Kinderbetreuung Baden-Württemberg top, Hamburg Flop

Auf diesem Bild aus Dresden sind es fünf, laut aktueller Studie muss eine Betreuerin in Sachsen durchschnittlich mehr als sechs Kinder betreuen.

(Foto: dpa)
  • Eine Vollzeitkraft muss in Deutschlands Kinderkrippen durchschnittlich 4,4 Kinder betreuen, in den Kindergärten sind es 9,5 Kinder.
  • Das besagt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung.
  • Die Erhebung befasst sich auch mit den Unterschieden zwischen Bundesländern. Im Westen schneidet Hamburg, im Osten Sachsen-Anhalt am schlechtesten ab.

4,4 Kinder pro Vollzeitbetreuungskraft

Mit mehr Personal soll bundesweit die Qualität der Betreuung in Krippen und Kindergärten verbessert werden. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung kamen 2014 auf eine Vollzeitkraft im Schnitt 4,4 Krippenkinder in der Ganztagsbetreuung oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor waren die Durchschnittswerte schlechter und lagen bei 4,8 und 9,8.

Der Betreuungsschlüssel ist der Studie zufolge ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Die Experten der Stiftung sprechen von einem positivem Trend, trotzdem sei immer noch zu wenig Personal in den Kitas. Sie gehen von einem Idealwert von 1 zu 3 in der Betreuung der Kleinsten und von 1 zu 7,5 ab drei Jahren aus.

Laut dem "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" lassen sich in den 16 Bundesländern unterschiedliche Fortschritte feststellen. Die besten Werte hat Baden-Württemberg mit 3,1 und 7,7 (2012: 3,5 und 8,6). Zwar hat Hamburg vor allem im Kindergartenbereich aufgeholt, die Hansestadt bleibt aber bei der Krippenbetreuung mit einem Schlüssel von 5,1 (2012: 5,7) Schlusslicht im Westen. "Die Personalschlüssel sind längst noch nicht überall kindgerecht und pädagogisch sinnvoll, aber der Trend ist positiv", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung zu den Zahlen.

Gefälle zwischen Ost und West

Weiterhin registrieren die Forscher ein starkes Gefälle zwischen Ost und West. In den neuen Bundesländern müssen sich die Erzieherinnen um deutlich mehr Kleinkinder kümmern (1 zu 6,1) als im Westen (1 zu 3,6). Auch in den Kindergartengruppen ist der Personalschlüssel im Westen mit 1 zu 8,9 deutlich besser als im Osten mit 1 zu 12,4. Allerdings gehen im Osten mit 46,6 Prozent auch erheblich mehr Kinder unter drei Jahren in Kitas als im Westen (22,7 Prozent).

Wie es den Betreuern geht

Fällt der Personalschlüssel schlecht aus, hat das auch Folgen für die Gesundheit der Fachkräfte. Der Studie zufolge müssen sie etwa ein Viertel ihrer Zeit für Elterngespräche, Dokumentation oder Fortbildung einplanen. Das funktioniert bei Vollzeitkräften, wird aber bei Teilzeitkräften schwierig und sorgt für Druck. Ihre Arbeitszeit wird komplett für die Kinderbetreuung verplant, andere Aufgaben müssen aber auch erledigt werden. "Angesichts der konstant hohen Unterschiede zwischen den Bundesländern werden bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kindertagesbetreuung immer drängender", sagte Dräger.

Erstaunt zeigen sich die Bertelsmann-Experten über den bundesweit hohen Anteil an befristeten Verträgen. 41 Prozent der Fachkräfte unter 25 Jahren arbeiten befristet. Bei Spezialisten für Inklusion, also der gemeinsamen Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern, sind es ein Drittel.

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