Uni Lübeck ehrt Ex-Ministerin Schavan Doktor Dankeschön

Der Umgang der Wissenschaft mit der überführten Plagiatorin Annette Schavan ist durchaus unterschiedlich.

(Foto: dpa)

Ihren Doktortitel hat Annette Schavan verloren. Doch die Uni Lübeck will der überführten Plagiatorin jetzt einen neuen akademischen Titel zuteil werden lassen, sie soll einen medizinischen Ehrendoktor erhalten. Kritik an dieser Würdigung wehrt der Hochschulpräsident lapidar ab.

Von Roland Preuß

Die Stimmung von Prof. Dr. med. Peter Dominiak dürfte mit einer volksnahen Formulierung am besten beschrieben sein: Er hat die Schnauze voll. Seit zwei Jahren liegt die Urkunde zur Verleihung des Ehrendoktors an Annette Schavan unterschrieben im Tresor der Universität zu Lübeck, an diesem Freitag nun will er sie endlich der CDU-Politikerin überreichen. Trotz aller Kritik. "Wir ziehen das durch", sagt der Uni-Präsident.

Ein Ehrendoktor für die Ex-Bildungsministerin, drei Wochen nachdem Richter den Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf wegen Plagiaten und Täuschung bestätigt haben? Für ihre "Verdienste um die Wissenschaft"? Das halten nicht alle für eine prima Idee.

Als Bundesbildungsministerin hatte Schavan die Uni Lübeck vor existenzbedrohenden Sparplänen der Landesregierung bewahrt. Im Januar 2012 beschloss der Uni-Senat, ihr unter anderem dafür den Ehrendoktor zu verleihen. Doch dann kam etwas dazwischen: Erst wollte Schavan den Preis nicht vor der nahenden Bundestagswahl erhalten. Dann, Ende April 2012, rollten schon die Plagiatsvorwürfe auf sie zu. Mitten in die Affäre hinein den Ehrentitel zu verleihen, war der Universität dann doch zu heikel. Nun aber fällt die Verleihung ausgerechnet in die Zeit, in der das Urteil gegen Schavan fiel. Aber deshalb noch mal verschieben? "Was ist dann nächstes Jahr?", fragt Dominiak gereizt.

Der fünfte Ehrendoktor

Der Präsident sieht es so: Schavan habe sich unabhängig von ihrer Doktorarbeit um die Wissenschaft verdient gemacht, habe das medizinische Forschungszentrum mit aufgebaut, habe die Universität vor vier Jahren mit Bundesgeld vor dem Ende bewahrt. Dominiak hat damals eine Menge wichtiger Leute angeschrieben. "Schavan war die Einzige, die sich sofort gemeldet hat", sagt er. Also wird Dominiak an diesem Freitag im Audimax die Laudatio auf Schavan halten und ihr feierlich die Urkunde überreichen. Es ist ein medizinischer Ehrendoktor - und bereits ihr fünfter. Schavan kann sich dann Dr. h.c. mult. nennen. Die anderen Titel erhielt sie vor ihrem Rücktritt.

Bei Volker Rieble wird der Abend keinen Jubel auslösen. Der Münchner Jura-Professor und Plagiatsexperte hält die Ehrung zumindest derzeit für falsch. Letztlich verkehre man die jüngste Entscheidung der Richter, Schavan sei ihr Titel zu Recht aberkannt worden, in ihr Gegenteil. Er sei für Resozialisierung, sagt Rieble, auch bei Schavan. "Aber da kann man ja noch eineinhalb Jahre warten."

"Ein gewisses Gschmäckle ist schon dabei"

Auch die Ex-Ministerin selbst könnte es treffen. Denn die Universität begründet den Ehrendoktor neben Schavans allgemeinen Verdiensten für die medizinische Wissenschaft ausdrücklich mit deren Einsatz für die Universität. Es ist also auch ein Dankeschön-Doktor. Dafür, dass Schavan mit Steuergeld die Hochschule gerettet, also ihren Job gut gemacht hat. "Das dürfte kein Beamter", sagt Rieble und verweist auf das Strafgesetzbuch, wo Vorteilsannahme durch Amtsträger ausdrücklich verboten ist. Darauf steht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.

Natürlich kann man das anders sehen, wie viele juristische Fragen. Der Ehrendoktor liege "im Grenzbereich", sagt der Korruptionsexperte Dieter Dölling. Der Heidelberger Jura-Professor sieht den Ehrendoktor aus Dankbarkeit eher nicht als Fall für den Staatsanwalt. "Aber ein gewisses Gschmäckle ist schon dabei."

Hätte die Universität sich nicht anders dankbar zeigen können? Eine Medaille verleihen - oder einen Annette-Schavan-Saal einrichten? Man habe darüber nachgedacht, sagt der Präsident. Aber dann habe sich der Senat für den Ehrendoktor entschieden, "egal was juristisch passiert". Mit 13 zu 0.

Linktipp: Ehrendoktor im Norden, Persona non grata im Süden: Die Dekane der Ludwig-Maximilians-Universität München haben Annette Schavan in dieser Woche zum Rücktritt aus dem Hochschulrat gezwungen. Eine Blamage vor allem für Uni-Präsident Huber, kommentiert SZ-Autor Sebastian Krass.