CSU-Landesgruppe in Kreuth Wo Horst haust

Die Ein-Mann-Show der CSU: Horst Seehofer - hier im Jahr 2012 - gibt bei der Klausur in Wildbad Kreuth den Ton vor.

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Die Zeit der Schmutzeleien ist vorerst vorbei und Horst Seehofer schnurrt. Es steht die Winterklausur der CSU-Landesgruppe in Kreuth bevor - und der Parteichef bastelt am Drehbuch. Es soll eine Demonstration der Harmonie werden, dabei hat der CSU-Chef seine Bundestagsabgeordneten längst entmachtet.

Von Robert Roßmann und Mike Szymanski

CSU-Chef Horst Seehofer hat über die Feiertage in den Schmusekatzen-Modus geschaltet. Er schnurrt: "Ich bin mit dem Auftreten der CSU in Berlin sehr zufrieden" - und verteilt Lob. An Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt schätze er "ihren ruhigen Stil", sagt der große Vorsitzende. Sogar die CSU-Bundesminister erhalten ein Kompliment. Sie würden den "Takt der Bundesregierung" bestimmen.

Wenn Seehofer derart freundlich über seine Berliner Parteifreunde redet, dann steht in der Regel die Winterklausur der Landesgruppe in Kreuth bevor - und der Parteichef bastelt am Drehbuch.

Die CSU-Bundestagsabgeordneten kommen von Montag an vor schöner Bergkulisse zusammen. Dann soll die Zeit der Schmutzeleien vorerst vorbei sein - und sich Harmonie im Tegernseer Tal breitmachen. Beim Treffen mit der Landesgruppe unter deren Chefin Gerda Hasselfeldt geht es immer vergleichsweise familiär zu. Die Bundestagsabgeordneten verstehen sich als verlängerter Arm der CSU in Berlin, nur zu melden haben sie unter Seehofer immer weniger. Das ist das Problem.

In der Enge des Tals geht es wenige Monate vor den Land- und Bundestagswahlen auch darum, den eigenen Frust zu unterdrücken. Um des lieben Friedens Willen. Auch das ist Kreuth: eine große und leicht abgenudelte Show.

Schwieriges Verhältnis

Seehofers Verhältnis zur Landesgruppe gilt als schwierig. Die Bundestagsabgeordneten fühlen sich von Seehofer oft links liegen gelassen. Im vergangenen Jahr ist er nur ein einziges Mal zu einem Treffen der Landesgruppe nach Berlin gekommen. Auch an der traditionellen Sommerreise der Bundestagsabgeordneten nahm er nicht teil. Dabei wäre das Programm angesichts der Schuldenkrise interessant gewesen.

Die Abgeordneten trafen bei ihrem Ausflug nach Lissabon die großen Drei Portugals: den Präsidenten, den Regierungschef und den Parlamentspräsidenten. Wenn Seehofer sich einschaltet, dann gerne von München aus und nicht selten weitgehend an seiner Landesgruppe vorbei. "Er tritt auf wie der Befehlshaber aus München. Die Politik macht er mit Merkel, am Telefon oder per SMS", sagt einer aus dem Parteivorstand.

Für die CSU ist die Macht in Bayern überlebensnotwendig - im Bund mitzuregieren ist dagegen eher eine schöne Dreingabe. Das lässt Seehofer seine Berliner Abgeordneten regelmäßig spüren. Im Bundestag sitzen 44 Christsoziale, im Landtag in München sind es trotz des Wahldesasters von 2008 noch immer 92. Das wichtigste Amt ist für die CSU der Ministerpräsident - und der wird von der Landtagsfraktion gewählt. Das erklärt die wahren Machtverhältnisse in der CSU.