Oberfranken Pfarrer vergleicht Homosexuelle mit Sodomiten

  • In einem Schreiben hat ein evangelischer Pfarrer in Oberfranken gleichgeschlechtliche Ehen mit Beziehungen zwischen Mensch und Tier in Verbindung gebracht.
  • Mit dem Schreiben des Geistlichen befassen sich nun Juristen der evangelischen Landeskirche.
Von Olaf Przybilla, Nemmersdorf

Gegen Homosexuelle, beteuert Pfarrer Günter Weigel, habe er gar nichts. Überhaupt erfahre er "an der Kirchenbasis" nahezu nur Zustimmung für seinen Gemeindebrief, mit dem er sich an die 1480 Mitglieder der evangelischen Gemeinde im oberfränkischen Nemmersdorf gewandt hat. Ausschließlich? Okay, stimme schon, räumt der Pfarrer ein, nicht ganz. Es gebe da zwei "Betroffene", die wegen seines Briefes aus der Kirche austreten wollen. "Betroffene"? Er meine damit ein gleichgeschlechtliches Paar. Dass die beiden seinen Gemeindebrief aber gleich an den Landesbischof weitergeleitet hätten - das sei "auch nicht die feine Art".

Für Stilfragen glaubt der Pfarrer offenbar ein feines Gespür zu haben. Worüber man geteilter Meinung sein könnte bei der Lektüre des Nemmersdorfer Kirchenboten. Der beginnt mit einer "Andacht" aus der Feder Weigels. Und die liest sich so: "Nachdem die Homo-Ehe praktisch vom Staat eingeführt und legalisiert wurde, wurde kürzlich die weitergehende Forderung laut, die ,Ehe für alle' einzuführen."

"Die Verwirrung auf diesem Gebiet wird immer größer"

Dies sei abzulehnen, findet der Pfarrer: "Die ,Ehe für alle' würde in der Konsequenz nämlich in der Tat bedeuten, dass auch die Ehe unter nahen Verwandten (z. B. zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern) dann ebenfalls möglich wäre; oder auch die ,Ehe' zwischen einem Menschen und seinem geliebten (Haus-)Tier (z.B. mit seinem Hund, seiner Katze, seinem Pferd, seinem Schaf, seiner Kuh usw.)." Er frage sich deshalb: "Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen?" Der Pfarrer ist sich sicher: "Die Verwirrung auf diesem Gebiet wird immer größer."

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Wie man auf solche Ideen kommt, fragt sich inzwischen auch die evangelische Kirche. Allerdings anders, als der Pfarrer sich das vorgestellt hat. Mit dem Schreiben des Geistlichen "befassen sich unsere Juristen", sagt der Sprecher der Landeskirche, Michael Mädler. "So was Bizarres" sei ihm noch nicht untergekommen. Der Pfarrer entwerfe "unbegreifliche Fantasien", das gesamte Schreiben lasse einen als Leser "verwundert, irritiert und hilflos zurück".

Dem Pfarrer drohen womöglich Konsequenzen

Weder dass dort gleichgeschlechtliche Ehen offenbar in Verbindung gebracht würden mit Beziehungen zwischen Mensch und Tier, noch die "Beschimpfungen" von Politikern könne man so stehen lassen. Ob der Pfarrer gerügt werde oder härtere Konsequenzen drohen, werde nun geprüft.

Weigel, ein promovierter Theologe, findet diese Reaktion seiner Kirchenleitung empörend. "Das ist schon traurig, dass man da keine Rückendeckung hat", sagt der Pfarrer. Im vergangenen Jahr hatte er die Evangelische Kirche Deutschlands mit einer "totalitären Organisation" verglichen. Weil diese, erklärt er jetzt, "immer nur einseitige Meinungen" veröffentliche. Zum Beispiel über Homosexualität. Im Gemeindebrief scheint der Pfarrer gegensteuern zu wollen.