Mehr als zehn Stunden Arbeit Wirtschaft fordert flexiblere Arbeitszeiten

Bei den Gewerkschaften stößt die Kampagne auf Widerstand.

Von Alexander Hagelüken

Bayerns Wirtschaft startet eine groß angelegte Kampagne, um die gesetzliche Höchstgrenze von zehn Stunden Arbeit am Tag zu kippen. Von mehr Flexibilität würden nicht nur Firmen, sondern auch Arbeitnehmer profitieren, behauptet der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW), Alfred Gaffal: "Die Gesetze brauchen ein Update." Gaffal betont, es gehe nicht um generell längeres Arbeiten. So soll es gemäß EU-Richtlinie bei höchstens 48 Stunden die Woche bleiben - aber flexibler über die Tage verteilt. Wirtschaftsfunktionäre präsentierten Beispiele dafür, dass die bisherigen Regeln mit dem betrieblichen Alltag kollidieren: Etwa wenn Messeaufbauten pünktlich fertig sein sollen, es aber zu Verzögerungen gekommen ist. Oder wenn ein Hotel nach zehn Stunden Arbeitszeit der Kellner Hochzeitsgäste nach Hause schicken müsse - obwohl das auch die Kellner nicht wollten. Aufgrund der starren Regeln habe die Hälfte der Hotels und Gaststätten in Bayern seit 2015 den Service oder die Öffnungszeiten reduziert.

Ein Hindernis ist demnach auch die Regel, wonach ein Beschäftigter nach der Arbeit elf Stunden Ruhezeit einhalten muss, bis er wieder tätig werden darf. Diese Regelung kriminalisiere Unternehmen, die der zunehmenden Zahl berufstätiger Eltern flexible Zeiten einräumten. Wenn eine Mutter oder ein Vater nachmittags die Kinder betreut und die unerledigten Aufgaben zu Hause abends am Computer erledigt, dürfen sie am nächsten Morgen eigentlich nicht wieder arbeiten. Auf Nachfrage nannten die Wirtschaftsvertreter indes keine konkreten Fälle, in denen die Behörden Unternehmen wegen solcher und ähnlicher Verstöße verfolgt haben. Weil durch den Mindestlohn neuerdings Arbeitszeiten genauer aufgezeichnet werden müssen, fürchten die Firmen nun aber offenbar, künftig stärker in den Fokus zu geraten.

Widerspruch kommt von den Gewerkschaften. Matthias Jena, der Vorsitzende des DGB Bayern, erklärte: "Ein Schleifen des Arbeitszeitrechts führt zu noch größeren gesundheitlichen Belastungen." 96 Prozent der befragten Arbeitnehmer wollten weiter Gesetze, die der Arbeitszeit Grenzen setzten, sagt Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Die Wirtschaft präsentierte dagegen eine Umfrage, wonach drei von vier Arbeitnehmern der Metallbranche gegen die Höchstarbeitsdauer von zehn Stunden seien.