Was die Telekom mit Groupon und 9flats vorhat

Neue Internet-Bündnisse /
Von Varinia Bernau
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Logo in der Groupon-Zentrale in Chicago: Das Rabatt-Portal kooperiert künftig mit der Deutschen Telekom.

(Foto: dapd)

Die Telekom? Das sind doch die, bei denen man sich einen Handyvertrag holt - und zwar vor allem dann, wenn man, sagen wir mal, auch zwischen Pasewalk und Prenzlau Empfang haben will.

Und die machen nun also auch so richtig in Internet: Schicken einem Rabatte aufs Handy. Verraten mir, wo ich beim nächsten Urlaub unterkommen könnte, wenn ich eher nach einer Luftmatratze als nach einem Hotelbett suche. Dass das magentafarbene T kürzlich in einem Atemzug mit dem Schnäppchenportal Groupon und dem Wohnungsvermittler 9flats genannt wurde, mag auf den ersten Blick irritieren - dabei hat die Telekom die Online-Welt nicht erst gestern als wichtiges Geschäftsfeld entdeckt.

Das Internet ist wie ein Straßennetz: Google, Facebook, Twitter - das sind die dicken Laster auf der Datenautobahn. Nehmen viel Platz weg. Und sind nicht zu übersehen. Und, naja, Groupon und 9flats, das sind vorerst zwar noch Kleinwagen. Könnten aber bald schon SUVs draus werden.

Die T-Straßenmeisterei

Die Telekom wiederum hat inzwischen vor allem die undankbare Aufgabe der Straßenmeisterei. Der Bonner Konzern sorgt dafür, dass nichts holpert und dass es keinen Stau gibt. Durch die Mobilfunknetze der Telekom werden die Daten heute doppelt so schnell geschleust wie noch vor einem Jahr.

Das ist teuer - die Kunden aber haben sich längst an sinkende Preise für den Mobilfunkvertrag und an Internet-Flatrates gewöhnt. Und von all dem Geld, das Internetdienste mit den Werbeanzeigen auf ihren Seiten machen, bekommen die Netzbetreiber nichts.

Also sieht sich die Telekom nach neuen Einnahmequellen um - seit Ende der Neunziger tut sie das unter anderem auch als Risikokapitalgeber über ihr Tochterunternehmen T-Venture.Die Rechnung dahinter: Die Telekom nutzt ihrerseits die Fantasie, die Kreativität und durchaus auch die Kundenkartei der Start-ups. Und im besten Fall verdient sie mit, wenn aus dem kleinen Unternehmen das ganz große Ding wird. Etwa zehn Beteiligungen im Jahr sichert sich T-Venture.

Die Kooperation mit Groupon ist deshalb nur zu verstehen, wenn man auf den Mai 2008 zurückblickt: Damals investierte T-Venture in das Start-up Pelago. Das wiederum wurde im April vergangenen Jahres von Groupon geschluckt - aus dem einstigen Investor wurde so ein Aktionär. Deshalb ist es im Interesse der Telekom, dass Groupon auch in Deutschland Erfolg hat.

Wachsen lassen oder weiterverkaufen

Im Zug einer nun vereinbarten Kooperation sollen laufende Groupon-Rabattaktionen ab Mitte des Jahres direkt auf dem Handy oder dem Tablet der Telekom-Kunden landen. Die mobilen Geräte verraten dem Mobilfunkanbietern auch, wo sich der Kunde gerade befindet. Im besten Falle ploppt also ein aktuelles Angebot einer Pizzeria auf - just in dem Moment, in dem man bei dem italienischen Restaurant vorbeischlendert. Die Telekom erhofft sich dadurch steigende Umsätze bei Handyverträgen, Groupon kann seinen Schnäppchen-Kundenstamm ausbauen.

Nun hat T-Ventures auch noch in 9flats investiert, wie diese Woche bekannt wurde. Das Portal ist zwar die größte Plattform für Wohnungsvermittlung in Europa, aber es ist immer noch kleiner als Airbnb. Gut möglich, dass die Amerikaner ihren kleinen Rivalen einfach dadurch beseitigen, dass sie ihn aufkaufen. Dann würde die Geschichte von T-Venture und 9flat ähnlich verlaufen wie die von T-Venture und Pelago. Ebenso gut könnte 9flats aber auch mit der Telekom-Tochter Immobilienscout24 kooperieren - und dann die Amerikaner von dem noch jungen Markt fegen.

Egal, ob es um Schnäppchen oder um Wohnungsvermittlung geht, die Internetdienste brauchen die Telekom. Und die Telekom braucht die Internetdienste. Der beste Service ist wertlos, wenn zwischen Pasewalk und Prenzlau der Empfang gestört ist - und man darauf nicht zugreifen kann. Und das beste Netz ist wenig wert, wenn es darin keine Filme, keine Nachrichten, keine Spiele gibt.

Oder keine Schnäppchen und keine freien Wohnungen.