Gauweiler-Abschied Nix Stern, nur schnuppe

Schlussmachen mit Anstand will gelernt sein, gerade in Zeiten des Internets. Auch Peter Gauweilers Abschiedsbrief an Horst Seehofer las sich nur vordergründig fein. Oder grüßt man seinen CSU-Freund etwa mit dem SPD-Gruß?

Glosse von Nadeschda Scharfenberg

Schlussmachen mit Anstand, das ist mit die höchste Kunst. Höher als die Kunst des Heiratsantrags oder höher als die Kunst, eine Gehaltserhöhung zu fordern. Wobei die Frage nach der Gehaltserhöhung beim Schwierigkeitsgrad nur knapp hinter dem richtigen Schlussmachen angesiedelt ist.

Heutzutage sind die Sitten beim In-die-Wüste-Schicken aber leider arg verroht. Was sind das für Zeiten, da selbst die Etikette-Experten von der Knigge Gesellschaft befinden, dass eine Trennung per SMS erlaubt ist? Das Internet, dieser Beziehungskiller, empfiehlt dazu folgenden Spruch: Hallo Sternschnuppe! Erst warst du mein Stern, jetzt bist du mir schnuppe.

Opposition sieht "krachende Niederlage für Seehofers Taktik"

Nach dem Rücktritt von Parteivize Peter Gauweiler sehen Bayerns Oppositionsparteien CSU-Chef Horst Seehofer in einer massiven Krise. Die AfD denkt schon einen Schritt weiter - und macht Gauweiler ein Angebot. mehr ... Reaktionen

Ganz anders die CSU. Ausgerechnet bei dieser Partei der dicken Hosen herrschen in Schlussmach-Dingen noch Ehre und Anstand. Kürzlich hat Peter Gauweiler seine Beziehung zu Horst Seehofer beendet, die von vorneherein ein Zweckbündnis war, was das Schlussmachen gewiss leichter macht. Trotzdem hat es vernehmlich gerumpelt zwischen den beiden. Jetzt aber hat Gauweiler einen Brief geschrieben: "Unverändert und unabhängig von unserer Meinungsverschiedenheit bleibt meine Achtung vor Deiner großen Leistung für die bayerische Sache und für unsere einzigartige Partei." Unterzeichnet mit: "Glückauf, Dein Peter."

"Horst, I mog di - so arg wie die SPD"

Was für ein feiner Abschiedsbrief. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten offenbart sich das versteckte Gift. Warum schreibt Gauweiler, Altbayer durch und durch, nicht "Vui Glück und schiab o" oder so? Stattdessen wählt er "Glückauf", den Bergmanns- und SPD-Gruß, Lieblingswort Franz Münteferings und Schalker Schlachtruf. Die Verwendung der Sprache des politischen und sportlichen Gegners kann nur ein verstecktes Foul sein. Der Subtext lautet: Glück auf, Klappe zu. Horst, I mog di - so arg wie die SPD. Ab in die Grube mit dir, Erzfeind!

Gauweilers Glückauf hat Seehofer übrigens nicht exklusiv, es kam schon in einer Geburtstagsrede auf Christian Ude vor ("Glückauf, alter Gegenkamerad") und in Genesungswünschen für Oskar Lafontaine ("Glückauf und Gottes Hilfe"). Wahrscheinlich verhält es sich mit dem Glückauf wie mit einer anderen bekannten Schlussmach-Floskel: Lass uns Freunde bleiben. Klingt versöhnlich, heißt aber auch nichts anderes als: Es ist sowas von aus. Nix Stern, nur schnuppe.