Prozess Muslim soll konvertierte Frau vor den Augen ihrer Kinder erstochen haben

Der Angeklagte vor dem Landgericht in Traunstein

(Foto: dpa)
  • Ein 30-jähriger Muslim soll eine 39-jährige zum Christentum konvertierte Frau erstochen haben. Beide stammen aus Afghanistan.
  • Die Tat geschah im April 2017 vor einem Discounter in Prien am Chiemsee.
  • Der Angeklagte soll die Frau mit 16 Messerstichen vor den Augen ihrer Kinder getötet haben.
Von Matthias Köpf

Ein 30-jähriger Muslim muss sich in Traunstein vor Gericht verantworten, weil er eine zum Christentum übergetretene Frau erstochen haben soll. Vor den Augen ihrer Kinder soll er sie mit 16 Messerstichen getötet haben.

Beim Prozess vor dem Landgericht Traunstein sagte der Angeklagte, die ehemalige Muslima habe ihn immer wieder gebeten, auch zu konvertieren, um Christ zu werden. Dann könne er in Deutschland bleiben und seinen Job am Bauhof behalten. Er habe aber Muslim bleiben wollen und irgendwann auch die beiden kleinen Kinder der Frau gebeten, ihre Mutter von ihren Bekehrungsversuchen abzubringen.

Das 39-jährige Opfer kam aus Afghanistan, war schon vor längerer Zeit Christin geworden und gut integriert in Prien. Die Frau pflegte einen westlichen Lebensstil und engagierte sich in der evangelischen Kirchengemeinde. Zwei ihrer vier Söhne, zum Zeitpunkt der Tat fünf und elf Jahre alt, mussten mit ansehen, wie ihre Mutter getötet wurde.

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Der Angreifer wurde von einem zufällig vorbeilaufenden Polizisten und weiteren Passanten überwältigt. Nach der Bluttat wurde er zunächst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen und einige Monate später in Untersuchungshaft verlegt.

Das Gericht in Traunstein hat nun versucht, seine Lebensgeschichte zu rekonstruieren. Aus Gesprächen mit dem psychiatrischen Gutachter ergibt sich, dass sie von Familienfehden, tödlicher Rache und Bürgerkrieg geprägt sei. Sein Vater sei ein wohlhabender Mann und lokaler Militärkommandeur gewesen, der Onkel ein bekannter Warlord mit eigener Hubschrauberflotte und drei Kampfjets. Eine Fehde habe ihn nach Iran getrieben, schließlich kam er über die Balkanroute nach Deutschland.

In Prien, wo der Mann seit 2013 in wechselnden Unterkünften lebte, habe ihn die Frau mit ihren Vorschlägen verrückt gemacht, so der Angeklagte. Er habe Stimmen gehört, ihre und andere. Für Ende 2017 war seine Abschiebung geplant. Er selbst habe nach Afghanistan zurückkehren wollen, um die Frau nicht zu töten. Verwandte hätten eine Hochzeit mit einer Cousine für ihn arrangiert. Er habe Suizidgedanken gehabt, erklärte der Mann dem Gutachter, doch dafür hätte er keine Gnade vor Gott gefunden.

Am Tag der Tat Ende April 2017 sei er bekifft und angetrunken von einem Ausflug nach München nach Prien zurückgekehrt. In einem Discounter am Bahnhof habe er gleich die Frau gesehen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft ist der Angeklagte daraufhin in seine wenige Hundert Meter entfernte Unterkunft gegangen, um ein Küchenmesser mit einer fast 20 Zentimeter langen Klinge zu holen. Immer wieder soll er vor der Glasfront des Discounters hin und her gegangen sein und in den Laden gespäht haben. Schließlich habe er sich auf einer Sitzbank gegenüber eine Zigarette angezündet und gewartet. Als die Frau herausgekommen sei und ihre Einkäufe in ihrem Fahrradanhänger verstaute, habe er das Messer aus der Jacke gezogen, sie am Pferdeschwanz gepackt und immer wieder zugestochen. Er selbst könne sich nicht an die Tat erinnern, sagt der Angeklagte.

Drei Passanten hatten den Angreifer noch mit dem Einsatz von Bauzaun-Elementen von der Frau abdrängen wollen, doch der Angreifer habe sich immer wieder an das Opfer herangekämpft und weitere Stiche gesetzt. Manche Verletzungen wirkten, als habe er der Frau regelrecht den Kopf abtrennen wollen, sagt ein Polizist vor Gericht aus. Viel Alkohol habe der Mann zur Tatzeit nicht im Blut gehabt, und auch nur kleine Spuren des Cannabis-Wirkstoffs THC.

Der Prozess dauert an, ein Urteil wird für den 9. Februar erwartet.

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