Nürnberg Comeback der Bratwurst auf dem Nürnberger Hauptmarkt

Eine Spezialität, die man auf dem Nürnberger Hauptmarkt bisher vergeblich sucht: drei im Weggla.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ausgerechnet dort werden mitunter keine Nürnberger Bratwürste verkauft. Das könnte sich bald ändern.

Kolumne von Olaf Przybilla

Es gibt städtische Rituale, die versteht kein Gast. Und die Regelung, dass es am Nürnberger Hauptmarkt mitunter keine Nürnberger Bratwürste zu essen gibt, verstehen selbst Einheimische nur unter Windungen. Jeder Nürnberger dürfte schon mit dieser Frage konfrontiert worden sein und je nach Sättigungsgrad des Gastes fällt sie verblüfft, genervt oder latent aggressiv aus: Was - keine Würste mitten in Nürnberg?

Der Bildungsbürger unter den Einheimischen hat sich zur Beantwortung der immer selben Frage die Marktsatzung samt juristischem Einführungsseminar draufgepackt und nuschelt was von "historischen Hemmnissen". Er kann dann noch nachschieben, dass am Markt traditionell nur rohe Ware verkauft werden darf. Muss aber hoffen, dass ihm die Antwort noch einfällt auf die allfällige Frage, wie dann all diese Falafel-Stände zu erklären sind ("Die verkaufen auf Nachfrage auch einzelne Zutaten"), und warum man beim Christkindlesmarkt plötzlich bedroht wird von einer Phalanx dampfender Wurstbuden ("Ja gut, das ist eben der Christkindlesmarkt"). Zwar gibt es auch auf dem Hauptmarkt gelegentlich einen Stand, der Würstl verkauft. Aber eben nur unter der Woche. Und da auch nicht immer.

Sieht der Bildungsbürger sich dann mit dem unvermeidlichen "Hä?" konfrontiert, so ist die Geschichte hinter der Geschichte vonnöten. Also: Das halbe Rathaus versorgt sich mittags an den traditionellen Wurst-Gasthäusern nebenan, die über etwas verfügen, was zumindest während des Christkindlesmarktes so begehrt ist wie eine Augustiner-Bierbank während der Wiesn: lauschige Plätze an einer Art Bratwurstlagerfeuer. Oh, so romantic!

Diese Häuser verkaufen auch Würste to go und haben wenig Lust auf Konkurrenz. Wer womöglich als Stadtrat einmal die elegische Klage gehört hat, künftig nur (rein fiktiv) 1,5 statt der üblichen zwei Milliarden Würste zu vertickern, dürfte grinsen darüber. Aber nur so lange, bis er beim nächsten Mal nicht den Stammplatz auf der Eckbank bekommt.

Die Chancen, dass sich da was ändert, waren gering. Nun aber hat die Rathaus-CSU einen neuen Chef. Marcus König heißt er und ähnelt in fast jeder Hinsicht dem jungen Söder. König geht dahin, wo es wehtut. Alles darf passieren, nur im Gespräch muss man bleiben. König sagt: "Es muss doch möglich sein, dass sich ein Gast auf dem Hauptmarkt Drei im Weggla reinpfeift." Recht hat der Mann!

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