Pünktlich zum zehnjährigen 9/11-Gedenken drapiert die "Bild"-Zeitung das Ehepaar Guttenberg am Ground Zero - und lässt den Ex-Minister vom "Neuanfang" sprechen. Ist damit auch sein ganz persönlicher Neuanfang gemeint?
Der Schriftsteller Curt Goetz hat einen wunderbaren Satz geprägt: "Eine Gelegenheit, den Mund zu halten, sollte man nie vorübergehen lassen." Man würde den Satz gerne nach Amerika mailen, an zwei Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, als in der Bild-Zeitung zu posieren: Karl-Theodor und Stephanie zu Guttenberg. Und man könnte den Satz von Goetz noch erweitern: Man sollte auch die Gelegenheit nutzen, mal nicht die Nase in die Kamera zu halten und nicht in den Mittelpunkt zu drängen.
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USA-Auswanderer Karl-Theodor zu Guttenberg und Ehefrau Stephanie stehen am Ground Zero - und Bild berichtet. (© bild.de)
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Die Bild-Zeitung hat die beiden Guttenbergs vor der Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags am Ground Zero drapiert, sie im kurzen Cocktailkleid, er in Jeans, offenem Hemd und Drei-Tage-Bart. Man erfährt auch gleich noch, dass der gestrauchelte Verteidigungsminister keine Brille mehr trägt - was es allerdings für einen tieferen Grund hat, dass sich der Mann vor dem Denkmal für die Terroropfer fotografieren lässt, erschließt sich nicht - zumindest nicht auf den ersten Blick.
Da muss man schon die Lyrik dechiffrieren, die das Ehepaar von sich gibt: "Dass selbst in den schlimmsten Momenten immer ein Neuanfang stecken kann - das gehört zur amerikanischen Mentalität", sprechen sie. Man muss nicht viel analysieren, um zu verstehen, dass da auch ein ganz persönlicher Neuanfang gemeint ist - nach dem politischen Absturz Guttenbergs, nach seiner Entlarvung als Plagiator. Von Amerika lernen, heißt neu anfangen lernen. Wenn es nach Bild geht, darf Guttenberg das auch gerne politisch meinen.
Ein persönlicher Neuanfang ist jedem gegönnt. Dafür braucht es aber keine Fotos vor dem Denkmal für die Opfer des Terroranschlags. Gerade Karl-Theodor zu Guttenberg führte bei jeder Gelegenheit das Wort "Anstand" im Mund, den es zu wahren gelte. Anstand hat oft auch mit Zurückhaltung zu tun. Oder wie Curt Goetz sagt: Einfach mal die Gelegenheit nützen und den Mund halten. Damit das Gedenken an die Opfer des Terrors im Mittelpunkt steht. Und nicht die eigene Show.
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(SZ vom 13.09.2011/tob)
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Die neueste Antwort
Denken Sie etwa an Erpressung?Das ist bei der heutigen Geldgier nicht mehr notwendig.
1. sprach Guttenberg nie von einem Krieg in Afghanistan, sondern von kriegsähnlichen Zuständen, was immer dies auch sein mag und
2. er hat auch die Wehrpflicht nicht abgeschafft, weil es einfach falsch ist, dass diese abgeschafft wurde, sondern er hat die Wehrpflicht ausgesetzt.
Ansonsten hat er mit seinen 'Reformen' einen Scherbenhaufen ohnegleichen hinterlassen.
sollten sie nicht Bezugnehmen auf das spezielle Blatt mit den vier Buchstaben aus Hamburg. Die haben schon genügend Unsinn angerichgtet mit ihrer Berichterstattung und das enge Verhältnis zur Familie Guttenberg ist ja bekannt. Guttenberg scheint in Amerika gut aufgehoben zu sein. Ich wünsche ihm da viel Glück.
fällt mir noch ein anderer Götz und dessen Zitat zweiter Teil ein.
Auch eine SZ könnt das diskreter handhaben.
Zitat: "Guttenberg war immer elegant, aber seine Reden waren manchmal zu ungenau. Er war nur für diejenigen geeignet, die nur nach dem Äußeren gehen."
Es scheint, dass gerade Sie zu denjenigen gehören, die "nach dem Äußeren" gehen.
Er hat als erster zuständiger Verteidigungsminister den Mut gehabt, den Krieg in Afghanistan auch als sochen zu bezeichnen.
Er hat die - längst überfällige - Abschaffung der Wehrpflicht gegen seine eigene "Parteilinie" durchgesetzt. Das sind Fakten, die mich beeindrucken. Ob er dabei elegant wirkte oder nicht, ist mir persönlich völlig egal.
Paging