Blockchains Diese Technologie wird die digitale Welt verändern

Das Prinzip der digitalen Währung Bitcoin ist es, alle Transaktionen in einer für jeden Nutzer einsehbaren verketteten Liste zu speichern. Diese Technologie erfasst nun die gesamte digitale Welt.

Von Johannes Boie

Accenture, Cisco, IBM, J. P. Morgan, Mitsubishi, Intel, Fujitsu, Wells Fargo . . . man kann sagen, dass es schon weniger prominente Zusammenschlüsse von Firmen gegeben hat. Die genannten sind fest entschlossen, ihren Platz in der Technologie- und Finanzwelt zu behaupten, indem sie sich - Überraschung! - einer Innovation verpflichten. Unter dem Dach der Linux-Foundation, einem gemeinnützigen Konsortium, das freie Software in der Welt verbreitet, wollen sich die Industrie- und Service-Giganten künftig der Technologie der Blockchain widmen.

Der was? In der Tat, der Begriff der "Blockchain" ist bislang eher wenigen Menschen bekannt. Das dürfte bald anders sein, denn es sieht ganz danach aus, als änderte die Blockchain früher als später sehr viel: die Art und Weise, wie Verträge zustande kommen, wie Bankgeschäfte ablaufen, wie Rechte, zum Beispiel Urheberrechte, verwaltet werden oder wie Grundbücher gehandhabt werden. Der Zusammenschluss der Firmen ist in Anbetracht dieses ökonomischen und gesellschaftlichen Potenzials nur ein kleiner Schritt auf dem Weg in eine Welt mit Blockchain.

Bitcoins sind sicher

Aber worum geht es überhaupt? Wer überhaupt schon mal auf den Begriff gestoßen ist, hat ihn wohl in Verbindung mit der Währung Bitcoin gehört. Bitcoin gilt vor allem als digitales, anonymes Zahlungsmittel für Kriminelle. Das mag spannend klingen, wird der Währung aber nicht gerecht. Tatsächlich ist Bitcoin ein außergewöhnlich sicheres und gleichzeitig transparentes System, mit dem jeder, der sich dafür registriert, Geld hin und her schicken kann. Sei es, um in einem Café zu bezahlen (das Café müsste Bitcoin als Währung akzeptieren, in den USA gibt es das bereits), oder um bei einem Freund ein paar Schulden zu begleichen.

Die Grundlage dieses Systems, dessen Implikationen für das bestehende Bankwesen und klassische Währungen kaum abzusehen sind, ist eben genau diese Technologie: die Blockchain. Wie das Wort erahnen lässt, handelt es sich um eine (virtuelle) Kette aus Blöcken. In diesen Blöcken sind die Transaktionen aller Menschen, die etwas mit Bitcoin bezahlt haben, gespeichert. Die Blockchain wächst mit weiteren Transaktionen an und enthält in der Art einer Liste die Kontostände aller Bitcoin-Nutzer zu jedem beliebigen Zeitpunkt.

Dementsprechend gibt es übrigens, nebenbei bemerkt, keine virtuellen "Bitcoin-Münzen", von denen manchmal aus Gründen der Anschaulichkeit berichtet wird. Vielmehr ist der Besitz eines Menschen, der große Summen in der Währung besitzt, lediglich das Guthaben, das sich aus dem aktuellen Stand der digitalen Liste für ihn errechnet. Die Liste ist - so gesehen - identisch mit der Währung. Weil diese Liste auf mehreren Computern gespeichert wird und für alle Nutzer einsehbar ist, ist garantiert, dass sie nicht gefälscht werden kann. Eine sichere Währung - das ist schon mal sehr, sehr viel für eine junge Technologie.