Dialekt Die Dauer-Preisträger

Freudenhupfer: Stofferl Well (im Vordergrund) und seine Familie während der Verleihung der Bairischen Sprachwurzel in Straubing.

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Einmal mehr werden Mitglieder der Well-Familie mit der "Bairischen Sprachwurzel" bedacht

Von Hans Kratzer, Straubing

Der Straubinger Oberbürgermeister Markus Pannermayr hat es sich erlaubt, ausgerechnet bei der Verleihung des Dialektpreises "Bairische Sprachwurzel" englisch zu sprechen. "Well done", rief er den Preisträgern zu. Ein sprachlicher Ausrutscher? Ja und Nein, denn die Preisträger heißen Well, nämlich die Brüder Michael, Stofferl und Karli sowie deren Kinder Maria, Matthias und Maresa, bekannt als "NouWell Cousines". Dieser Name wiederum klingt auch nicht bairisch, er leitet sich vom Französischen her. Sepp Obermeier, der Erfinder der Sprachwurzel, überreichte den Preis am Sonntag auf dem Gäubodenfest. Der Name Well sei ein Garant für den Gebrauch des Dialekts, begründete er die Wahl. Die Familie sei immer davor gefeit gewesen, in ein bayerntümelndes Folklore-Eckerl abzudriften. Ein Vergabekriterium war auch der uneigennützige Einsatz der Well-Brüder in Kindergärten. Die Sprachwurzel wird seit 2005 vom Bund Bairische Sprache an Prominente vergeben, die bei offiziellen Anlässen Bairisch reden. Zu den bisherigen Preisträgern zählten die Wellküren (Schwestern der Well-Brüder), Papst Benedikt XVI., Hans-Jürgen Buchner (Haindling), Luise Kinseher, Christian Stückl und Stefan Dettl.

Ludwig M. Eichinger, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim, machte in seiner Laudatio deutlich, dass in den vergangenen 30 Jahren die sprachlichen Karten neu gemischt wurden. Er sieht den Dialekt als Alltagssprache auf Augenhöhe mit der Standardsprache, die Konkurrenzsituation habe sich aber verschärft. Während die Standardsprache bis in das vergangene Jahrhundert fast nur fürs Schriftliche benutzt wurde und Dialekt selbstverständlich gesprochen wurde, seien heute standardnahe Formen der Umgangssprache auf dem Vormarsch. Dialekt spreche man, wenn überhaupt, weil man etwas damit verbinde. Zum Beispiel das, was die Geehrten in ihrem Wirken demonstrieren: Weltoffenheit, Liberalität, Originalität, frech-subversives Infragestellen von Autoritäten und Gewohnheiten. Dialekt sei kompatibel mit dem urbanen Lebensgefühl des 21. Jahrhunderts und stehe nicht zwingend für Konservativismus, Spießigkeit und Landidyll, sagte Eichinger.

Als Nachfolger der Biermösl Blosn treten Michael, Stofferl und Karli Well seit 2012 unter dem Namen "Wellbrüder aus'm Biermoos" auf, häufig mit dem alten Kompagnon Gerhard Polt. Karli Well stieg ein, als Hans Well bei der Biermösl Blosn aufhörte. Das sogenannte "Wellperium" ist nunmehr mit neun Preisträgern im "Sprachwurzel-Dialektarium" vertreten, das ist ein einsamer Rekord.

Die elf Kilo schwere Skulptur ist im Gegensatz zum Plexiglas-Obelisken des Deutschen Fernsehpreises aus massivem Bayerwaldglas gegossen - weil Bairisch mit seinem großen Wortschatz und der enormen Lautvielfalt alles andere als eine Plastiksprache sei, sagte Obermeier.