Konkurrenz für iPhone und Co. Wie Blackberry 10 die Wende bringen soll

Neuer Chef, neuer Name, neues Produkt: Mit Blackberry 10 will der kanadische Smartphone-Hersteller an alte Glanzzeiten anknüpfen. Es ist wohl die letzte Chance, gegen das iPhone und Android-Handys bestehen zu können.

Von Moritz Koch, New York

Nach den Maßstäben der Technologiebranche sind zehn Jahre eine Ewigkeit. In der Vorzeit der Nullerjahre war das Blackberry ein Statussymbol, exklusiver als die Business Class. Smartphones waren Investmentbankern und Unternehmensberatern vorbehalten; Emails unterwegs zu lesen, war ein Privileg. Die Vorzeit endete im Januar 2007, als der Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone vorstellte. Heute, da Schüler ihre Facebook-Profile auf dem Pausenhof pflegen, ist das Blackberry ein Relikt. Klotzig, ein Telefon für graue Schöpfe. So kann es nicht weitergehen.

Der Mann, der die Zukunft zurückerobern will, heißt Thorsten Heins, ist 55 Jahre alt, und selbst ein grauer Schopf. Seit einem Jahr ist der frühere Siemens-Manager Chef des Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM). Jetzt steht er auf einer Bühne in New York und verkündet erst mal eine kleine Sensation: RIM soll von nun an Blackberry heißen. Heins will die Firma neu erfinden, ein bisschen Namenskosmetik darf da nicht fehlen. Doch in erster Linie soll es an diesem Tag um eine Produktoffensive gehen. Heins reißt zwei Handys in die Luft. Das eine mit Touchscreen, das andere mit Blackberry-typischer Minitastatur. Zwei Versionen des lange erwarteten Blackberry 10.

Fortschritt reicht nicht mehr

Heins weiß: Ein bloßer Fortschritt reicht nicht mehr. Der ganz große Wurf muss her, ein Game Changer, wie die Amerikaner sagen, so weit abgeschlagen ist Blackberry inzwischen. Der Weltmarktanteil ist 2012 auf 4,6 Prozent gefallen. Und auch dieser Wert wurde nur durch Ramschangebote in Schwellenländern erreicht. Apples iPhones und Samsungs Galaxy- Handys sind längst auch für Geschäftsleute interessant geworden - Blackberrys Stammkunden. Die Aktie von RIM, die 2008 auf fast 150 Dollar stieg, notiert heute bei 14 Dollar.

Der neue Chef bemüht sich, Aufbruchstimmung zu verbreiten, das Image zu verbessern. Dabei soll Alicia Keys helfen. Die Sängerin, die zurzeit mit "Girl on Fire" Erfolge feiert, wirbt künftig für das neue Blackberry 10. Heins holte sie unter dem Jubel des Publikums auf die Bühne. Sie sei doch lange eine Blackberry-Nutzerin gewesen, sagte Heins und wollte wisse, warum sie sich zwischenzeitlich abgewandt habe. "Ich war in einer Langzeit-Beziehung mit Blackberry, dann habe ich bemerkt, dass es heißere Typen gibt", gestand Keys. Heins tut alles, um das Ruder herumzureißen. Was sonst bleibt ihm auch übrig? Das Schicksal des Fotokonzerns Kodak hat erst vor einem Jahr daran erinnert, was einem Technologieführer blüht, wenn er den Anschluss an neue Trends verpasst: die Pleite.