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Prüfungstypen an der Uni:Schleimer, Minimalisten und Hysteriker

Zur Klausurenzeit: Eine Typologie der Prüflinge, die auf Uni-Fluren anzutreffen sind.

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Der Schummler

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Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Schummler kennt alle Tricks: Spickzettel in der Unterwäsche ("Äh, ich müsste mal eben...") und in den Schuhsohlen, den doppelten Boden im Stiftemäppchen, vorgeschriebene Antworten auf geschmuggelten Prüfungsbögen, präparierte Wörterbücher und als Tattoo getarnte "Erinnerungsstützen" auf dem Unterarm. Er hat sich in die Drohnen-Technik reingefuchst und weiß, welche Knöpfe im Ohr und Scanning-Brillen am besten funktionieren. Während seiner Schulzeit schon hat er am PC die kleinstmöglichen Schriftarten ausprobiert und sein Poker-Face perfektioniert. Aufgeregt war er nur einmal: Ende der vierten Klasse, als er sich in Sachkunde so schlecht die verschiedenen Getreidesorten merken konnte. Sein erstes Schummel-Erlebnis wurde für ihn zum Initiationsritus.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Wahlweise Spickzettel, präparierte Innenseiten von Pulloverärmeln, Handy im Klospülkasten oder eine unauffällige Drohne. Und jede Menge innere Gelassenheit.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Puh, wenn ich gewusst hätte, wie lange das dauert, bis so ein Knopf im Ohr technisch einsatzbereit ist, hätte ich vielleicht sogar die Zeit zum Lernen genutzt. Hab ich dann aber echt nicht mehr geschafft."

Und das nach der Prüfung:

"Kennst Du zufällig einen günstigen Shippingpartner für Technik aus China?"

Dorothea Grass

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Der Streber

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Ihn gibt es in zwei Ausführungen: Einerseits den wenig sozialen Bücherwurm, der sich für nichts anderes als sein Studium interessiert und die nächste glatte Eins in seiner Vita; und andererseits den umgänglichen Kommilitonen, der immer zu allen freundlich ist - und sich wahnsinnig für das begeistert, wofür er sich seinerzeit eingeschrieben hat. Gemein ist ihnen, dass beide auch spätnachts vor der Klausur noch auf verzweifelte Rundmails von Kollegen antworten - der eine aus Besserwisserei, der andere aus Kollegialität. So oder so hat der Streber seinen schlechten Ruf nicht verdient.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Einen Apfel, zwei Müsli- und einen Schokoriegel. Denn am Wissen wird es beim ihm nicht Scheitern, darum muss er nur auf seinen Energiehaushalt achten.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Mach dir keinen Kopf, so viel hab ich auch nicht gelernt."

Und das nach der Prüfung:

"Bei der fünf war es Antwort A, bei der vier C und bei der 8 D. Wenn du noch was wissen willst, schreib mir einfach nachher bei WhatsApp."

Matthias Kohlmaier

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Der Schleimer

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Schleimer kennt es nicht anders: In der Schule schon konnte er die Geburtstage seiner Lehrer und Lehrerinnen im Schlaf aufsagen und brachte ihnen jedes Jahr etwas Gebasteltes mit. In der Uni hat er nach jeder Vorlesung eine Verständnisfrage an den Dozenten, über die er gerne ins Plaudern gerät (was ihm bei seinen Kommilitonen nicht im Traum einfallen würde). In der Phase der Abschlussarbeiten ist er für seine Mitstudenten besonders schwer zu ertragen. Während diese sich noch an der Einleitung abarbeiten und zur täglichen Gruppentherapie in der Bibliothek treffen, ist der Schleimer ihnen um zwei Kapitel voraus. Und das Beste dabei ist, dass jeder Satz daraus schon von seinem betreuenden Prof gegengelesen wurde. Sicher ist sicher.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Ein Lächeln für den Prof, gespitzte Bleistifte und eine begründete Ahnung davon, was drankommt.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Wird schon schiefgehen!"

