Mozilla Der neue Firefox könnte das freie Web retten

Mozilla hat den Firefox grundlegend überarbeitet und will mit "Quantum" die Dominanz von Google Chrome brechen.

(Foto: SZ.de)

Mozilla bietet dem übermächtigen Chrome-Browser die Stirn. Das ist wichtig, denn wer den Browser-Markt beherrscht, bestimmt die Spielregeln im Netz.

Kommentar von Helmut Martin-Jung

"Menschen", sagte einmal ein hochrangiger Manager des Software-Konzerns Microsoft, "interessieren sich nicht für Browser. Sie interessieren sich bloß fürs Internet." An der Entwicklung von Browsern, Software also, die Internetinhalte auf PC oder Handy darstellt, kann man das gut sehen. Je jünger der Browser, umso mehr tritt er in den Hintergrund. Die neuesten sind nahezu unsichtbar. Oben am Bildschirmrand gibt es noch einen schmalen Streifen mit dem Schlitz für die Eingabe von Adressen und Suchanfragen, und sonst: Platz für Texte, Bilder, Videos und Anzeigen.

Doch man lasse sich nicht täuschen. Ein Browser ist eben nicht bloß ein unbedeutendes Stück Hilfssoftware. Er ist das Tor zum Internet, und wer es kontrolliert, kassiert auch den Wegezoll. Insofern ist es wichtig, dass es in der Non-Profit-Organisation Mozilla einen Anbieter gibt, dem es eben nicht um Gewinnmaximierung geht, sondern um das freie Internet. Mit der jetzt vorgestellten tief greifenden Überarbeitung des Browsers Firefox startet Mozilla einen letzten Versuch, eine Alternative zu den durchkommerzialisierten Produkten der Konzerne zu bieten.

Wechselhilfe

So wechselt man den Suchmaschinen- Anbieter im Browser Firefox: Im Burger-Menü ganz rechts (drei horizontale Striche) den Punkt Einstellungen auswählen. Im Einstellungsmenü in der Leiste links den Punkt "Suche" anklicken. Das Auswahlmenü oben aufklappen und andere Suchmaschine auswählen. Falls die gewünschte Suchmaschine nicht dabei ist, ganz unten auf den Link "Weitere Suchmaschinen hinzufügen" klicken. Es wird ein neues Browser-Fenster geöffnet, darin neben dem Eintrag der gewünschten Suchmaschine auf die Schaltfläche "Zu Firefox hinzufügen" klicken. Nun kann sie als Standard-Suchmaschine ausgewählt werden. Der Vorgang lässt sich jederzeit wieder rückgängig machen. Helmut Martin-Jung

Die Währung, mit der im Netz bezahlt wird, sind oft Daten. Schon deshalb ist es nicht bedeutungslos, durch welches Tor einer das Internet betritt. Browser bieten ihren Herstellern aber auch die Möglichkeit, unsichtbare Mauern zu errichten. Nutzer, die sich weniger gut auskennen, können so im eigenen Reich gehalten werden. Zum Beispiel weil eine Startseite voreingestellt ist oder ein Anbieter für die Suche im Web. Viele Nutzer ändern dies nie.

Wer mit seinem Browser den Markt dominiert, der hat auch viel Einfluss darauf, welche Standards im Internet verwendet oder welche neu entwickelt werden. Dass Googles Browser Chrome den Standard Flash für Bewegtbild-Inhalte nicht mehr unterstützte, war dessen Todesurteil. Und im nächsten Jahr steht ein noch viel bedeutenderer Schritt an. Dann will Google in seinen Browser einen Filter für Werbung einbauen. Draußen bleiben, heißt es bei Google, solle nur solche Werbung, die von vielen Nutzern als zu aufdringlich wahrgenommen werde. Was aber aufdringlich ist, das bestimmt - Google.

Die meisten Nutzer interessieren Browser nicht - sollten sie aber

Mit seinem Browser Chrome nimmt der Internetkonzern inzwischen eine führende Stellung ein. Wie wichtig die Torwächter-Funktion ist, lässt sich schon daran erkennen, dass bei Google etwa 3000 Entwickler an Chrome arbeiten. Chrome ist ein gut funktionierender Browser, allerdings drängt ihn Google Internetnutzern bei jeder Gelegenheit auf. Angesichts der Vielzahl erfolgreicher Dienste wie E-Mail, Karten oder Kalender gibt es viele solcher Gelegenheiten. Auf Mobiltelefonen hat es Google sogar noch leichter, denn die Mehrzahl aller Smartphones läuft mit dem hauseigenen System Android. Chrome ist so auf den meisten Geräten bereits vorinstalliert.

Sich gegen die geballte Macht von Größen wie Google oder Microsoft zu stemmen, dazu bedarf es einigen Mutes und jeder Menge Idealismus. Die Leute von Mozilla haben beides. Die Organisation, unterteilt in eine Non-Profit-Stiftung und einen kommerziellen Arm, entwickelt eine vollwertige Alternative zu den Browsern der Konzerne - Firefox. Dieser Tage hat Mozilla eine neue, stark überarbeitete Version des Firefox fertiggestellt, die nicht nur bei Ressourcenverbrauch und Geschwindigkeit gleichzieht. Mozilla geht es vor allem ums freie Internet, in dem nicht nur die Großen das Sagen haben, und es geht ihnen nicht um die Daten der Nutzer.

Die Menschen, das ist wohl richtig, mögen sich nicht besonders für Browser interessieren. Sie sollten es aber. In ihrem Interesse und im Interesse eines freien Internets. Scheitert Mozilla, ist beides noch mehr in Gefahr als bisher schon.

Neuer Firefox: Mehr als ein Quantum Marktanteil

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