Landestheater Coburg Wie Shakespeare nach Bayern kommt

So schick wird die Ausweichmöglichkeit für Coburger Theater-Fans aussehen, solange das alte Theater rennoviert wird. Foto: Isabell Stengel/Andreas Macht/Coburger Designforum Oberfranken

(Foto: dpa)

Zwei Schüler hatten die Idee, in Coburg ein Globe-Theater wie in London zu bauen. Warum dieser Traum nun tatsächlich wahr wird.

Von Olaf Przybilla, Coburg

Hätte den Coburger Stadträten vor drei Monaten jemand gesagt, dass sie demnächst ein Globe-Theater nach englischem Vorbild als Ausweichspielstätte fürs Landestheater beschließen werden, die Reaktion wäre wohl bestenfalls ein müdes Lächeln gewesen. Nach zweijähriger Debatte schien es vor Weihnachten nur noch darum zu gehen, ob die Stadt fürs Interim eine Sporthalle umbaut oder ein Zelt aufstellt. Dann brachte im Dezember eine kleinere Fraktion aus Linken und SPD-Abtrünnigen einen Eilantrag ein. Und zwei Monate später hat der Stadtrat am Donnerstag tatsächlich beschlossen, einen Rundbau aus Holz auf dem ehemaligen Güterbahnhofsgelände zu bauen. Und das einstimmig.

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Als "Sternstunde des Stadtrats" bezeichnete CSU-Stadtrat Hans Michelbach die Annahme des leicht modifizierten Linken-Antrags. Dass der Rat damit Geschichte schreibe, darüber waren sich sämtliche Stadträte einig. In die Stadtchronik dürfte zumindest eingehen, dass für den Sachvortrag der Sondersitzung ein Unternehmer verantwortlich zeichnete: der faktische Chef des Automobilzulieferers Brose, Michael Stoschek. Der bemerkte, dies sei ungewöhnlich: "Aber was ist schon normal?" Auf dem verschlungenen Weg der Stadt zur Globe-Entscheidung tatsächlich wenig.

Auf die Idee, so ein Haus zu bauen, waren zwei Studenten bei einer Seminararbeit gekommen. Diese war längst verworfen. Soll nun aber, in geänderter Form, doch verwirklicht werden. "Sie haben uns ins Träumen versetzt", sagte Stoschek.

Der Bau soll etwa 16 Millionen Euro kosten. Zehn davon hat der Freistaat versprochen, drei Millionen kommen von örtlichen Unternehmen, darunter federführend Brose, den Rest zahlt die Stadt. Ein regelrechtes "Globe-Fieber" sei in Coburg ausgebrochen, beschrieb die SPD-Fraktionsvorsitzende Petra Schneider die Stimmung in der Stadt. Ihr Fraktionskollege Martin Lücke sprach sogar von einer "Itz-Philharmonie".

Auch die Grünen stimmten dem Globe-Bau zu. Die Vorsitzende Martina Benzel-Weyh sah lediglich "Abzüge in der B-Note", immerhin habe der Stadtrat zwei Jahre lang debattiert. Um sich dann innerhalb von zwei Monaten - nach dem Eilantrag der Linken - einstimmig zu einem komplett anderen Ergebnis durchzuringen. Der kürzeste Redebeitrag stammte von Rene Hähnlein, dem Antragsteller der Linken. Er zeigte sich erfreut, dass im Stadtrat "Schranken gefallen sind, auch parteiübergreifend".

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