Und das nach der Prüfung:

Ganz so locker und zuversichtlich, wie der Schleimer in die Prüfung hereingeht, kommt er nicht immer heraus. Profs sind schließlich auch nicht blöd.

Dorothea Grass

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Der Prokrastinierer

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Prokrastinierer hat gute Absichten, wirklich! Er setzt sich an den Schreibtisch, spitzt die Stifte, ordnet die Unterlagen, legt die vielfarbigen Post-It-Zettel bereit, schaltet den Rechner an und könnte jetzt loslegen. Aber irgendetwas kommt ihm immer dazwischen: die staubigen Heizkörper, die ihm erst vom Schreibtisch aus auffallen und die er sofort reinigen muss; die faszinierende fünfstöckige Torte aus dem Kochblog, die er sofort nachbacken muss (Hä? Wie ist er denn jetzt auf den Kochblog gelangt?); die eine Folge von House of Cards, die er noch schauen muss, um auf dem neuesten Stand zu sein... Es gibt einfach unfassbar viel zu tun, da kann man schon mal das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Die nahezu jungfräulich unberührten Lernunterlagen, die er in der Nacht zuvor zum ersten Mal aufgeschlagen hat, um festzustellen, dass sich ein Semester auch mit seiner selbst entwickelten Speed-Reading-Methode (nur jedes dritte Wort lesen) aufarbeiten lässt.

Das sagt er vor der Prüfung:

Zum Quatschen hat der Prokrastinierer keine Zeit, schließlich muss er (s.o.) jede Minute effizient zum Lernen nutzen.

Und das nach der Prüfung:

"So, jetzt geh ich aber nach Hause, lade mir die dritte Staffel House of Cards runter und ziehe sie mir an einem Wochenende rein. Das hab ich mir nach diesem Stress echt verdient."

Christina Waechter

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Der Lerngruppentyp

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Lerngruppentyp ist ein aufrichtiger Pragmatiker. Nach dem Motto "geteiltes Leid ist halbes Leid" beugt er sich dem selbstgewählten Schicksal. Er weiß, dass er sich alleine schwer zum Lernen aufraffen kann und Termine mit der Lerngruppe seine Faulheit ordentlich abschwächen. In der Lerngruppe trifft er auf den schüchternen Schlauen, der Anschluss sucht, die zwei Kommilitoninnen, die total gerne erklären, topleserlich mitschreiben und auch gerne Lehrerinnen geworden wären sowie den Quoten-Coolen, der immer von der Gruppe mitgeschleift wird. Der liefert seine Referatsanteile zwar nie pünktlich ab, ist aber eine zuverlässige Infoquelle, um zu erfahren, wo die besten After-Prüfungs-Partys laufen.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Kurze Zusammenfassung vom letzten Treffen auf einer ausklappbaren und übersichtlichen A4-Seite. Erstellt von einer der beiden Vielleicht-Lehrerinnen.

Das sagt er vor der Prüfung:

Vor der Prüfung ist der Lerngruppentyp zweckoptimistisch eingestellt. Klar, mehr lernen geht immer. Aber zumindest hat er von jedem prüfungsrelevanten Thema schon mal gehört. Inständig hofft er, dass der Stoff abgefragt wird, für den er in der Lerngruppe verantwortlich war.

Und das nach der Prüfung:

"Coolie, Mädels, Schlaubinger: Gehen wir was trinken?"

Dorothea Grass

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Der Minimalist

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Minimalist will aus einem Minimum an Lernaufwand ein Maximum an Notenertrag herausholen. Wobei er selbst Maximum nicht mit der Note Eins definiert. Er lebt, arbeitet und studiert nach dem alten Hochschüler-Motto: Vier ist bestanden, bestanden ist gut und gut ist fast Eins. In der Schule ist er damit super durchgekommen - warum sollte ihm das an der Uni nicht auch gelingen?

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Ein entspanntes Lächeln auf den Lippen, mehr braucht er nicht. Irgendwer wird ihm schon einen Kugelschreiber leihen können.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Was, das Thema ist heute dran? Das hatte ich jetzt nicht so genau angeschaut. Aber wird schon schiefgehen."

