EU-Verordnung Nein, man kann den neuen Datenschutz-Regeln nicht per Facebook-Bild widersprechen

  • Auf Facebook wird momentan ein Bild verbreitet, mit dem Nutzer angeblich Widerspruch gegen die neuen Datenschutz-Regeln der EU einlegen können.
  • Erstellt wurde es von einem Kölner Fotografen als Satire und Insider-Witz für Kollegen.
Von Marvin Strathmann

Manchmal haben die Beamten der EU wirklich Mitleid verdient. Seit Jahren arbeiten sie an neuen Regeln für den Datenschutz, um sie an die durch Internet und Smartphones geschaffenen Bedingungen anzupassen. Nach Verhandlungen mit Industrie-Lobbyisten, Datenschützern und Abgeordneten tritt am 25. Mai die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der EU in Kraft. 88 Seiten mit 99 Artikeln und 173 Begründungen, bestehend aus 50 339 Wörtern. Doch die Beamten in Brüssel haben nicht mit einem mächtigen Gegner gerechnet, der scheinbar über den Gesetzen steht: ein simples Bild auf Facebook.

Einmal auf den Teilen-Button gedrückt, schon gelten die Datenschutz-Regeln mit ihren 50 339 Wörtern nicht mehr und die jahrelange Arbeit der Bürokraten war umsonst. So scheinen sich das zumindest viele Nutzer vorzustellen. Auf Facebook wurde folgender "Widerspruch" bisher tausendfach geteilt:

Klicken Sie auf das Bild um den vollständigen Text zu sehen.

(Foto: Robert Kneschke)

Nun kann man sich nicht sicher sein, ob die entsprechenden Nutzer wirklich an die quasi magische rechtliche Wirkung der Texttafel glauben oder nur ein ironisches Statement abgeben wollten. Denn selbstverständlich lässt sich eine EU-Verordnung so nicht aushebeln.

Als Satire gedacht

Das weiß auch der Fotograf Robert Kneschke, der das Bild erstellt hat. Facebook-User haben seinen ursprünglichen Post bisher mehr als 5500 Mal geteilt. Sie haben ihn mit mehr als 300 Herzchen oder Likes bedacht und mehr als 100 Kommentare darunter geschrieben. "Ich habe zwar auf Aufmerksamkeit gehofft, wurde aber von der Masse überrollt", sagt Kneschke der SZ.

Fotograf Kneschke postete den Beitrag als Satire und Insider-Witz für Kollegen, nachdem er ein alarmistisches Bild in einer Facebook-Gruppe gesehen hatte, das vor Abmahnungen warnte. Damit es möglichst echt aussieht, habe er auf Angaben von Quellen oder seines Namens verzichtet. Viele Menschen scheinen zu glauben: Wenn etwas einfach so im Internet steht, dann muss es ja wahr sein.

Endlich tut mal jemand etwas!

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Kneschkes Idee ist an die AGB-Widersprüche angelehnt, die immer wieder durch das Netz geistern, wenn Facebook seine Geschäftsbedingungen ändert. Diese Widersprüche - auf irgendeinem Bild geteilt von irgendeinem Nutzer - versprechen: Einmal geteilt, schon gelten die neuen Regeln nicht für den Postenden. Das ist natürlich Unsinn, hat aber Tausende Menschen nicht davon abgehalten, so einen Widerspruch zu posten.

"Checkt die Fakten, glaubt nicht jeden Scheiß"

Es ist schwer zu sagen, wer von den Kommentierenden wirklich der Botschaft des DSGVO-Bildes glaubt. Viele Beiträge wirken ironisch. Kneschke tippt, dass etwa die Hälfte der Nutzer das Bild ernst genommen hat.

Dennoch greift der falsche DSGVO-Widerspruch ein tatsächliches Problem der neuen Datenschutz-Regeln auf: Sie verwirren viele, vor allem wenn es um Fotos im Netz geht. Fotografen und Anwälte streiten noch darüber, ob die DSGVO das "Ende der Fotografie von Menschen" bedeutet, oder ob solche "große Panikmache unangebracht" sei. Im Netz sammeln sich Rants, in denen Blogger über bürokratische Pflichten für kleine Unternehmen herziehen und das freie Internet - wie so oft - in Gefahr sehen.

Fotograf Kneschke hat mittlerweile seinen Ursprungs-Post aktualisiert und einen Link zu seinem Blog hinzugefügt. Dort erklärt er die Hintergründe und weist explizit auf seinen Fake hin. Der Beitrag endet mit einem Appell: "Checkt die Fakten, glaubt nicht jeden Scheiß und teilt Informationen wirklich nur, wenn ihr der Quelle trauen könnt." Da diese Wörter aber nicht auf einem Facebook-Bild stehen, werden wohl einige sie kaum wahrnehmen.

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