Energiewende Trassengegner reden nicht mehr mit Aigner

Die Bürgerinitiativen gegen die Stromautobahnen nach Bayern haben der Wirtschafts- und Energieministerin Ilse Aigner (CSU) die Gesprächsbereitschaft aufgekündigt. "Ministerpräsident Horst Seehofer hat auf dem Berliner Koalitionsgipfel mit seinem Ja zu beiden Höchstspannungsleitungen durch Bayern einer dezentralen Energiewende endgültig den Todesstoß versetzt", sagte Hubert Galozy vom Aktionsbündnis der Trassengegner, in dem sich 70 Bürgerinitiativen zusammengeschlossen haben. "Wir haben fest auf Aigners Zusage im Energiedialog vertraut, dass wenigstens eine, wenn nicht alle zwei Stromtrassen verzichtbar sind." Solange die Staatsregierung zu dem Berliner Kompromiss stehe, sehe man keinen Anlass für weitere Gespräche. Aus diesem Grund verweigerten die Trassengegner auch die Teilnahme an einer Veranstaltung, zu der die Ministerin am Freitag nach Regensburg eingeladen hatte. Allerdings nutzten sie die Gelegenheit für eine Protestkundgebung.

Ministerpräsident Seehofer verteidigte die Ergebnisse des Koalitionsgipfels. Der Interessensausgleich sei "voll gelungen", sagte er bei einem Redaktionsbesuch der Süddeutschen Zeitung. Die Eingriffe in die bayerische Landschaft bezeichnete er als "minimal, besser kann man das nicht abschließen". Auf weitere Proteste werde er daher gelassen reagieren, kündigte Seehofer an. Bis auf wenige Ausnahmen sollen die Stromtrassen komplett unterirdisch verlaufen. Noch in diesem Herbst wolle die Koalition die Erdverkabelung gesetzlich verankern. Man müsse sich immer den Ausgangspunkt vor Augen halten, sagte Seehofer. Erst vor vier Jahren sei in Deutschland der Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen worden. Angesichts dessen habe man "als Gesellschaft weltweit Einzigartiges erreicht".