LMU: Schavan-Rücktritt Blamage für den Präsidenten

Nach dem Rücktritt von Annette Schavan aus dem Hochschulrat ist das Renommee des Münchner Uni-Präsidenten Bernd Huber schwer beschädigt. Dabei ist die Affäre nur ein Symptom eines grundsätzlichen Problems: Er agiert hochmütig.

Ein Kommentar von Sebastian Krass

Am Ende will Bernd Huber also selbst erkannt haben, dass Annette Schavan im Hochschulrat der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) nicht zu halten war. So die offizielle Erklärung. Man kann sie lesen als den Versuch des Präsidenten, auf den letzten Drücker das Gesicht zu wahren. Doch das ging schief.

Hubers Renommee als langjähriger und erfolgreicher Uni-Präsident ist schwer beschädigt. In der ganzen Republik schütteln Professorenkollegen den Kopf über den LMU-Chef - manche klopfen sich auch vor Schadenfreude auf die Schenkel. Doch die Schavan-Geschichte ist nur ein Symptom eines grundsätzlichen Problems in Hubers Amtsführung: Er agiert hochmütig.

Fakultäten zwingen Schavan zum Rücktritt

Nach monatelanger Diskussion entscheidet ein Votum der Fakultäten: Die 18 Dekane der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität haben Annette Schavan zum Rücktritt aus dem Hochschulrat bewegt. Was bleibt, ist ein Imageschaden für Schavan, für Präsident Huber - und für die ganze Uni. Von Sebastian Krass mehr ...

Mit dem Wissen und den Kontakten der Hochschulrätin Schavan wollte die LMU unter anderem an noch mehr Fördermillionen von Bund und EU kommen - für sich genommen eine legitime Überlegung Hubers. Der Imageschaden für die Uni, wenn sie eine Plagiatorin in den Hochschulrat beruft? Nachrangig, fand Huber. Nach dem triumphalen Abschneiden der LMU bei der Exzellenzinitiative 2012 scheint sein Leitgedanke zu sein: "Uns kann keiner was".

Ein weiteres Beispiel: Zur Ernennung des Wissenschaftsministers Ludwig Spaenle veröffentlichten die bayerischen Uni-Chefs im Herbst gemeinsam einen Forderungskatalog. Kaum war das Papier auf dem Markt, distanzierte Huber sich: Das klinge ja, als seien die bayerischen Unis nur Mittelmaß - und das gehe für die LMU als beste deutsche Uni "völlig daneben". Zu Recht ärgerten sich die anderen Präsidenten über Hubers Egotrip.

Im politischen Geschäft oder in der Wirtschaft würden nach einem Debakel, wie Huber es nun mit Schavan erlebt hat, Rücktrittsforderungen laut. Das ist in der LMU nicht zu erwarten. Dafür ist sie ein viel zu behäbiger Betrieb. Doch wenn Huber seine noch frische, bis 2019 laufende Amtszeit zum Erfolg machen will, muss er dazulernen: Er braucht mehr politisches Gespür und weniger Eigensinn. Und Huber muss erkennen, wie das Herz seiner Universität schlägt. Das hat er in der Sache Schavan verkannt.