Ehrendoktor für Snowden an der Uni Rostock "Kolumbus des Digitalzeitalters"

Die Uni Lübeck macht Annette Schavan zur Ehrendoktorin, nun will die Uni Rostock Edward Snowden diese Ehre erweisen. Die Begründungen sind ganz unterschiedlich. Aber doch haben die Verleihungen eine ganz wesentliche Gemeinsamkeit.

Von Sebastian Krass

Helmut Kohl bekam sie unter anderem in Harvard, in Sofia und in Manila. Insgesamt hat der Altkanzler in seiner Laufbahn mehr als 20 Ehrendoktorwürden angehäuft. Noch übertroffen wird er vom Dalai Lama, der mehr als 40 Mal auf diese Weise geehrt wurde.

Diese Beispiele zeigen, dass man sich nicht unbedingt um eine konkrete Hochschule verdient machen muss, um einen Ehrendoktor zu ergattern. Es reicht oft schon ein prominenter Name. Je bekannter, desto besser. Möge ein wenig dieses Glanzes auf die ehrende Hochschule abfallen.

Nun macht die Universität Rostock - Leitmotiv "Traditio et Innovatio" - auf sich aufmerksam. Sie will Edward Snowden zu ihrem Ehrendoktor machen. Die Philosophische Fakultät habe mit der notwendigen Dreiviertel-Mehrheit die Eröffnung eines entsprechenden Verfahrens beschlossen, teilt Dekan Hans-Jürgen von Wensierski mit.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Snowden, der mit der Weitergabe geheimer Daten den NSA-Skandal ausgelöst hat, werde vor allem als Aufklärer gewürdigt, hieß es zur Begründung. Er habe seine eigene bürgerliche Existenz geopfert, um auf gravierende gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen.

Snowden habe sich "für Amerika, die Werte der amerikanischen Verfassung und die weltweiten Menschenrechte" eingesetzt. Die Prodekanin der Fakultät, Gesa Mackenthun, nennt Snowden gar einen "Kolumbus des Digitalzeitalters".

Aufmerksamkeits-Konkurrenz zur Uni Lübeck

Aus formalen Gründen soll der Fakultätsrat im Mai aber noch einmal abstimmen. Sollte das Votum positiv ausfallen, müssten der Senat und der Rektor zustimmen. Es sei davon auszugehen, dass Snowden noch in diesem Semester Ehrendoktor der Universität werde, hieß es.

Mit ihrem Vorhaben tritt die Uni Rostock in Aufmerksamkeits-Konkurrenz zur Uni Lübeck, die just in dieser Woche Aufsehen erregt, weil sie am Freitag die ehemalige Bundesbildungsministerin Annette Schavan zu ihrer Ehrendoktorin machen will. Anders als die Kollegen aus Rostock mit ihrer eher universellen Würdigung begründen die Lübecker den Plan damit, dass Schavan sich ganz konkret um den Forschungsstandort Lübeck verdient gemacht habe.

Ob das allerdings der Uni Lübeck zur Ehre gereicht, ist fraglich. Schließlich ist die akademische Salonfähigkeit Schavans wegen ihres entzogenen Doktortitels äußerst fraglich. Die Ludwig-Maximilians-Universität München jedenfalls hat sie deswegen gerade erst zum Rücktritt aus dem Hochschulrat gedrängt.

Das Vorhaben der Uni Rostock ist aus hiesiger Sicht deutlich unverfänglicher. In den USA und Großbritannien könnte die Ehrung Snowdens kritischer beurteilt werden - zumindest da, wo die Uni Rostock in diesen Ländern überhaupt wahrgenommen wird.

(Mit Material von dpa und AFP)