Gewalt gegen Jugendlichen Polizeichef muss sich Disziplinarverfahren stellen

Was sich danach auf der Wiesenwache abspielte, wurde vom Angeklagten und dem Geschädigten ganz unterschiedlich geschildert. Der Ex-Polizeichef schilderte, er habe dem Jungen, der mit dem Gesicht zur Wand vor einer Bank stand, lediglich einen leichten Stoß in den Rücken versetzt, damit der sich auf die Bank setzen sollte. Dabei sei Florian K., von ihm völlig unbeabsichtigt, mit dem Gesicht gegen die Wand geprallt.

Der Jugendliche dagegen berichtete, er habe schon auf der Bank gesessen, als M. ihn an den Schultern hochgerissen, ihn umgedreht und mindestens dreimal mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen habe. Unbestritten waren nur die Folgen: Ein Schneidezahn brach ab, die Lippe platzte auf, Florian K. blutete stark. Die Version des Polizeichefs wurde von mehreren Kollegen gestützt, Florians Erzählung dagegen wurde von seiner Mutter und deren Freundin bestätigt, die aussagten, sie hätten den Vorgang selbst beobachtet.

"Die Kammer lässt es dahingestellt, wer sich hier, milde ausgedrückt, geirrt hat", sagte der Vorsitzende Richter. Alle Aussagen seien, für sich genommen, plausibel gewesen, alle Zeugen hätten einen glaubwürdigen Eindruck gemacht.

Den Ausschlag hätten die Aussagen der Sachverständigen gegeben. Nach deren Darstellung rührten Florians Verletzungen von mindestens zwei Gewalteinwirkungen her. Für eine andere Herkunft der Verletzungen gebe es aber keinerlei konkreten Hinweis, sagte der Richter.

Mindestens zweimal mit dem Gesicht gegen die Wand

Das Gericht hatte mehrere Zeugen der vorangegangenen Schlägerei vernommen; alle hatten bekundet, dass Florian K., als er von den Polizisten abgeführt wurde, äußerlich unverletzt war. Auch die Blutspuren an der Wand in der Wiesenwache sprächen dafür, dass Florian mindestens zweimal mit dem Gesicht gegen die Wand geschlagen wurde, sagte der Richter.

Aber selbst wenn man der Darstellung des Angeklagten folgen würde, müsste man von einer vorsätzlichen Körperverletzung ausgehen. "Wer eine gefesselte Person in den Rücken stößt, muss damit rechnen, dass diese gegen die Wand fällt."

Ob Rudolf M. nach dieser Verurteilung im Öffentlichen Dienst verbleiben könne, habe nicht das Gericht zu entscheiden, sagte Fuchs. Allerdings sei die Strafe so zu bemessen, dass ein sozial integrierter Täter "nicht aus der sozialen Ordnung herausgerissen wird". Rudolf M. wird sich nun noch einem Disziplinarverfahren stellen müssen.