Prüfungstypen an der UniSchleimer, Minimalisten und Hysteriker

Zur Klausurenzeit: Eine Typologie der Prüflinge, die auf Uni-Fluren anzutreffen sind.

Der Schummler

Was macht ihn aus?

Der Schummler kennt alle Tricks: Spickzettel in der Unterwäsche ("Äh, ich müsste mal eben...") und in den Schuhsohlen, den doppelten Boden im Stiftemäppchen, vorgeschriebene Antworten auf geschmuggelten Prüfungsbögen, präparierte Wörterbücher und als Tattoo getarnte "Erinnerungsstützen" auf dem Unterarm. Er hat sich in die Drohnen-Technik reingefuchst und weiß, welche Knöpfe im Ohr und Scanning-Brillen am besten funktionieren. Während seiner Schulzeit schon hat er am PC die kleinstmöglichen Schriftarten ausprobiert und sein Poker-Face perfektioniert. Aufgeregt war er nur einmal: Ende der vierten Klasse, als er sich in Sachkunde so schlecht die verschiedenen Getreidesorten merken konnte. Sein erstes Schummel-Erlebnis wurde für ihn zum Initiationsritus.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Wahlweise Spickzettel, präparierte Innenseiten von Pulloverärmeln, Handy im Klospülkasten oder eine unauffällige Drohne. Und jede Menge innere Gelassenheit.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Puh, wenn ich gewusst hätte, wie lange das dauert, bis so ein Knopf im Ohr technisch einsatzbereit ist, hätte ich vielleicht sogar die Zeit zum Lernen genutzt. Hab ich dann aber echt nicht mehr geschafft."

Und das nach der Prüfung:

"Kennst Du zufällig einen günstigen Shippingpartner für Technik aus China?"

Dorothea Grass

Bild: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de 8. Juli 2015, 06:492015-07-08 06:49:44 © SZ.de/chwa/dgr/mkoh/hum