Technische Hochschule Eine Seilbahn für Ingolstadt

Die Seilbahn würde voraussichtlich 48 Millionen Euro kosten - eine Boom-Stadt wie Ingolstadt könnte das durchaus stemmen.

(Foto: dpa)
  • Studierende der Technischen Hochschule Ingolstadt haben ein Seilbahn-Konzept für die Stadt entwickelt, das sie demnächst dem Stadtrat präsentieren.
  • Sechs Kilometer wäre die Bahn lang, fünf Haltestellen wären vorgesehen - das soll helfen, den Verkehr in Ingolstadt zu entlasten.
  • Die Idee ist in Ingolstadt nicht neu, scheiterte aber aus diversen Gründen. Der Entwurf der Studenten ist nun aber weiter ausgereift als die bisherigen.
Von Tobias Ott, Ingolstadt

An der Saturn Arena soll es hinaufgehen, hoch hinauf, auf 50 Meter. Am Audi-Werk vorbei bis zum Westpark, über den Stau hinweg. Zumindest in der Vorstellung von acht Studenten der Technischen Hochschule Ingolstadt. In einer Projektarbeit haben sie in ihrem Masterstudium ein urbanes Seilbahnkonzept für die Donaustadt entwickelt.

Rund sechs Kilometer lang soll sie sein, mit fünf Stationen, und schneller als das Auto. "Die Seilbahn benötigt 17 Minuten, mit dem Auto dauert die Fahrt bei fließendem Verkehr fast 22 ", sagt Student Max Rebentisch. Außerdem reagiert das Projektteam auf das zunehmende Verkehrsaufkommen in Ingolstadt: "Wir wollten proaktiv handeln und nicht abwarten, bis der Worst Case eintritt", sagt Studentin Sarah Ruhland. An diesem Montag präsentieren die Studenten ihr Projekt einer sogenannten 1-Seil-Umlaufbahn dem Stadtrat.

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Die SPD unterstützt den Vorschlag. "Wir sollten jede Chance nutzen, um das beinahe alltägliche Chaos auf den Straßen zu entschärfen", heißt es in einer Stellungnahme zum Seilbahnprojekt. Das Konzept der Studenten halten die Sozialdemokraten für revolutionär, obwohl der Vorschlag nicht neu ist. Bereits 2013 wollte die SPD ein Luftgefährt über Ingolstadt schweben sehen.

Daraus wurde allerdings nichts: Der Planungsausschuss sprach sich gegen den Antrag aus, der eine Seilbahntrasse vom Nordbahnhof zum Güterverkehrszentrum vorsah. Die Kosten für den Linienbusbetrieb wären deutlich niedriger, hieß es damals in der Ablehnung. Die Taktung der Busse könnte zudem viel einfacher zu den Stoßzeiten angepasst werden. Außerdem würde die von der SPD vorgesehene Seilbahn Wohngebiete durchkreuzen.

Alle Argumente, die damals zu einer Ablehnung führten, hat Professor Harry Wagner mit den Studenten in den neuen Plänen berücksichtigt. "Unsere Bahn wird nicht über bewohntes Gebiet fahren. Kein Anwohner muss sich von oben beobachtet oder bedroht fühlen", sagt Wagner, der auch den Betrieb analysiert hat: "Zu Stoßzeiten kann die Bahn schneller laufen oder bei geringer Nachfrage können Kabinen ausgehängt werden."

In einigen Städten sind solche Seilbahnen bereits Realität. In Köln und Koblenz beispielsweise überspannen Kabinen am Kabel den Rhein. In beiden Städten muss der Passagier ein Ticket für die Gondelfahrt lösen. Das Ingolstädter Konzept sieht dagegen eine Integration der Seilbahn in den öffentlichen Personennahverkehr vor. "Mit dem Busticket kann auch die Seilbahn mitbenutzt werden", sagt Professor Wagner. Außerdem solle sie Standorte in der Stadt verknüpfen, die bislang nicht verbunden sind.

Diese Route würde die Seilbahn - nach dem Konzept der Studierenden - durch die Stadt nehmen. (Quelle: SZ-Karte)

Schöne Ausblicke für Touristen soll die Seilbahn zudem schaffen. "Sie trägt zum Imagegewinn und einer Attraktivitätssteigerung bei", sagt Ruhland. Die Trasse ginge nicht nur am Schloss vorbei, sondern läge auch am Gelände der Landesgartenschau, die 2020 in Ingolstadt stattfindet.

Zur Bundesgartenschau 2005 in München überspannte eine etwa 1 500 Meter lange Seilbahn das Areal. Allerdings nur für kurze Zeit. Längerfristige Pläne wurden immer wieder verworfen. Einen Antrag der Grünen für einen Gondelbau über die Isar, den Tierparkhang hinauf nach Harlaching lehnte 2014 das Planungsreferat ab. Auch eine Seilbahnverbindung zwischen dem flughafennahen Englschalking und der Messe in Riem stand im Raum. Bereits Ludwig II. träumte von einer Seilbahn über den Alpsee.

Aus der Vision der Studenten vom Semesterbeginn ist dagegen ein halbes Jahr später schon mehr geworden als ein Gedankenspiel. Die Studenten haben die Gesetzeslage und den Personalbedarf bedacht, die Windgeschwindigkeit und Lärmentwicklung analysiert, mögliche Fördermittel eruiert und einen Finanzplan aufgestellt. Bereits nach etwa fünf Jahren könnten die Bahnbetreiber schwarze Zahlen schreiben, sagt Student Rebentisch.

Die oberbayerische Boom-Stadt könne die Finanzierung von etwa 48 Millionen Euro, acht Millionen Euro pro Kilometer, durchaus stemmen. Andere Projekte seien wesentlich teurer: Der Bau von einem Kilometer S-Bahn koste rund zehn Millionen Euro, ein Kilometer U-Bahn sogar bis zu 250 Millionen Euro, geben die Studenten an. Wann und ob überhaupt zwischen dem weiß-blauen Himmel und der blauen Donau Gondeln verkehren oder das Modell der Studenten eine Luftnummer wird, ist fortan ein Politikum.

Dabei könnte Ingolstadt eine Vorreiterrolle übernehmen, meint Rebentisch, eine "derartige urbane Seilbahn gibt es in Deutschland bisher nicht". Und wenn die Ingolstädter schnell sind, kommen sie den Wuppertalern zuvor. Dort hat der Stadtrat die Entscheidung über eine Seilbahn als Teil des Personennahverkehrs von Februar auf Mai verschoben.

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