Peeple Eine App, um Menschen zu bewerten

Ein Stern für die Ex, fünf für den Babysitter. Peeple will Menschen bewertbar machen.

(Foto: dpa)

Mit Peeple kann man andere Menschen mit einem bis fünf Sternen bewerten. Die App ist noch gar nicht auf dem Markt, doch die Empörung ist jetzt schon groß.

Von Michael Moorstedt

Im Internet kommt es hin und wieder vor, dass man nicht weiß, ob man es nun mit einer genialen Geschäftsidee oder einem persiflierenden Kunstprojekt zu tun hat. Vergangene Woche war es wieder so weit. Da stellte die Washington Post eine neue App namens Peeple vor. Die wolle "ein Yelp für Menschen" sein. Yelp, muss man wissen, ist eine populäre Plattform, auf der Menschen die Qualität von Restaurants, Geschäften oder Arztpraxen bewerten können. Auf Peeple sollen Menschen dagegen Menschen bewerten.

Wird man also schon bald ehemalige Liebhaber, Nachbarn oder Kollegen ebenso mit einem bis fünf Sternen bewerten können, ganz wie ein Produkt auf Amazon? Ihre App solle es den Nutzern ermöglichen, besser einschätzen zu können, "wen sie einstellen, wer ihre Kinder unterrichten soll oder mit wem sie eine Beziehung eingehen wollen", heißt es auf der zugehörigen Website. "Die Leute recherchieren enorm viel, wenn sie ein Auto kaufen wollen", sagt Julia Condray, eine der Gründerinnen. "Warum sollte man ihnen diese Recherchemöglichkeiten nicht auch in anderen Lebensbereichen ermöglichen?"

Man kann sich nicht gegen Bewertungen wehren

Man habe bereits 250 000 Dollar von Investoren eingesammelt, erzählen die Gründerinnen stolz - fürs Silicon Valley eher mager, trotzdem soll die App, die sich momentan noch in einem geschlossenen Beta-Test befindet bereits im November starten. Da man sich laut der vorab veröffentlichten Peeple-AGB nicht dagegen wehren kann, bewertet zu werden, zog schon bald ein Shitstorm über die Macher hinweg, von Cyber-Mobbing bis zu Faschismusvergleichen deckten die Vorwürfe ein weites Spektrum ab.

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Man werde sich nicht dafür entschuldigen, "mutige Erfinder" zu sein, antworteten die beiden Gründerinnen auf ihrer Facebook-Seite. Zeitgleich stellten die üblichen Internet-Versteher auf Twitter ihre Abgeklärtheit zur Schau - das sei ja schon immer das Wesen des Web gewesen sei, über andere Menschen zu lästern. Und überhaupt werde bis zum Start ohnehin niemand mehr über Peeple sprechen.

Alles wird heutzutage bewertet - warum nicht auch Menschen?

Nun kann - und sollte - man die Idee, einen Menschen genauso zu bewerten wie ein Restaurant, verdammenswert finden. Andererseits ist sie auch unheimlich konsequent. Neun von zehn Leuten lassen sich in ihren Kaufentscheidungen von den Bewertungen im Netz beeinflussen. Der Netz-Nutzer glaubt schon längst eher der crowdgesourcten Meinung als seiner eigenen subjektiven Einschätzung.

Das bedeutet, dass der Taxifahrer heutzutage nach erbrachter Dienstleistung ebenso um Bewertung bittet wie der Zahnarzt. Dass sich an der Hotelrezeption die Zertifikate von Booking.com und tripadvisor.de stapeln. Oder dass sich Restaurants die Online-Bewertungen an ihre Tür kleben wie früher die Gault-Millau-Punkte. Von der "Reputation Economy" sprechen Spin-Doktoren und PR-Orakel aufgrund solcher Phänomene gerne. Der eigene Einflussreichtum im Netz und die Anzahl und Güte der sozialen Beziehungen in Online-Plattformen werde in Zukunft ebenso wichtig sein wie die Summe auf dem Kontoauszug und die Note auf dem Hochschuldiplom.

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