Cyber-Angriff auf Filmkonzern War der Sony-Hack das Werk eines Ex-Mitarbeiters?

"Freiheit siegt": Ein Kino in Atlanta wirbt mit dem Film "The Interview".

(Foto: Marcus Ingram/AFP)
  • Das FBI sieht "keine glaubwürdigen Hinweise", dass die Hintermänner des Hacker-Angriffs auf Sony Pictures außerhalb Nordkoreas zu suchen seien.
  • Die US-Sicherheitsfirma Norse will hingegen Hinweise auf sechs Verantwortliche haben, die nicht in Verbindung zu dem kommunistischen Regime stehen.
  • Einer der Verdächtigen sei ein ehemaliger Sony-Mitarbeiter, der im Mai entlassen worden sei und Sonys Computernetze genau kenne.

US-Ermittler betonen Verantwortung Nordkoreas für Sony-Hack

Nein, heißt es von der US-Ermittlungsbehörde FBI, es gebe "keine glaubwürdigen Hinweise", dass jemand außer der nordkoreanischen Regierung für den Hacker-Angriff verantwortlich ist, mit dessen Folgen die Filmfirma Sony Pictures seit mittlerweile einem Monat zu kämpfen hat. Die Ermittler beharren darauf, dass die Hintermänner der Attacke in Pjöngjang zu suchen sind. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte sie mit Äußerungen eines Insiders konfrontiert, der die These vertritt, Nordkorea habe sich womöglich Hilfe von Experten aus dem Ausland geholt, um den Angriff gegen den Filmkonzern auszuführen. "Nordkoreanische Hacker dürften mit einem derartig anspruchsvollen Angriff überfordert sein", so dessen Vermutung. Nordkorea selbst hat stets jede Beteiligung an dem Datendiebstahl zurückgewiesen. Das Regime wertet die Schuldzuweisungen aus den USA als "Verleumdungen ohne jede Basis" - und drohte mit "ernsten Konsequenzen".

Sicherheitsexperten vermuten das Werk eines Sony-Insiders

Zweifel an der Rolle Nordkoreas bei der spektakulären Hacker-Attacke werden seit Wochen geäußert. Einige Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass das kommunistische Regime gar nichts mit dem Vorfall zu tun hat. Die US-Sicherheitsfirma Norse etwa behauptet nun, sie habe Hinweise auf sechs konkrete Personen, die hinter der Hackergruppe namens "Guardians of Peace" stecken sollen. Sie stammten nicht aus Nordkorea, sondern aus den USA, Kanada, Singapur und Thailand. Einer der Verdächtigen sei ein ehemaliger Sony-Mitarbeiter, der im Mai entlassen worden sei und Sonys Computernetze genau kenne. Das würde die These stützen, der Daten-Raubzug sei der wohlorganisierte Racheakt eines Sony-Insiders. Der Ablauf des Angriffs, argumentiert Norse, deute auf Kenntnisse über die internen Abläufe des Konzerns hin. Möglicherweise seien die Daten sogar direkt an internen Computern entwendet worden, also etwa Mithilfe von USB-Sticks.

Schaden für Sony, Erfolg für Film "The Interview"

Der Verdacht gegen Nordkorea speist sich vor allem aus der Tatsache, dass sich die Sony-Hacker gezielt gegen die Veröffentlichung des Films "The Interview" gewandt hatten. Die Satire handelt von der geplanten Ermordung des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un. Die Cyber-Einbrecher hatten zahllose E-Mails und Dokumente gestohlen und Sony mit Terrorattacken gedroht, sollte der Film wie ursprünglich geplant an Weihnachten in die Kinos kommen.

Sony hatte die Premiere von "The Interview" daraufhin zunächst abgesagt, den Streifen dann aber doch in ausgewählten Kinos gezeigt, ihn vor allem aber zum Abruf im Internet bereitgestellt. Für Sony führten die zahlreichen, peinlichen Enthüllungen der Hacker über Interna des Filmkonzerns zu einem heftigen Imageschaden. Dem umstrittenen Film verhalf die Aufregung aber zu so viel Publicity, dass der Streifen schon am ersten Wochenende zum bislang erfolgreichsten, auf kommerziellen Online-Portalen vermarkteten Film avancierte.