Britische Elite-Unis Immer mehr Studierende beim Schummeln erwischt

Sieht zumindest ehrwürdig aus: die britische Cambridge University.

(Foto: AFP)
  • An britischen Top-Universitäten werden so viele Betrugsfälle angezeigt wie noch nie.
  • Im akademischen Jahr 2016/17 waren es in den 24 führenden Universitäten 3721 Fälle.
  • Als mögliche Gründe kommen die Verbreitung von Ghostwriting-Webseiten und steigender Druck auf Studierende infrage, aber auch bessere Aufklärung.

An britischen Top-Universitäten wird so viel Schummelei angezeigt wie noch nie. Die 24 führenden Hochschulen des Landes verzeichneten einen Anstieg der Betrugsfälle um etwa 30 Prozent; zumeist handelt es sich um Plagiate. Das meldet der Guardian unter Berufung auf Zahlen der "Russell Group", in der die 24 Unis vertreten sind. Demnach waren im akademischen Jahr 2014/15 noch 2640 Betrugsfälle angezeigt worden. 2016/17 waren es dagegen 3721 Fälle. Das betreffe auch die Vorzeige-Unis Cambridge und Oxford.

Einen der größten Anstiege verzeichnet demnach die Leeds University. Dort haben sich die angezeigten Fälle von 181 auf 433 mehr als verdoppelt. An der Glasgow University ist die Zahl von 161 auf 394 gestiegen.

Ob an deutschen Unis der Betrug zunimmt, ist nicht bekannt

Die Leeds University liefert dem Guardian die zentrale Erklärung für den Anstieg: Betrugsfälle werden schlichtweg häufiger aufgedeckt, lässt die Hochschule ausrichten.

Ein weiterer Grund dürfte die Verbreitung von "essay mill websites" sein - Firmen, die gegen Bezahlung Hausarbeiten für Studierende verfassen. Die Ghostwriting-Agenturen machen so aggressiv Werbung, dass sich Anfang des Jahres die zuständige Behörde einschaltete. Nun müssen sie Studierende darüber informieren, dass sie mit universitären Strafen zu rechnen haben.

Ob auch an deutschen Hochschulen der Betrug zunimmt, ist nicht bekannt. Eine bundesweite Schummel-Statistik gibt es nicht.

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