Das Schicksal der Hypo Alpe Adria ist eng mit dem der CSU verbunden - und bringt Finanzminister Fahrenschon und Ministerpräsident Seehofer in Bedrängnis.
Würden in München die germanischen Stammesrechte gelten, dann könnte sich der bayerische Finanzminister mit einem symbolischen Akt aus dem Landesbank-Desaster herausziehen: Er würde sich vor den Eingang der Bank stellen, Erlenzweige über seinem Kopf zerbrechen, sie in die vier Himmelsrichtungen werfen und dazu öffentlich erklären, dass er mit den finanzpolitischen Abenteuern seiner CSU-Vorgänger und Parteifreunde nichts zu tun haben wolle. Auf solche Weise sagte man sich in uralten Zeiten von der Haftung für die Untaten von Verwandten los.
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Das Landesbank-Desaster erschüttert die CSU. (© Foto: ddp)
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Aber auch in Bayern gelten nicht mehr die Haftungsvorschriften der Lex Salica aus dem Jahr 511, sondern, unter anderem, die des Bürgerlichen Gesetzbuches aus dem Jahr 1900. Daraus ergibt sich, dass ein Finanzminister, der Schadenersatzansprüche gegen Bankvorstände und Verwaltungsräte nicht geltend macht, selber schadenersatzpflichtig wird.
Und so sehen sich der Finanzminister Fahrenschon und sein Ministerpräsident Seehofer in der heiklen Lage, Haftungsansprüche gegen die CSU-Größen von gestern prüfen zu müssen: gegen Ex-Ministerpräsident Beckstein und Ex-Finanzminister Huber unter anderem. Die waren nämlich Verwaltungsräte der Landesbank, als, 2007, zu furchtbar überhöhtem Preis die Balkan-Bank Hypo Alpe Adria gekauft wurde - die dann jüngst in höchster Not für einen Euro und mit einem tiefen Seufzer wieder verkauft wurde.
Aber schon die Prüfung solcher Haftungsfragen schüttelt die CSU wie ein Erdbeben der Stärke zehn. Am schönsten für die Partei wäre es daher, wenn der derzeitige Finanzminister den unsäglichen Kaufvertrag einfach rückabwickeln könnte - dann wäre ja kein Schaden entstanden und niemand müsste in Haftung genommen werden. Die Rückabwicklung ist dem Grundsatz nach dann möglich, wenn die Geschäftsgrundlage für diesen Vertrag entfällt, bei kriegsähnlichen Entwicklungen oder bei Währungsverfall beispielsweise.
Allenfalls zwischen Mai und Oktober 2007 wäre eine solche Rückabwicklung des Kaufvertrages möglicherweise denkbar gewesen: Im Mai wurde er unterschrieben, im Oktober vollzogen - dazwischen liegt der Beginn der allgemeinen Bankenkrise. Aber das Geschäft wurde mit der Sorglosigkeit durchgezogen, mit der es begonnen worden war.
Die Landesbank und ihre Verantwortlichen haben sich benommen wie der imponiersüchtige Käufer eines alten Rolls-Royce, der sich vom schönen Schein blenden lässt und nicht merkt, dass er eine Rostlaube erwirbt - weil er kaufgeil ist und weder einen Blick auf den Motor wirft noch eine Probefahrt macht. In so einem Fall beruft er sich später vergeblich darauf, dass der Verkäufer den Schrottkarren in betrügerischer Absicht aufpoliert habe.
Nun blättert halt der Lack der CSU. Seehofer & Co müssen zusehen, dass es ihr nicht ergeht, wie der Hypo Alpe Adria - und sie keiner mehr haben will.
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(SZ vom 05.01.2010/bica)
Surfrider Beach in Malibu
Die neueste Antwort
Lesen Sie meinen Beitrag bitte nochmal und denken Sie nach. Und auch noch mal den Kommentar. Vielleicht fällt ihnen eine künstlich geschaffene Rechtslage ins Auge, oder auch nicht. Dann soll es mir auch egal sein.
Das stimmt schon, daß der Landtag über einen Volksentscheid aufgelöst werden kann. Wer die Aktion betreiben soll, sehe ich allerdings noch nicht. FDP und FW haben bei der letzten Wahl vemutlich das beste Ergebnis für lange Zeit erzielt. Das linke Lager bringt die 1 Million Unterschriften für den Antrag aber alleine nie und nimmer zustande. (Das Rauchverbotsvolksbegehren war nur deshalb erfolgreich, weil mindestens die halbe bürgerliche Wählerschaft mit dabei war).
Man kann hier dreimal blamabel scheitern:
1. Man bringt die 1 Million Unterschriften für den Antrag nicht zustande
2. Man verliert den Volksentscheid
3. Man schneidet bei der Wahl nochmal schlechter ab als bei der letzten Wahl.
Und wenn es ganz dumm läuft, hat die CSU danach wieder die absolute Mehrheit der Sitze. Jeder Skandal hat seine Halbwertszeit und personell drängen sich aus der Opposition nicht wirklich Alternativen auf.
Es sei Ihnen dringend angeraten, den Artikel noch einmal genau zu lesen!
lief nach bayerischen Maßstäben "normal" ab. Seit dem Main-Donau-Kanal, seit F.J.Strauss wird es kein Großprojekt im "Wir sind so Freistaat" gegeben haben, bei dem nicht die sog. Eliten etwas davon abbekamen.
Viel Geld wurde so usurpiert und akkumuliert und nicht nur in Villen am Starnberger-, bzw. Tegernsee verbaut, sondern auch wieder verspekuliert (siehe die Verluste bei großen Hollywood-Film-Fonds).
Jetzt werden münchner Staatsanwälte ein bisserl ermitteln und der Reisswolf wird glühen und ein von CSU und FDP dominierter Untersuchungsausschuss wird zwar als Deckmäntelchen fungieren, aber auch nicht so viel erhellendes ans Licht bringen. Heute funktionieren Filz und Netzwerke wir früher der Adel, alle sind irgendwo verschwägert, sich verpflichtet oder befreundet.
Eines ist sicher: In München wird für viele Wochen die Tusche knapp.
@WTF:
Hier hilft das statistische Bundesamt weiter.
Im Durchschnitt erhielt Bayern aus dem LFA in diesen 38 Jahren weniger als 100 Mio. im Jahr (preisbereinigt ca. 250 Mio., ~2 Euro pro Bürger und Monat). Das hat vielleicht für ein paar Staatsstraßen gereicht.
Der wirtschaftliche Aufschwung Bayern kann damit nicht begründet werden. Auch nicht mit angeblich kriminellen Waffengeschäften - welche sollen das übrigens gewesen sein?
Der wahre Grund ist jahrzehntelange grundsolide Wirtschafts-, Industrie- und Finanzpolitik. Auch wenn das Ihnen jetzt nicht paßt.
Deswegen ist das HGAA-Desaster ja jetzt so ärgerlich.
Paging