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Sony-Leaks:Ego-Dusche für Cleopatra

"The Interview"

In "The Interview" sollen Seth Rogen (re.) und James Franco Kim Jong Un umbringen.

(Foto: Sony Pictures Releasing GmbH)

Die Hacker-Gruppe "Guardians of Peace" hat deftige Mails aus dem Sony-Studio veröffentlicht. Die Hauptfiguren: Angelina Jolie, Produzent Scott Rudin, David Fincher - und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un.

Was haben der nordkoreanische Nachwuchsdiktator Kim Jong Un und die ägyptische Pharaonin Cleopatra gemeinsam? Beide sind gerade unfreiwillige, aber zentrale Protagonisten in einer der heftigsten Schmierenkomödien, die sich die amerikanische Filmindustrie seit Langem geleistet hat - und die sie wohl auch noch lange beschäftigen wird.

Was ist passiert? Bereits Ende November hatte eine bislang anonyme Hacker-Gruppe namens "Guardians of Peace" die Computer von Sony Pictures ausspioniert, einem der größten und einflussreichsten Filmstudios in Hollywood. Die Hacker verlangten von den Sony-Bossen zunächst einen bislang unbekannten Geldbetrag. Kurz darauf wollten sie aber plötzlich etwas ganz anderes erpressen: Sie forderten Sony auf, die Trash-Komödie "The Interview", die in den USA an Weihnachten und in Deutschland im Februar anlaufen soll, nicht in die Kinos zu bringen.

In dem Film spielen James Franco und Seth Rogen, der auch Koregisseur und Koautor des Projekts ist, zwei amerikanische TV-Macher, die ein Exklusiv-Interview mit Kim Jong Un bekommen - und von der CIA aufgefordert werden, den Diktator bei dieser Gelegenheit doch bitte zu eliminieren.

Schlammschlacht unter Filmemachern

Der Trailer verspricht ein herrlich politisch inkorrektes Klamauk-Tohuwabohu, das die "Guardians"-Hacker aber überhaupt nicht witzig finden. Sie stellten nicht nur fünf Sony-Filme auf Filesharing-Plattformen, um dem Studio finanziell zu schaden, sondern veröffentlichten auch Gehaltslisten von Sony-Mitarbeitern sowie Budgetkalkulationen. Besonders Letztere ist man in Hollywood immer sehr darauf bedacht geheim zu halten - damit die Konkurrenz nicht weiß, wie weit man sich finanziell für ein Projekt aus dem Fenster lehnt.

Dem naheliegenden Verdacht, dass Nordkorea hinter der Cyber-Attacke stehen könnte, widersprach der dortige Regierungssprecher vehement - betonte aber gleichzeitig fröhlich, dass man über die ganze Sache auch nicht unglücklich sei.

Das war aber nur das Vorspiel dieser Hollywood-Leaks-Affäre, die sich Mittwoch zu einer ordentlichen Schlammschlacht unter sehr mächtigen Filmemachern ausgeweitet hat - womit nun Cleopatra ins Spiel kommt. Die hat in Hollywood bereits 1963 ein legendäres Monumentalfilm-Denkmal bekommen, mit Elizabeth Taylor als bezaubernder Pharaonin. Ein Film, der der Schauspielerin Angelina Jolie so gut gefallen hat, dass ein opulentes Remake von "Cleopatra" seit Jahren ein erklärter Traum von ihr ist.

Genüssliches Wiederkäuen

Und im Gegensatz zu Kleinkindern mit Prinzessinnenphantasien hat sie aufgrund ihres Renommees, das den Filmstudios schon viele Millionen Dollar eingebracht hat, auch die Möglichkeit, ihren Wunsch Wahrheit werden zu lassen. Dummerweise ist sie aber trotzdem so ziemlich die Einzige, die dieses Projekt, das mit 180 Millionen Dollar ein selbst für L.A.-Verhältnisse irre hohes Budget haben soll, für eine gute Idee hält.

Das legen die vertraulichen E-Mails zwischen hohen Hollywood-Executives nahe, die die "Guardians of Peace"-Hacker nun als nächsten Schritt in ihrer Anti-"Interview"-Offensive veröffentlicht haben. Diese Mails sind etwas zu detailreich und mit zu vielen Insider-Informationen gespickt, um Fälschungen zu sein, weshalb auch Gossip-ferne Fachzeitschriften wie Variety ihren Inhalt gerade genüsslich wiederkäuen.

Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche

Krisen unterm Tannenbaum

Als Erster hatte das New Yorker Medienblog Gawker Auszüge zusammengetragen - und dürfte damit dafür gesorgt haben, dass in Hollywood so mancher Business-Lunch abgesagt wurde. Natürlich ist klar, dass in einer Industrie, die sich gerade panisch gegen Internet-Filmkonkurrenten wie den Streaming-Dienst Netflix rüstet und immer wahnsinnigere und riskantere Budgets und Marketingkampagnen für ihre Blockbuster auffährt, nicht nur freundlicher Smalltalk geführt wird.