Android-Handy Galaxy S4 Samsung präsentiert sein neues Hightech-Smartphone

Hochauflösendes Fünf-Zoll-Display, schneller Prozessor, aber das nächste große Ding war nicht zu sehen: Samsung hat mit einer riesigen Show sein neues Vorzeige-Smartphone der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Galaxy S4 soll Kunden vor allem mit neuen Software-Funktionen überzeugen.

Von Helmut Martin-Jung, New York, und Pascal Paukner

Es sollte ein ganz großer Abend werden. Niemals zuvor stand Samsung derart im Mittelpunkt. Niemals zuvor hatte ein neues Smartphone des Unternehmens bereits im Vorfeld für einen solchen Wirbel gesorgt. Und damit daran auch niemand zweifeln konnte, hatte Samsung die ganz große Show mit Orchester und Tanzeinlagen vorbereitet. 3000 Journalisten und Blogger waren dafür zur Präsentation des Galaxy S4 in die Radio City Music Hall nach New York angereist.

Was sie dort zu sehen bekamen, war neben viel Klamauk auch ein neues Smartphone: 7,9 Millimeter dünn und 130 Gramm leicht ist das Galaxy S4 mit dem Samsung im Konkurrenzkampf mit Apple eine neue Runde einläutet. "In den vergangenen Wochen haben wir eine großartige Kombination aus Gerüchten und Spekulationen erfahren", sagte Samsungs Smartphone-Chef JK Shin gleich zu Beginn - wohl nicht ganz ohne Stolz.

Was dann folgte, war in weiten Teilen tatsächlich wenig überraschend, weil die Informationen bereits zuvor kursierten. Das Display wächst wie erwartet auf fünf Zoll an. Mit einer Pixeldichte von 441p und einer Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln auf dem Full-HD-Super-Amoled-Bildschirm schafft Samsung nicht nur in der Theorie ein brillantes Seherlebnis. Auch ein erster Kurztest vor Ort überzeugt: Einzelne Pixel sind nicht zu erkennen. Mit knackscharfen Displays kennt Samsung sich aus.

Zwei unterschiedliche Prozessoren

Der Prozessor spielte in der Präsentation - wie auch die restliche Hardware-Ausstattung - nur eine untergeordnete Rolle. Wie bereits zuvor durchgesickert war, verbaut Samsung im S4 tatsächlich zwei unterschiedliche Prozessoren. Sowohl der aus der Eigenproduktion stammende, mit 1,6 Gigahertz getaktete Achtkernprozessor Exynos 5 als auch die Quadcore-Variante Qualcomm Snapdragon S4 Pro kommen zum Einsatz. Unklar ist derzeit noch, in welchen Ländern welche der beiden Varianten verkauft wird.

Die Kamera, so viel lässt die Präsentation erahnen, wird Samsung als eines der zentralen Verkaufsargumente in Stellung bringen. Die Hauptkamera löst mit 13 Megapixeln auf, die kleinere Kamera auf der Displayseite kommt mit zwei Megapixeln. Entscheidend aber ist: Samsung arbeitet vor allem an verbesserter Software für die Foto- und Videofunktion des Android-Hadys. So soll es künftig möglich sein, mit beiden Kameras gleichzeitig auszulösen. Personen sollen nachträglich aus dem Bild retuschiert werden und Fotos mit Tonaufnahmen versehen werden können.

Im Vergleich mit dem Vorgängermodell ändert sich das Aussehen nur geringfügig. Das Gehäuse ist noch immer aus Plastik. Das führt dazu, dass sich das S4 sehr leicht anfühlt und damit auch schneller durch die Hand gleitet als die Konkurrenten aus Aluminium. Schon beim Vorgängermodell verhinderte dieser vermeintliche Qualitätsnachteil nicht den Verkaufserfolg. Wohl auch, weil sich im Gegensatz zu anderen Smartphones der Akku austauschen lässt. Diesen verstärkt Samsung nun auch. Wegen der gestiegenen technischen Anforderungen werden die Nutzer hier aber wohl kaum einen Unterschied bemerken. Das gilt auch für die Farben: Samsung wird das S4 wie schon das Vorgängermodell in Schwarz und Weiß auf den Markt bringen.

Scrollen mit dem Auge nur eingeschränkt

Auf das im Vorfeld bereits als Super-Funktion gehandelte Scrollen mit den Augen müssen die Käufer in der vorhergesagten Variante verzichten. Zwar wird es beim S4 möglich sein, durch Neigung des Geräts bei gleichzeitigem Blickkontakt zu scrollen. Das nächste große Ding dürfte das aber wohl kaum werden, da nicht der Blickkotakt der entscheidende Auslöser ist, sondern die Neigung des Geräts. Das Umblättern geschieht, indem man bis zum Ende einer Seite liest, dann muss man das Gerät kurz kippen. Der schnelle Datenfunk LTE mit allen sechs derzeit verwendeten Frequenzbändern ist ebenfalls an Bord.

Mit einer Übersetzungsfunktion namens S-Translator soll es etwa möglich sein, fremde Sprachen per Spracherkennung zu übersetzen. Ein Schrittezähler soll dem Trend zum Lifetracking Genüge tun. Außerdem soll sich das Android-Smartphone als Fernbedienung für den Fernseher nutzen lassen. Wer ein Video anschaut und sich vom Bildschirm abwendet, sorgt mit der Funktion Smart Pause dafür, dass das Video stoppt. Ein Synchronsiationsdienst soll das Übertragen von Daten anderer Smartphones erleichtern. Und mit Samsung Knox soll sich das Smartphone-Betriebssystem in einen privaten und geschäftlichen Teil splitten lassen.

In all diesen Kleinigkeiten zeigt sich, dass es auch Samsung schwer fällt, Produktmerkmale zu erfinden, die wirklich revolutionär sind. Der Schwerpunkt der künftigen Entwicklung wird dabei zu einem Großteil von der Software abhängen. Sie soll das schaffen, was Hardware-Protzerei nicht mehr schafft: die schlauen Telefone zu begehrenswerten Objekten zu machen. Die Konkurrenz für Samsung wird dabei härter, wie die jüngsten Handys etwa von Sony und HTC zeigen. Und natürlich wird auch Apple nicht schlafen.

Im Handel erhältlich soll das Galaxy S4 in 155 Ländern ab Ende April sein. Einen Preis nannte Samsung noch nicht.