Studium Das duale Studium boomt

Mit einem Bein im Job, mit dem anderen an der Uni.

Immer mehr Menschen absolvieren Ausbildung und Bachelorstudium parallel. Das hat nicht nur finanzielle Vorteile.

Von Joachim Göres

Vor dreieinhalb Jahren hat Anika Wohlers mit ihrer Ausbildung in einem Fitnessstudio in Hannover begonnen, jetzt steht sie kurz vor dem Abschluss: Anfang dieses Jahres hat sie den Titel Bachelor of Arts Fitnesstraining erhalten. Die 22-Jährige ist eine von 95 000 dual Studierenden in Deutschland; sie gehört also zu den jungen Leuten, die eine Berufsausbildung und zugleich ein Bachelorstudium absolvieren.

Zusätzlich zu ihrer betrieblichen Ausbildung studiert Wohlers an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHFPG) mit Hauptsitz in Saarbrücken. Die staatlich anerkannte private Hochschule zählt 7100 Studenten. Wohlers war alle sechs Wochen zu mehrtägigen Präsenzphasen zum DHFPG-Studienzentrum nach Köln gefahren. Dort wurde sie von Dozenten in Fächern wie Trainingslehre, Ernährung, medizinische Grundlagen, BWL, Marketing und Sportpädagogik unterrichtet. Zu Hause musste sie den Stoff abends nach der Arbeit und am Wochenende nachbereiten - an der nächsten Präsenzphase kann man nur teilnehmen, wenn man vorher einen Online-Test besteht.

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Wer neben der Ausbildung noch studiert, dem bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Wohlers hat mehrere Jahre in der Judo-Bundesliga gekämpft - den Leistungssport musste sie aufgeben. "Auch der Kontakt zu Freunden ist während des Studiums weniger geworden. Das hing aber auch mit meinen Arbeitszeiten im Fitnessstudio zusammen", sagt sie. Warum nahm sie das in Kauf? "Ich kann die Kenntnisse aus dem Studium gleich im Beruf anwenden, das gefällt mir." Außerdem habe auch das Geld eine Rolle gespielt. Der Arbeitgeber zahlte die Studiengebühren von monatlich 330 Euro. Hinzu kam die Ausbildungsvergütung, die im ersten Jahr bei 325 Euro im Monat liegt. Davon musste Wohlers auch die Fahrten nach Köln und den dortigen Aufenthalt bezahlen. Letztlich spielte für sie die berufliche Perspektive eine entscheidende Rolle - langfristig will sie sich selbständig machen. "Darauf konnte ich mich durch das duale Studium gut vorbereiten."

Nur sieben Prozent der dualen Studenten steigen vorzeitig aus

Dual Studierende streben mehrheitlich eine Leitungsposition an und zeigen eine hohe Leistungsbereitschaft, um dieses Ziel zu erreichen - das ist ein Ergebnis der Studie "Dual Studieren - und dann?" des Instituts Arbeit und Qualifikation der Uni Duisburg-Essen. Die Autoren haben 2015 online 9285 duale Studenten in ganz Deutschland befragt. 58 Prozent der Interviewten haben als höchsten Bildungsabschluss ihrer Eltern eine Berufsausbildung, 17,4 Prozent einen Uniabschluss angegeben. Zum Vergleich: Bei den Studierenden an deutschen Hochschulen insgesamt haben 36 Prozent der Eltern erfolgreich ein Studium absolviert.

Große Unterschiede gibt es laut der Studie zwischen einzelnen Branchen. 73,7 Prozent aller dual Studierenden aus dem Bereich der Energie- und Wasserversorgung sagen, dass die Freistellung für Lernzeiten zum Beispiel vor Prüfungen gut beziehungsweise sehr gut geregelt gewesen sei - bei Studenten aus dem Gastgewerbe bestätigen dies nur 33,5 Prozent. Generell gilt: Je größer der Betrieb, umso größer die Zufriedenheit mit der Betreuung und den Studienbedingungen. Die Abbruchquote ist beim dualen Studium mit sieben Prozent deutlich geringer als im Bachelor-Studium insgesamt (28 Prozent).

Fast drei Viertel der dual Studierenden haben eine Zusage für eine Übernahme nach erfolgreichem Abschluss. Dabei musste sich jeder fünfte sogar dazu verpflichten, eine bestimmte Zeit nach dem Ende des dualen Studiums seinem Ausbildungsbetrieb treu zu bleiben - so sollen sich die Ausgaben für die Studiengebühren für das Unternehmen rentieren, gerade in Berufen mit Fachkräftemangel.