Peter Gauweiler scheitert beim CSU-Parteitag Ramsauer, Bayern Mann in Berlin

Und auch mit seiner Kandidatur für den Stellvertreterposten im Parteivorstand, die das nach Geschlechtern und Regionalproporz sorgsam ausgeklügelte Personaltableau durcheinander brachte, polarisierte er - am Ende zu sehr. Denn die Stimmung hat sich gedreht. Einige sagen, dies sei in den letzten Wochen geschehen, andere sehen die Europa-Abstimmung am Vortag als Wendepunkt. Zuletzt wurde viel telefoniert, um Stimmen für Ramsauer zu sammeln. Es sei schlecht für die Partei, einen Bundesminister zu beschädigen, wurde argumentiert - offenbar mit Erfolg. Gauweiler konnte auch nicht mit seinem Ziel überzeugen, die Kluft zwischen den "Bürgern und der politischen Klasse" zu schließen.

Gratulation nach der Kampfabstimmung: Peter Gauweiler gratuliert Peter Ramsauer. Der Bundesverkehrminister bleibt stellvertretender CSU-Vorsitzender.

(Foto: dpa)

Wenige Minuten dauert die Bewerbungsrede von Gauweiler. In dieser Zeit sitzt Ramsauer konzentriert in der ersten Reihe und hört zu, den Kopf in Denkerpose auf die linke Hand gestützt. Im Vorfeld hatte er immer wieder beteuert, nicht nervös zu sein. Selbst als Zehnjähriger vor seinem ersten Klaviervorspiel sei er kaum aufgeregt gewesen. Nervös wirkt er trotzdem, an diesem Samstag in Nürnberg.

In den wenigen Minuten seiner Rede zielt er immer wieder auf seinen Posten im Kabinett Merkel ab. "Mit Leib und Seele" sei er Verkehrs- und Bundesminister, beteuert Ramsauer. Er wisse, dass das stärkste Bundesland auch die stärkste Verkehrsinfrastruktur brauche. Deswegen mache er sich "Projekte auch zur persönlichen Verpflichtung". Außerdem wisse er um die Bedürfnisse der Städte und Kommunen.

Die Botschaft liegt auf der Hand: Ramsauer ist der Mann, der sich im Bund für die Belange des Freistaates einsetze. Eine Stimme für ihn diene also den bayerischen Interessen. Für diesen Unterstützer haben sich die Delegierten entschieden. Verpassten sie ihm vor zwei Jahren mit 78,9 Prozent ein schlechtes Ergebnis, setzen sie nun auf ihn.

Verlierer mit Manieren

Doch Gauweiler ist ein Verlierer mit Manieren. Als das Ergebnis verkündet wird, steht er wortlos auf, lässt die Reporterarmada, die sich vor ihm aufgebaut hat, stehen, und strebt Richtung Ramsauer, um ihm zu gratulieren. Am Vorstandstisch schiebt er sich an Parteichef Horst Seehofer vorbei. Der lässt seinen Blick Gauweiler folgen, wenig später schiebt sich Gauweiler zurück, es fällt kein Wort zwischen den beiden.

Natürlich sei er "ein bisschen enttäuscht, das ist doch klar", gibt Gauweiler zu und verweist gleich darauf, wie knapp es war. "Der hat gewonnen, ich hab verloren, man nennt das Demokratie." Weitere Konsequenzen will Gauweiler nicht ziehen und die Frage, ob aus der Parteiführung verdeckt gegen ihn gearbeitet worden ist, lässt er ein kleines bisschen offen: "Das will ich nicht unterstellen."