Abbruchquote bei Promotionen Karriere schlägt Doktorhut

In vielen Fällen wird die Doktorarbeit geplant, anrecherchiert und begonnen, dann aber zugunsten einer Karriere in der Wirtschaft aufgegeben.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Ein Doktortitel ist bei vielen Führungspositionen gefragt. Doch jeder fünfte Promovierende bricht ab oder wird nie fertig. Was den wissenschaftlichen Ehrgeiz bremst - und warum das oft gar nicht so schlimm ist.

Von Johann Osel

Der aufstrebende CSU-Nachwuchspolitiker Karl-Theodor zu Guttenberg entschloss sich bekanntlich vor gut zehn Jahren dazu, eine Doktorarbeit zu verfassen - nach eigenen Worten geschah dies dann "neben meiner Berufs- und Abgeordnetentätigkeit als junger Familienvater in mühevollster Kleinarbeit".

In seiner Absolventenkohorte stand er damit nicht alleine: Jüngst hat das HIS-Institut für Hochschulforschung eine Studie zum Verbleib der Absolventen des Jahrgangs 2001 veröffentlicht. Demnach ist ein Hochschulabschluss die "beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit", 40 Prozent der Absolventen bekleiden gar eine Führungsposition. Ein Nebenaspekt der Studie betrifft die Promotionen: Etwa zeitgleich mit Guttenberg strebten ein Drittel der Absolventen den Doktortitel an und starteten ein Promotionsvorhaben.

Über die Qualität der Arbeiten lässt sich, anders als bei der als Plagiat enttarnten Dissertation des Ex-Ministers, nichts sagen. Wohl aber zu den Schwierigkeiten, die auch Guttenberg in seinen Verteidigungsreden bemühte. 17 Prozent derjenigen, die sich nach dem Abschluss an eine Arbeit wagten, haben das Projekt abgebrochen. Weitere fünf Prozent sind nach gut zehn Jahren immer noch nicht damit fertig. In manchen Fächern ist die Abbrecherquote erschreckend, liegt höher als ein Viertel.

Regelabschluss für Chemiker

Erwartungsgemäß hing die Promotionsneigung des Absolventenjahrgangs eng mit dem Fach zusammen. Mehr als 70 Prozent der Mediziner haben zehn Jahre nach dem Examen den Doktorgrad erworben. Für Chemiker stellt eine Promotion mit 85 Prozent der Absolventen schon quasi den Regelabschluss dar. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie in Jura begann jeder Vierte mit der Doktorarbeit, in den Geisteswissenschaften jeder Dritte, in Psychologie und Pädagogik jeder Zehnte.

Insgesamt kamen aber mehr als ein Fünftel nicht zum Ziel oder stecken heute noch mitten in ihrem Werk. Während von Vorhaben im naturwissenschaftlichen Bereich nur sechs Prozent ohne den Titel enden, sind es in der Psychologie und der Pädagogik 26 Prozent, in den Wirtschaftswissenschaften 22 Prozent.

Im Schnitt dauerte eine Promotion viereinhalb Jahre - hier sind aber etwa die Mediziner herauszurechnen, die ihre Arbeiten oft abschlussbegleitend anfertigen, zuweilen durchaus als eine Art Schmalspur-Promotion.