Hochschulrat der LMU Fakultäten zwingen Schavan zum Rücktritt

Gibt ihren Posten im LMU-Hochschulrat auf: Annette Schavan.

(Foto: dpa)

Nach monatelanger Diskussion entscheidet ein Votum der Fakultäten: Die 18 Dekane der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität haben Annette Schavan zum Rücktritt aus dem Hochschulrat bewegt. Was bleibt, ist ein Imageschaden für Schavan, für Präsident Huber - und für die ganze Uni.

Von Sebastian Krass

Nun ging es plötzlich ganz schnell: Auf Drängen der Fakultäten der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München gibt die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan ihren Posten im Hochschulrat auf. Auf einer kurzfristig terminierten Sitzung am Montagabend hätten die 18 Dekane der LMU "das Präsidium in seiner Auffassung bestärkt", Schavan zum Rücktritt zu bitten, erklärt die Uni. Nachdem das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Entzug von Schavans Doktortitel durch die dortige Uni für rechtens erklärt hatte, fehle an der LMU "vor allem die notwendige Akzeptanz für einen Verbleib von Frau Schavan im Hochschulrat".

LMU-Präsident Bernd Huber habe Schavan darüber unterrichtet. Die CDU-Bundestagsabgeordnete habe daraufhin angekündigt, dem bayerischen Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) "ihr Ausscheiden aus dem Hochschulrat der LMU zu erklären", heißt es in der LMU-Mitteilung. Sie war erst zum 1. Oktober 2013 ernannt worden.

Der Hochschulrat ist das oberste Kontroll- und Entscheidungsgremium an bayerischen Hochschulen. Die LMU ist nicht nur - abgesehen von der Fern-Uni Hagen - die größte Hochschule Deutschlands. Sie verteidigte auch bei der Exzellenzinitiative 2012 ihren Titel als "Elite-Uni". Der Posten im Hochschulrat der LMU verschaffte der langjährigen Bildungspolitikerin Schavan nach dem Entzug des Doktortitels also wieder etwas formales Prestige in der akademischen Welt.

In dieser Welt bekommt sie diese Woche aber auch noch eine Ehrung: Die Universität Lübeck verleiht Schavan am Freitag die Ehrendoktorwürde. Zudem hat Schavan, die im Laufe des Jahres deutsche Botschafterin im Vatikan werden soll, weiterhin eine Honorarprofessur an der Freien Universität Berlin inne.

An der LMU endet damit eine Geschichte, die die Hochschule seit vergangenem Herbst in Atem gehalten hatte. Auf Vorschlag von Präsident Huber hatte der Senat, in dem neben Professoren auch Vertreter der Studenten und der wissenschaftlichen Mitarbeiter sitzen, trotz leiser Bedenken der Berufung Schavans per Akklamation zugestimmt. Auch der damalige Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) winkte die problematische Personalie durch.

In der LMU erhob sich daraufhin erster Protest, von Professoren, aber auch von Studenten. Kern der Kritik war, dass die akademische Glaubwürdigkeit der LMU leide, wenn eine überführte Plagiatorin im Hochschulrat sitze. Präsident Huber wehrte alle Kritik ab. Er argumentierte, man habe ja nicht die Wissenschaftlerin, sondern die erfahrene Hochschulpolitikerin Schavan berufen. Überdies stecke Schavan, die gegen den Entzug des Doktortitels geklagt hatte, in einem laufenden Verfahren. Allerdings war von Anfang an klar, dass das Gericht das Verfahren an der Uni Düsseldorf nur formal prüfen würde.

Als das Urteil gesprochen war, forderten erste Senatoren Schavan zum Rücktritt auf. Huber aber erklärte, man wolle erst einmal die Begründung des Urteils abwarten. Doch die Debatte gewann weiter an Fahrt. Der BWL-Professor Manuel René Theisen griff Schavan und Huber frontal an.

In der vergangenen Woche dann sah Huber sich zum Handeln gezwungen. Er berief die Sitzung der Dekane ein, wollte auch noch mit den anderen Gremien sprechen. Und Schavan, die trotz aller Kritik am Amt festgehalten hatte, erklärte plötzlich, sie würde "dem Votum der LMU folgen".

Eigentlich wollte Huber "bis Ende April" eine Entscheidung der LMU verkünden. Nun sah sich die LMU-Spitze "angesichts des massiven internen und externen Interesses" gezwungen, schneller zu agieren.

Schavan und insbesondere auch Huber müssen nun mit einem massiven Imageschaden leben, für sich persönlich, aber auch für die LMU.