Klinikverbund ANregiomed Ein externer Geschäftsbesorger hätte Charme

Bis dahin soll eigentlich eine längerfristige Lösung gefunden sein, doch die Suche danach entwickelte sich zum Fiasko. Nach langem Hin und Her sollte nach dem Willen von Landrat Ludwig, der Ansbacher Oberbürgermeisterin Carda Seidel (parteilos) und der meisten Verwaltungsräte Deutschlands drittgrößter privater Klinikbetreiber, die Sana Kliniken AG, für einige Jahre mit der Geschäftsführung von ANregiomed betraut werden.

Die Lösung mit einem externen Geschäftsbesorger hat für viele Verantwortliche in Ansbach Charme. Jeder weiß, dass unpopuläre Eingriffe in die ANregiomed-Struktur unumgänglich sein werden, soll der Verbund gerettet werden. Ein privater Geschäftsbesorger unterläge dabei weniger Einflüssen und Zwängen und könnte dementsprechend freier agieren als Kommunalpolitiker, die wiedergewählt werden wollen.

Doch der Sana-Plan steht vor dem Aus. Im Verwaltungsrat stimmten zwar Ende April acht der zwölf Mitglieder für die Kooperation, doch verlangt die Satzung eine Dreiviertelmehrheit. "Die Chance wurde verpasst, schnell für die Mitarbeiter Klarheit zu schaffen und den Weg einer wirtschaftlichen Sanierung mit einem kompetenten Partner zu gehen", klagt Landrat Jürgen Ludwig.

Nun steckt ANregiomed in der Sackgasse. Kritiker halten eine Vergabe des Auftrages an Sana ohne vorherige europaweite Ausschreibung für gesetzeswidrig und juristisch anfechtbar. Gar von banenrepublikanischen Verhältnissen in Ansbach war die Rede. Die Juristen sind sich uneins; dennoch wird jetzt europaweit ausgeschrieben. "Dieses Verfahren wird voraussichtlich mehrere Monate bis zu einer Entscheidung erfordern", sagt Ludwig. Das ist viel Zeit, wenn man eigentlich keine mehr hat.

Für den Landrat ist die Entwicklung ein neuer, schwerer Schlag. Schon länger werfen ihm Kritiker auch in der eigenen Partei politisches Missmanagement und Führungsschwäche bei ANregiomed vor. Ludwig wirkt angezählt. Die Bürgerinitiative Ansbacher Parteiloser (BAP) traut ihm nicht mehr über den Weg. Sie zweifelt daran, dass der Landrat die Sana-Lösung tatsächlich wollte. "Mit allen Mitteln" solle auch verhindert werden, dass neutrale Wirtschaftsprüfer sich die ANregiomed-Bücher einmal genau vornehmen. Man müsse "endlich auch die Frage nach der politischen Verantwortung für die höchst bedrohliche finanzielle Situation stellen".

Unterstützer fahren dem OB in die Parade

Beim Thema Sana fuhren Landrat Ludwig sogar treue Unterstützer wie sein Stellvertreter Kurt Unger (SPD) in die Parade. Wortführer der Ausschreibungsbefürworter ist Dinkelsbühls OB Christoph Hammer (CSU). Er kritisiert, dass Hilfsangebote der Diakonie Neuendettelsau und der Bezirkskliniken Mittelfranken nicht ernsthaft behandelt worden seien - auch das ein Seitenhieb gegen Landrat Ludwig.

Pikanterweise schlagen sich die beiden CSU-Kreisvorsitzenden von Ansbach Stadt und Land, Andreas Schalk und Jan Helmer nun auf Hammers Seite. In einem Interview mit der Fränkischen Landeszeitung (FLZ) favorisieren auch sie eine regionale Kooperation. "Wir müssen uns so aufstellen, dass wir bei ANregiomed nicht nur über die aktuellen Untiefen kommen", so Schalk. Auch müsse man sich fragen, "ob es nicht sinnvoller wäre, vom Mantra der kommunalen Trägerschaft auch innerlich abzurücken und zumindest darüber nachzudenken, ob ein Wechsel in der Trägerschaft nicht sinnvoll wäre". Der Direktor der Bezirkskliniken hat bereits ein als "vertraulich" deklariertes Konzept entwickelt, wie ANregiomed geführt werden könnte.

OB Hammer räumt ein, dass die Situation auch für die CSU "belastend" sei. "Aber spätestens bei der Kommunalwahl 2020 werden wir alle daran gemessen, ob wir dieses für die Bevölkerung so eminent wichtige Problem gelöst haben oder nicht."

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