Nach der Milliarden-Übernahme Was Facebook mit Instagram anfangen kann

Eine Milliarde Dollar für ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern: Mit der Übernahme des Fotodienstes Instagram überrascht Facebook die Tech-Welt. Der Kaufpreis mag zu hoch sein - doch die Investition passt durchaus in Zuckerbergs Strategie.

Von Johannes Kuhn

Instagram: Facebook zahlt eine Milliarde Dollar für ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern.

(Foto: AFP)

Der Fotodienst Instagram, hat ein fleißiger Autor der Huffington Post ausgerechnet, ist jetzt mehr wert als die New York Times. Ist der Übernahmepreis in Höhe von einer Milliarde Dollar, den Facebook in Aktien und Bargeld zahlen wird, also ein weiteres deutliches Zeichen für den Siegeszug der Digitalindustrie? Oder doch eher ein Warnsignal, dass die Tech-Blase sich immer weiter aufpumpt?

Sieht man Instagram als reine App, die zudem erst seit kurzem für Android-Nutzer zugänglich ist, wirkt der Kaufpreis überzogen. Die Firma hat nur 13 Mitarbeiter, erst vergangene Woche schloss das Unternehmen eine neue Investorenrunde ab, nach der sie mit 500 Millionen Dollar bewertet wurde.

Nun ist Instagram allerdings inzwischen weit mehr als eine App, fungiert vielmehr für seine 30 Millionen Nutzer als Flickr für die mobile Generation. Die einfachen Sharing-Funktionen haben eine Community entstehen lassen, die über Bilder interagiert; die unterschiedlichen Filter entsprechen derzeit dem Zeitgeist. Über den Ausbau Instagrams zu einem sozialen Netzwerk hatte es immer wieder Spekulationen gegeben; doch ob es wirklich die "blanke Angst" war, die Facebook zur Übernahme getrieben hat, wie Om Malik von Gigaom vermutet?

Die Wahrheit dürfte banaler sein. Eine solche Investition mag erst einmal irrational wirken, soll aber vor dem Börsengang Risikofreude und Wachstumsbereitschaft signalisieren - also Facebook attraktiver für potentielle Investoren machen. Darüber, wie es zu dem hohen Kaufpreis kommen konnte, dürften wir in den nächsten Tagen mehr erfahren, wenn einige Insider ihr Wissen preisgeben. Gut möglich, dass sich auch Konkurrenten für Instagram interessierten - namentlich Apple (bekannt für Zukäufe von Standardsoftware) oder Google (bislang auf der Foto-Ebene noch schwach). Mit dem Kauf kann Facebook einen Konkurrenten im Bilderbereich schlucken, diesen anderen Rivalen vorenthalten und sich gleichzeitig einen Teil der Entwicklungskosten für einen Ausbau der eigenen Foto-Funktion teuer sparen.

Wer so viel Geld investiert, sollte auch einen strategischen Plan haben. Facebook hat zumindest gelernt, dass eine sofortige Integration den Teil des Instagram-Wachstums zum Erliegen bringen würde, der von Facebook unabhängig verläuft. Die ersten Abmeldungen, von denen nun berichtet wird, mögen Überreaktionen sein: Sie zeigen jedoch, dass die Assimilation durch Facebook Dienste nicht zwangsläufig attraktiver macht, zumal, wenn es Ausweichmöglichkeiten auf Konkurrenzprodukte gibt. Ob man aber weiterhin die offene Schnittstelle für Netzwerke wie Twitter anbieten wird, bleibt trotz entsprechender Beteuerungen mittelfristig äußerst fraglich.

Was also könnte Facebook mit Instagram vorhaben?

[] Stärkung der mobilen Komponente

Forbes-Autor Tomio Geron weist darauf hin, dass sich Facebook in seiner Ausrichtung bislang eher an der Desktop-Nutzung orientiert. Tatsächlich sind die iOS- und vor allem die Android-App alles andere als perfekt. Dieser Fokus ändert sich nun: Facebook will seinen Nutzern im Mobilbereich einfachere Nutzungs- und Sharingmöglichkeiten bieten, um relativ zügig den Markt für ortsbasierte und personalisierte Werbung zu erschließen. Umgekehrt könnten Facebook-Anzeigen künftig in Instagram platziert werden - und damit ebenfalls kontextsensibel ausgeliefert werden. Adweek bringt auch die Möglichkeit ins Spiel, Filter künftig von Sponsoren präsentieren zu lassen.

[] Die Pinterest-Komponente

Die Wachstumszahlen des Bildernetzwerks Pinterest sind weiterhin außerordentlich hoch. Die Branche erwartet deshalb, dass Facebook das Unternehmen entweder kaufen oder selbst einen ähnlichen Dienst bauen wird. Instagram könnte hier eine entscheidende Komponente sein: Ein Facebook-Bilderclub bräuchte womöglich keine aus dem Netz gefischten Bilder, sondern könnte alleine mit der Instagram-Ästhetik und der Tatsache, dass Freunde und Bekannte die Fotos aufgenommen haben, ausreichend Aufmerksamkeit erhalten.

[] Stärkung der Fotofunktionen

100 Millionen hochgeladener Fotos pro Tag zeigen, dass die Bildfunktion inzwischen zentral für die Interaktion von Facebook-Nutzern ist. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mitglieder ihre Fotos nach dem Hochladen künftig mit Hilfe der Instagram-Funktionen editieren können. Dies würde die Selbstdarstellungs-Möglichkeiten verbessern und damit wiederum die Zahl der Uploads und die für den Facebook-Umsatz so wichtige Verweildauer erhöhen

Ob sich für diese strategischen Optionen eine Investition von einer Milliarde Dollar lohnt? In der Facebook-Logik, Welt und Web sozial zu machen und zum Netz hinter Internet und Leben zu werden, ergibt sie durchaus Sinn. Doch längst ist noch nicht gesichert, dass sich der Markt nach der Logik des Mark Zuckerberg richten wird.

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