Ärger um ein Denkmal Jedes Jahr kommt mit neuen großen Problemen

2012 kursierte ein Foto von einer hochrangigen Mitarbeiterin, die auf dem Betstuhl des Königs ihren Mittelfinger Richtung Altar reckte. Und die Klingelschilder am Schloss-Portal trugen die Namen "Ludwig II", "Richard Wagner" und "Sisi". Für die einen sind das harmlose Scherze, für andere unfassbare Respektlosigkeiten.

2013 wurde der Erker im Wohnzimmer des Königs großflächig von Schimmelpilzen befallen und im Kammerdienerzimmer rissen sechs historische handgewalzte Fensterscheiben. Das Schloss-Personal sagt, Schuld an den Schäden sei unsachgemäße Arbeit der Restauratoren. Die BSV dagegen spricht von einem "völlig normalen bauphysikalischen Problem", das mit "der exponierten Lage", mit "Dauerregen" und "hohem Besucheraufkommen" zusammenhänge. Diese Darstellung ist mutig, nachdem die Scheiben zuvor 120 Jahre und zwei Weltkriege ohne Schaden überstanden hatten. Und wer bitte ist verantwortlich dafür, die Besucherströme so zu regeln, dass keine Schäden entstehen?

Wechsel auf Neuschwanstein

Schlossverwalterin lässt sich nach Querelen mit der Belegschaft versetzen Von Stefan Mayr mehr ...

2014 fand vor dem Amtsgericht Kaufbeuren ein Strafprozess gegen den ehemaligen Schlossverwalter und den Kastellan wegen Betrugs und Untreue statt. Das Verfahren wurde eingestellt, hinterließ aber einen faden Nachgeschmack. "Der Angeklagte hat nur ein seit Jahren etabliertes System übernommen", sagte der Staatsanwalt damals. Zuvor hatten mehrere BSV-Mitarbeiter als Zeugen ausgesagt, die Verantwortlichen in der Schlösserverwaltung hätten von unversteuerten Barauszahlungen an die Führer gewusst.

2016 fand vor dem Arbeitsgericht Kaufbeuren ein Termin statt, der unschöne Details aus dem Innenleben des Schlosses an die Öffentlichkeit beförderte. Von Mobbing und Schikanen war die Rede. Es ging um zwei Abmahnungen der Schlossherrin Katharina Schmidt gegen den Leiter des Führungsdienstes. Sie musste diese Abmahnungen aus der Personalakte streichen. Am Donnerstag verkündete Schmidt den überraschten Mitarbeitern nun, sie lasse sich in die BSV-Zentrale nach München zurückversetzen. Auf SZ-Anfrage wollte sie sich dazu nicht äußern. Im August hatte sie noch vom "schönsten Arbeitsplatz Deutschlands" gesprochen.

Das sehen einige der 30 festangestellten Mitarbeiter etwas anders. Schmidts Rücktritt ist ein Schlussstrich unter jahrelange Querelen, aber auch ein weiterer Beleg für eine unglückliche Personalpolitik der BSV. Denn Schmidts unrühmlicher Abgang ist bereits der zweite innerhalb von drei Jahren. Auch ihr Vorgänger wurde vorzeitig vom Schloss gejagt. Die Stimmung im Personal hat in all den Jahren des Schreckens stark gelitten, deshalb wirft der Abgeordnete Wengert der BSV und dem verantwortlichen Minister Söder "Missmanagement" vor. Er fordert: "Es braucht jetzt endlich eine qualifizierte Führungskraft, die Erfahrungen auf einer exponierten staatlichen Liegenschaft hat und soziale Kompetenz mitbringt."

Ungeduld im Söder-Ministerium

Die Antwort von Söders Sprecherin lässt eine gewisse Ungeduld durchblicken: "Wir haben die Schlösserverwaltung angehalten, alle Vorkommnisse abzustellen und endlich für eine dauerhafte Befriedung zu sorgen. Das beinhaltet auch personelle Veränderungen." Die BSV gelobt Besserung: "Die Schlösserverwaltung arbeitet mit hoher Priorität daran, vor Ort eine bessere Zusammenarbeit zu ermöglichen."

Voraussichtlich im November wird der neue Chef anfangen. Ein Schloss-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, blickt dem Termin mäßig optimistisch entgegen: "Es herrscht jetzt gespannte Erwartung, wer als nächstes kommt." Er hoffe auf jemand, der nicht nur mit Mikrowellengeräten, sondern auch mit Menschen umgehen kann.