Und das nach der Prüfung:

"Läuft. Nach der exakten Note in Klausur XY fragt in zehn Jahren doch eh keiner mehr."

Matthias Kohlmaier

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Der Blackout-Kandidat

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Viele verwechseln ihn mit dem Hysteriker, aber das greift zu kurz. Der Blackout-Kandidat ist ruhig, entspannt, top vorbereitet - bis die Klausur losgeht. Dann sitzt er vor einem weißen Blatt Papier und weiß nicht mal mehr, was er im Namensfeld eintragen soll, geschweige denn, wie seine Matrikelnummer lautet. Ausflippen wird er deshalb trotzdem nicht. Er weiß, dass ihm das erstens nichts bringt, und dass es zweitens ja auch noch einen Zweitversuch gibt. Und im Notfall einen Drittversuch.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Seine Oma hat ihm mal gesagt, dass ihr diese kleinen bunten Salzkristalle aus dem Reformhaus ganz gut helfen, wenn sie sich an Sachen erinnern will. Darum hat er ein Fläschchen mit bunten Perlen dabei - wird sich aber hüten, dass das irgendwer mitbekommt.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Sich verrückt zu machen, das hat noch keinem geholfen!"

Und das nach der Prüfung:

"Das ist, wie wenn man im Supermarkt steht und den Einkaufszettel vergessen hat. Man weiß genau, dass links unten noch irgendwas stand, aber ums Verrecken nicht, was es war.

Matthias Kohlmaier

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Der Hysteriker

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Hysteriker kennt in der Prüfungszeit nur einen Modus Operandi: Nervosität mit kurzen Einschüben von absoluter Panik. Er weiß, dass er viel zu spät mit dem Lernen begonnen hat; er fürchtet, dass seine Kommilitonen sich besser vorbereiten; er glaubt, dass der Prof ihn auf dem Kieker hat, weil er neulich so laut geniest hat: Er schafft es einfach nicht, sich zu beruhigen. Weshalb er auch zwei Wochen vor Beginn der Prüfungen nicht mehr schlafen kann.

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Einen Stressball, den er so intensiv knetet, bis die Füllung herausrieselt.

Das sagt er vor der Prüfung:

"Welches Themengebiet hast du bearbeitet? Was?? Echt????? Oh Mist, Mist, Mist! Das habe ich total vergessen!!!! Oh Gott, ich kriege keine Luft mehr! Mir ist schlecht!!!"

Und das nach der Prüfung:

"Was hast du denn bei der dritten Frage geschrieben? Was?? Echt??? Oh Mist, Mist, Mist! Ich habe was ganz anderes hingeschrieben! Oh Gott, ich kriege keine Luft mehr! Mir ist ist schlecht!!!"

(Eine Woche später werden die Prüfungsergebnisse verteilt, der Hysteriker hat eine Eins und sich nur deshalb verrückt gemacht, weil er den Uni-weit bekannten Chaoten befragt hat, der immer falsch liegt.)

Christina Waechter

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Der Karrierist

Prüfungstypen

Quelle: Illustration: Jessy Asmus / SZ.de

Was macht ihn aus?

Der Karrierist investiert genau so viel Zeit und Energie in die Prüfungsvorbereitungen wie nötig, um die Note zu erreichen, die er haben will. Sein erklärtes Ziel ist es, mit möglichst wenig Aufwand einen Top-Abschluss zu bekommen. Den braucht er natürlich, weil er jetzt schon weiß, wo er sich später bewerben wird - bei den besten Firmen des Landes, ach was! Der ganzen Welt!

Dieses Utensil bringt er zur Klausur mit:

Seinen Füller - ein Erbstück.

Das sagt er vor der Prüfung:

Seit Studienbeginn nach jeder Vorlesung: "Ist das Prüfungsrelevant?"

Und das nach der Prüfung:

"So, wäre das auch abgehakt. Diesen Sommer mache ich ein Internship bei einem Publishing House in New York. Danach noch zwei Semester Uni, ein Praktikum und dann geht es endlich raus auf den freien Markt!"

Christina Waechter

© SZ.de/chwa/dgr/mkoh/hum

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