Gestrandete Lkw-Fahrer Griechen, in Luft aufgelöst

Lkw-Parkplatz Vaterstetten an der A 99: Zwar stehen auch hier Lastwagen aus vielen Ländern.

(Foto: Renate Schmidt)

Wo sind all die griechischen Lkw-Fahrer, die angeblich mangels Geld für Benzin auf deutschen Autobahnen stranden? In Bayern jedenfalls nicht. Eine Spurensuche.

Von Ralf Scharnitzky

Es ist kurz vor 10 Uhr auf der A 96, zwischen Buchloe und Mindelheim: Keine Spur von einem griechischen Lkw, lediglich ein silberner Reisebus stammt aus Hellas. Am Tag zuvor hatte Spiegel Online vermeldet, dass derzeit Hunderte griechische Lastwagenfahrer auf Europas Autohöfen und Rastplätzen stranden, weil ihnen das Geld zum Tanken fehlt und ihre Kreditkarten nicht mehr akzeptiert werden.

Auf die griechischen Fernfahrer, die laut Spiegel Online an Europas Autohöfen darben, findet sich auf bayerischem Terrain aber kein Hinweis.

(Foto: AP)

Der Job am Steuer der tonnenschweren Trucks hat schon lange nichts mehr mit Romantik zu tun. Aber dann auch noch tagelang festsitzen und sich neben dem Führerhaus am Boden das Essen kochen müssen; sofern das Geld wenigstens dafür reicht. Das ist Stress pur - und Stoff für eine Geschichte, die zeigen könnte, wie die Krise in ihrem Heimatland den griechischen Lkw-Fahrern in Bayern zusetzt. Eine vergebliche Suche.

GR für Griechenland ist nicht dabei

Knapp 1200 Kilometer Autobahnen führen durch Südbayern, kreuz und quer, meist vier-, immer öfter sechs- und manchmal sogar achtspurig. Sie verbinden unter anderem Lindau, Memmingen, Augsburg, München, Ingolstadt, Regensburg, Deggendorf und Passau miteinander. Schöne Städte. Die meisten Lkw-Fahrer kennen allerdings nur die zahlreichen privaten Autohöfe, die 35 staatlichen Tank- und Rastanlagen und etwa 150 Parkplätze.

Sie steuern PS-starke Gefährte, mit altbekannten Nationalitätskennzeichen wie A, E, F, I, S, GR, NL und DK. Und seit der EU-Erweiterung und dem Mauerfall auch: H, HR, LT, PL, SLO, SK, CZ, BG und RO. Sie alle sind unterwegs, zumeist Laster an Laster auf der rechten Spur - auch am Donnerstag. Oder machen Pause. Alle? Nein, GR für Griechenland ist nicht dabei - zumindest nicht auf den 664 Kilometern der Suche nach dem Schicksal der Lkw-Fahrer aus dem Süden Europas.

Die A 7 ist nicht gerade die klassische Transitroute für den Griechen, aber sie führt immerhin von Memmingen nach Ulm - und von dort geht es über die A 8 nach München. Wer zum Beispiel von Frankreich nach Griechenland will, der könnte hier lang fahren - beziehungsweise, laut Spiegel Online, jetzt auch stehen. Tut er aber nicht, zumindest der Grieche nicht: "Nee, ich hab auf meiner Tour noch keinen gestrandeten Kollegen von da unten gesehen", erzählt ein Trucker, der aus Holland kommt, auf der großen Rastanlage Leipheim.

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Auch die Autobahnpolizei weiß von nichts

In der Tankstelle weiß der junge Mann nichts davon, dass er keine griechischen Kreditkarten mehr akzeptieren dürfe. Selbst wenn's so wäre, macht es nichts: "Es ist in letzter Zeit kein Grieche mit Kreditkarte gekommen." Entlang der viel befahrenen Autobahn gibt es zahlreiche Autohöfe und Rastplätze. Doch überall stehen vor allem deutsche Laster, deren Fahrer ihre vorgeschriebenen Pausen absolvieren. Griechen, die zwangsweise vor sich hindösen müssen: Fehlanzeige. Auch die Autobahnpolizei in Günzburg weiß von nichts: "Davon habe ich noch nie was gehört", sagt ein Beamter.

Also über die Umgehung von München auf die A 9 - keine Griechen, dafür ein mehr als zehn Kilometer langer Stau vor Allershausen. Weiter auf die 93er, Bayerns Wohlfühlautobahn. In sanftem Auf und Ab ohne viel Verkehr durch die Hallertau und durchs Abensberger Spargelland nach Regensburg. Hier quert die A 3 von Nürnberg nach Passau, Transitroute von den Überseehäfen nach Osteuropa. Kolonnenverkehr auf der rechten Spur: vor allem die Kennzeichen H, HR, LT, PL, SLO, SK, CZ, BG und RO. Aber kein: GR. Auch auf den Rastplätzen nicht.

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Das Polizeipräsidium Niederbayern erklärt auf Anfrage lapidar: "Es sind im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums bisher noch keine Lkw-Fahrer aus Griechenland auf den Park- und Rastplätzen der Autobahnen A 3 und A 92 aufgefallen, die aus Geldmangel nicht weiterfahren können."

Der silberne Reisebus bleibt also die einzige Begegnung mit dem angeblichen Schicksal griechischer Transportunternehmer - und der ist gefahren.