Trotz Bologna-Prozess Was muss ich zum Staatsexamen wissen?

Bachelor und Master statt der alten Studienabschlüsse - das war der Plan. Aber trotz der Bologna-Reformen ist das Staatsexamen nicht totzukriegen. Weil der Widerstand gegen die Umstellung in vielen Fachbereichen groß ist, machen immer noch viele Studenten die alte Staatsprüfung.

Früher Magister, Diplom, Staatsexamen - heute Bachelor und Master? Ganz so einfach ist die Sache nicht. Im Zuge des Bologna-Prozesses sollten zwar alle Studiengänge modularisiert, also in einzelne, Module genannte Lerneinheiten untergliedert werden und als europaweit einheitliche Studienabschlüsse Bachelor und Master eingeführt werden. Doch obwohl dieser Prozess schon 1999 beschlossen wurde und in den meisten Studiengängen und Hochschulen kurz vor dem Abschluss steht, gibt es Ausnahmen.

Wer heute Arzt, Anwalt, Richter, Lebensmittelchemiker oder Pharmazeut werden will, schließt sein Studium nach sechs bis zwölf Semestern noch immer mit dem Staatexamen ab. Bei den Lehrern ist es von Bundesland zu Bundesland und teilweise sogar von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich: Manche Lehrer starten mit dem Master in den Schuldienst, andere mit dem Staatsexamen, andere mit beiden Abschlüssen.

Das Staatsexamen ist in diesen Berufsfeldern die Schwelle, die überschreiten muss, wer beispielsweise als Richter im Staatsdienst oder in staatlich regulierten Berufen wie Apotheker arbeiten will. Hier sind Anforderungen und Ablauf der Prüfung bundesweit einheitlich vom Staat vorgegeben, der so einen für alle gleichen Ausbildungsstandard gewährleisten will.

In den meisten Fällen steht am Ende des Studiums das erste Staatsexamen, dann folgt eine Praxisphase, die mit dem zweiten Staatsexamen abschließt. Die Prüfungen nehmen nicht die Hochschulen selbst, sondern staatliche Prüfungsausschüsse ab.

15 Prozent bleiben übrig

Eigentlich sollten bis 2010 Diplom, Magister und Staatsexamen in Deutschland weitgehend verschwunden sein. Und mittlerweile sind zwar 85 Prozent der Studiengänge umgestellt, am Ende wird ein Bachelor- oder Mastertitel vergeben. Aber 15 Prozent bleiben übrig und die sind zum Großteil Staatsexamensstudiengänge. Hier geht die Diskussion weiter und noch ist die Zukunft des Staatsexamens offen.

In den Staatsexamensfächern war und ist der Widerstand gegen Bologna und die Einführung von Bachelor besonders groß. Länder, Hochschul- und Fachvertreter fürchten teils einen Qualitätsverlust in der Ausbildung, wenn keine einheitlichen Standards gewährleistet sind. Deswegen halten insbesondere bei den Medizinern und Juristen viele Universitäten daran fest. Und bei den Lehrern sind Bachelor und Master zwar mittlerweile in vielen Bundesländern eingeführt, aber selbst dann ist teilweise noch ein zusätzliches Staatsexamen Voraussetzung für die Aufnahme in den Schuldienst.