprechen für Mails ungefähr so sinnvoll wie das Versprechen eines Autoherstellers, seine Fahrzeuge könnten aus Prinzip nicht in einen Unfall verwickelt werden.