Smartphone-Patente Wie Microsoft mit Android Kasse macht

Das mobile Betriebssystem Windows Phone 7 ist alles andere als erfolgreich - doch Microsoft kassiert im Smartphone-Bereich richtig ab: Immer mehr Hersteller von Android-Handys müssen dem Software-Konzern Lizenzgebühren zahlen.

Googles Mobilsystem Android findet in den Augen von Microsoft-Chef Steve Ballmer keine Gnade: "Um ein Windows-Smartphone zu benutzen, muss man kein Computerwissenschaftler sein. Um ein Android-Handy zu benutzen allerdings schon", spottete er jüngst über den Konkurrenten des eigenen Systems Windows Phone 7.

In der Realität scheint nun entweder Ballmer den falschen Eindruck zu haben, oder es gibt inzwischen tatsächlich viele Computerwissenschaftler: Android gehören laut Marktforschungsinstitut Gartner derzeit 43,3 Prozent des Smartphone-Marktes, der Anteil von Windows Phone 7 liegt nur bei 1,6 Prozent.

Doch Microsoft muss der Erfolg von Android nicht unangenehm sein: Wie die Microsoft-Vorstandsmitglieder Brad Smith und Horacio Gutierrez in einem Blogeintrag berichten, hat der Software-Produzent inzwischen mit zehn Herstellern von Android-Handys ein Lizenzierungsabkommen geschlossen. Konkret bedeutet das: Microsoft verdient heute an jedem zweiten verkauften Android-Gerät geschätzt zwischen fünf und zehn Dollar.

Die Abkommen betreffen Hersteller wie HTC, Samsung oder Compal. HTC soll Schätzungen zufolge beispielsweise fünf Dollar für jedes verkaufte Gerät nach Redmond überweisen, Samsung sogar zehn Dollar. Insgesamt erhält Microsoft damit Gebühren von Herstellern, die etwa 53 Prozent des US-Handymarkts abdecken.

Gerechter Ausgleich oder Patent-Angriff?

Android basiert auf dem quelloffenen Linux-System, allerdings werden dort auch einige grundlegende Funktionen verwendet, an denen Microsoft die Rechte hält: Die IT-Seite Ars Technica nennt als Beispiel die Möglichkeit, "sowohl lange, als auch kurze Dateinamen in einem Dateisystem anzulegen" oder ein System, das erkennt, wann Daten von einem Flash-Laufwerk gelöscht werden müssen.

Microsoft gibt an, in den vergangenen zehn Jahren mehr als 4,5 Milliarden Dollar für Patente ausgegeben zu haben und dabei stets darauf bedacht gewesen zu sein, die Nutzungsrechte für Software-Teile zu bekommen. Google hatte vor einigen Monaten in einem Blogbeitrag erklärt, die Forderungen seien Teil einer "feindlich organisierten Kampagne".

Weil Google nur wenige Software-Patente besitzt, gilt das Unternehmen als anfällig für Klagen dieser Art. Patente sollen auch ein Grund gewesen sein, weshalb Google jüngst die Handysparte von Motorola übernahm.

Nokia stellt Windows-Smartphones vor

Die Marktforschungsagentur Asymco schätzte im Mai, dass Microsoft über Android fünf Mal mehr Umsatz mache als mit Windows Phone 7. Diese Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, da Microsoft keine genaue Angaben zu den Verkaufszahlen der Windows-Smartphones macht.

Fest steht allerdings, dass Microsoft bald im Smartphone-Geschäft Fuß fassen muss, will es auf dem wachsenden Markt mobiler Endgeräte noch eine Rolle spielen.

Ein erster Schritt soll in dieser Woche gemacht werden: Auf der Hausmesse des finnischen Handy-Herstellers Nokia wird dieser die ersten Smartphones mit Windows Phone 7 vorstellen. Um Nokia-Smartphones mit dem System auszustatten, soll Microsoft einen unbekannten Milliardenbetrag gezahlt haben.

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