Elektronik unterm Weihnachtsbaum Schlacht der Giganten

Showtime für Marketing-Spezialisten: In diesen Tagen beginnt der Kampf um ein paar Quadratzentimeter des kapitalistischen Weihnachtsglücks. Apple greift jetzt mit dem iPad mini die kompakten Geräte der Konkurrenten Microsoft, Google und Kindle an. Die Deutschen haben die Wahl: Von welchem US-Konzern wollen sie sich lieber abhängig machen?

Ein Kommentar von Hans-Jürgen Jakobs

Der Schriftsteller Jean-Paul Sartre hielt Weihnachten für ein Fest der Freude, bei dem "leider zu wenig gelacht wird". Dafür wird umso ernsthafter geschenkt. Das Ergebnis ist eine Schlacht der Waren, bei der einige wenige US-Konzerne bestimmend sind, wenn es um die zu diesem Anlass so beliebten Computer- und Elektronikprodukte geht. Unter dem deutschen Tannenbaum genießen Firmen von der amerikanischen Westküste eine besondere Wertschätzung. Der Kampf um die paar Quadratzentimeter des kapitalistischen Weihnachtsglücks beginnt in diesen Tagen - und je intensiver die Schlacht der Giganten wird, je kleiner der wahre technische Fortschritt, umso mehr stimmen die Strategen von der Marketingfront ihre Eroberungslieder an. Es ist Showtime.

Apple, das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt, hat es doch tatsächlich in diesem vorweihnachtlichen Rummel gewagt, die Kompaktklasse anzugreifen, wie es so schön heißt; also ein für die eigenen Verhältnisse preisgünstiges Gerät auf den Markt zu bringen, eine Mini-Version der erfolgreichen hauseigenen Elektronik-Tafel iPad. Das geschah am Dienstag.

Apple zieht nach

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Am Freitag wird einer der Rivalen zum Gegenschlag ausholen - das ist der einst unangreifbar wirkende Microsoft-Konzern. Die Software-Spezialisten versuchen sich als Produzent einer eigenen digitalen Tafel namens Surface. Die Dinger sollen den Start des Betriebssystems Windows 8 begleiten und begünstigen. Die Microsoft-Gewaltigen glauben, so in dem sich rapide ändernden Geschäft mithalten zu können und alle Kritiker Lügen zu strafen, die Microsoft vorhersagen, es werde in ein paar Jahrzehnten als Dinosaurier im Technikmuseum bestaunt werden.

Ein klobiger Computer unter dem Schreibtisch ist heute eine fast altertümliche Erscheinung; selbst das Laptop ist etwas für Strukturkonservative. Wer in der digitalen Welt etwas auf sich hält, kommuniziert per Smartphone oder mit E-Tafeln. Der Computer hat sich verwandelt: Er ist kleiner, schneller, mobiler geworden, und dieser Trend hat Konzerne wie Google oder Amazon größer werden lassen.

Gefangener des Systems

Nun geht es darum, wer von den ökonomischen Supermächten welche Getreuen an sich bindet. Wie groß wird die eigene Welt, die man beherrscht? Wer setzt den Goldstandard der Branche? Früher bot ein Konzern Hardware oder Software an, nun machen die Großen beides - auf dass der gewonnene Kunde auf Lebzeiten Gefangener des eigenen Systems bleibe. Wer einmal an ein Produkt von Apple gewöhnt ist, bleibt dabei, selbst wenn es kostet. Wer einen Kindle von Amazon kauft, wird Bücher dieses Online-Kaufhauses bestellen. Wer Straßen mit Google Maps sucht, greift zu Handys der Tochterfirma Motorola, die mit dem Google-System Android laufen, oder er wischt auf Googles Tablet Nexus 7 herum. Das Ziel der Manager bleibt immer gleich: geschlossene Gesellschaften.

Die Deutschen haben die Wahl. Von welchem US-Konzern wollen sie sich lieber abhängig machen? Auch das ist eine Weihnachtsgeschichte der Neuzeit.

Zehn Konkurrenten fürs neue Mini-iPad

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