Hamburg Hacker-Kongress des CCC: Wo alle exzellent zueinander sind

Bisschen Spaß muss sein: Besucher des Kongresses des Chaos Computer Clubs (CCC) amüsieren sich an Flippergeräten.

(Foto: dpa)

Der Chaos Computer Club ruft, 12 000 Menschen kommen. Es geht um Hacking, Freiheit, Club Mate. Und um den Rückblick auf ein katastrophales Jahr.

Von Johannes Boie, Hamburg

Immer zwischen den Jahren treffen sich Mitglieder und Freunde des Chaos Computer Clubs (CCC) in Hamburg. Da steckt im Grunde alles drin, was im Congress Center Hamburg (CCH) stattfindet: eben eine Mischung aus Club-Treffen, Computer-Debatte und natürlich Chaos. Die Leute hier, auch die intelligentesten und gesellschaftskritischsten, geben sich Namen wie "nexus" oder "vollkorn" und sagen Sätze wie: " . . . und dann entsteht bei diesem Prozess natürlich ein Photon, wer kennt es nicht?" Ja, wer kennt es nicht?

Seit vier Jahren trifft sich der Club hier, weil das Konferenzgebäude in Berlin-Mitte zu klein geworden war. Und jetzt ist auch das CCH, immerhin eines der größten Gebäude in Deutschland, zu klein. Innerhalb von vier Jahren ist die Teilnehmerzahl von 4000 auf 12 000 angewachsen. Dieses Jahr musste man zum ersten Mal in Hamburg Besucher abweisen. Darunter auch solche, die das 750 Euro teure Business Ticket bezahlen wollten, sagt Constanze Kurz, eine Sprecherin des CCC. Solche Angebote sind dem Club traditionell egal. Rein kommt, wer als Erster bezahlt hat.

Der CCC ist eine Sphäre, die auf Außenstehende gleichermaßen freundlich wie sonderbar wirkt. Als eingetragener Verein besteht er aus einer Vielzahl kleiner Vereine, den sogenannten Erfas, kurz für Erfahrungsaustauschkreis. Selbst die Club-Sprecher wissen nicht genau, wie viele Mitglieder der Club mittlerweile hat, sicher aber mehr als 6000. "Es ist eben Chaos", sagt Kurz. Das soll so sein. Wenig Struktur bedeutet wenig Machtkonzentration. Niemand wird bezahlt, weder die Sprecher noch die Helfer auf dem Kongress. Die nennen sich Engel und sitzen in einem Raum, der folgerichtig Himmel heißt. Was dazu führt, dass Gespräche wie dieses geführt werden: "Engel aus dem Himmel hier. Hier steht ein Journalist, der muss noch mal in den Presseraum. Ja? O.k. Danke." Drei Minuten später ist der Presseraum wieder aufgeschlossen.

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Ein noch ziemlich kleines Kind lernt gemeinsam mit seinem Vater und anderen Interessierten an einem Stand, wie man Türschlösser knackt. Überall trinken schwarz gekleidete Menschen das Hacker-Getränk Club Mate, als ginge es darum, einen Klischee-Wettbewerb zu gewinnen. Menschen, die gerade keine Club Mate trinken, sagen zu anderen Menschen: "Ich bin der Thomas, wir kennen uns doch aus dem Erfa, lass uns eine Mate trinken gehen." Später sieht man die beiden wieder, sie suchen das Bällebad.

Es ist nicht ganz einfach, den Zauber dieser vier Tage zwischen den Jahren zu beschreiben. Die Prinzipien sind klar, sie stehen auf Postern und werden von Sprechern wiederholt: "Mach einfach", "Bringe anderen bei, was du weißt", "Seid exzellent zueinander". Einerseits. Andererseits ist das ja doch sehr theoretisch.