CSU beschließt Frauenquote Schwer umkämpft bis ins Ziel

Die Befürworter der Frauenquote haben um den Sieg bangen müssen - wohl erst die eindringlichen Mahnungen des Parteivorsitzenden haben den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.

Von Katja Auer

Am Ende war es richtig knapp. 445 Stimmen dafür, 350 dagegen. Die CSU bekommt eine Frauenquote, heißt das, auch wenn es lange nicht so ausgesehen hat. Höchst emotional diskutierten die Delegierten am Freitag auf dem CSU-Parteitag in München, stundenlang, so eine Debatte hat es lange nicht gegeben. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel geriet dazwischen. Die war pünktlich zu ihrem Auftritt angereist, die Diskussion musste unterbrochen werden, bis dahin ohne Ergebnis. Die CDU-Chefin nutzte die Gelegenheit und stand CSU-Chef Horst Seehofer zur Seite. "Mut zu Neuem", lautete ihre Empfehlung. Sie sei auch mal gegen die Quote gewesen, sagte sie, aber ihre Skepsis habe sich gelegt. Seehofer konnte den Beistand gebrauchen. Er hatte sich die Forderung der Frauenunion nach einer Quote zu eigen gemacht und den Vorschlag mehrmals nachbessern müssen, da die Basis erbitterten Widerstand leistete.

Zur Abstimmung stand nun ein Minimalkompromiss: Auf Landes- und Bezirksebene sollen 40 Prozent der Ämter weiblich besetzt werden. Die Orts- und Kreisverbände, wo der Widerstand am größten war, sind von der Regelung ausgenommen. Dennoch formierte sich der Widerstand. Vor allem die Junge Union kämpfte massiv gegen eine feste Regelung, und so wurde Katrin Poleschner, deren stellvertretende Landesvorsitzende, zur Wortführerin. "Die Quote ist falsch, und sie ist Unrecht", rief sie in den Saal. Sie warnte die Partei vor "faulen Kompromissen" und forderte die Frauen auf, sich in der CSU zu engagieren. "Meine Damen, das Zauberwort lautet Kandidatur", sagte Poleschner, "dann können Sie in unserer Partei auch gewählt werden." Ein Nachwuchspolitiker warnte gar vor sozialistischer Gleichmacherei.

Der Beifall war groß für die leidenschaftlichen Quotengegner, und so war lange nicht klar, wie die Abstimmung ausgehen würde. Schließlich trat nahezu die versammelte CSU-Prominenz an, um für den Kompromiss zu werben. "Ich finde die Quote auch nicht besonders sexy", sagte Frauenunionschefin Angelika Niebler, "für mich ist sie ein notwendiges Übel." Es sind vor allem die älteren Frauen und auch diejenigen, die in der CSU ohne Quote etwas erreicht haben, die sich trotzdem dafür einsetzten. Weil es einfach nicht besser geworden sei, sagte die stellvertretende Parteivorsitzende Barbara Stamm. Nur 18 Prozent der mehr als 160 000 CSU-Mitglieder sind weiblich. Die Ämter werden überwiegend von Männern besetzt - der Trend hat sich in den vergangenen zehn Jahren sogar verstärkt. Lediglich zehn von 98 Kreisvorsitzenden in der CSU sind weiblich, und unter den 42 CSU-Landräten in Bayern ist keine einzige Frau.

Schließlich trat der langjährige Landtagsfraktionsvorsitzende Alois Glück ans Mikrofon. "Die CSU ist dabei, sich von einem gesellschaftlichen Trend abzukoppeln", sagte er. Er warnte seine Partei vor der verheerenden Außenwirkung, die eine Ablehnung der Quote nach sich ziehen würde. Auch Parteiliebling Karl- Theodor zu Guttenberg warb noch für den Kompromiss, wenn auch nicht gar so leidenschaftlich - seinem oberfränkischer Bezirksvorstand gehören im CSU- Vergleich die wenigsten Frauen an.

Ganz zum Schluss ergriff Parteichef Seehofer das Wort. "Wir haben an den Wahlurnen dramatisch an Zuspruch bei den Frauen verloren", sagte er und mahnte seine Partei eindringlich, dem Antrag zuzustimmen. Letztendlich gehe es doch nur um 40, 50 Frauen, die durch die Neuregelung neu in Ämter kommen würden. "Ja, liebe Freunde, das wird uns doch wohl noch gelingen", sagte er. Es ist gelungen. Gerade so.