Sony-Hack "The Interview" spielt online 15 Millionen Dollar ein

"The Interview" läuft trotz Drohungen auch in einigen Kinos - aber besonders erfolgreich im Internet.

(Foto: AFP)
  • Der Film "The Interview" hat online 15 Millionen eingespielt - ein Rekord.
  • In der Branche ist es umstritten, einen Film im Kino und gleichzeitig im Netz zu zeigen. Nun hat Sony mit "The Interview" einen Präzendenzfall geschaffen.
  • Sony hatte die Veröffentlichung nach einem Hackerangriff und Terrordrohungen zunächst abgesagt. Die USA vermuten, dass Nordkorea dahinter steckt. In dem Film soll der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un umgebracht werden.
Von Tobias Kniebe

Die Zahlen, die Sony Pictures nach dem Weihnachts-Wochenende bekannt gab, sind erstaunlich: "The Interview", die respektlose Diktatorenkiller-Komödie von Seth Rogen, die Nordkorea und die USA in eine Art unerklärten Cyberkrieg getrieben hat, verzeichnet inzwischen zwei Millionen bezahlte Downloads im Internet. Das entspricht einem Umsatz von 15 Millionen Dollar und ist Rekord - kein anderer Film zuvor hat in so kurzer Zeit so viele Online-Käufer gefunden. Und es ist erst der Anfang, denn in Apples populärem iTunes-Store ist "The Interview" erst seit Sonntag verfügbar. Davor kamen die Umsätze vor allem von YouTube, Google Play und vom XBox-Netzwerk.

Zugleich läuft der Film auch auf den Leinwänden - in 330 unabhängigen amerikanischen Kinos. Sie ließen sich nicht beirren von den terroristischen Anschlagsdrohungen der Sony-Hacker, die nach Aussage des FBI von Nordkorea gesteuert sind. Das brachte noch einmal Umsätze von geschätzt 2,8 Millionen Dollar.

Ein todesmutiger Kinobesuch oder - für die weniger risikofreudigen Amerikaner - ein bezahlter Download sind auch beinahe schon patriotische Pflicht, nachdem sogar Präsident Obama sich in die Sache eingeschaltet hatte. Erst kritisierte er Sonys überhastete Entscheidung, den Film nach den Terror-Drohungen zurückzuziehen. Dann begrüßte das Weiße Haus die ebenso planlose Kehrtwende, ihn doch ganz schnell verfügbar zu machen.

Wie weit reicht noch die Macht der Kinos?

Die Strategie, einen Film in die Filmtheater zu bringen und zugleich im Internet zu zeigen, ist in Hollywood schwer umstritten - bisher haben nur kleinere Verleiher damit experimentiert. Die Kinos fürchten gewissermaßen um das "Recht der ersten Nacht", um das exklusive Filmerlebnis auf der großen Leinwand, das sie als unersetzliches Alleinstellungsmerkmal vermarkten.

Die Studios dagegen testen gern alle denkbaren Kanäle - um dann zu entscheiden, was die Konsumenten wirklich wollen. In diesem Tauziehen um die Zukunft des Entertainmentmarkts ging bisher wenig voran. Nun hat Sony, der Not gehorchend und völlig ungeplant, einen Präzedenzfall geschaffen - mit einem Film, der dazu noch über Wochen weltweit Schlagzeilen gemacht hat.

In Hollywood wird man nun sehr genau studieren, wie sich Downloads und Kinobesuche weiter entwickeln - und ob am Ende ein Gesamtumsatz herauskommt, der dem Studio Gewinn verspricht. Die großen US-Kinoketten, die "The Interview" nach wie vor nicht spielen, sind jedenfalls tödlich sauer auf Sony. Der aktuelle Fall wird zeigen, wie weit ihre Macht noch reicht und ob sie inzwischen durch Downloads ersetzbar geworden sind.