Bayern Polizei warnt vor Falschmeldungen - und bekommt Hilfe von Böhmermann

  • Die Polizei warnt auf Facebook davor, Falschmeldungen ungeprüft zu verbreiten.
  • Die "Stille Post" mache den Beamten unnötig Arbeit.
  • Hilfe bekommt die Polizei von Moderator Jan Böhmermann.
Von Ingrid Fuchs

Seit den Vorfällen der Silvesternacht in Köln herrscht Alarmstimmung. Bei den Medien. Bei den Menschen. Und bei der Polizei. Keine Nachricht über mutmaßliche Übergriffe auf Frauen soll mehr verschwiegen werden, kein Bürger - ob besorgt oder nicht - soll behaupten können, jemand wolle etwas vertuschen. Jedem Hinweis wird nachgegangen. Machmal bedeutet das für die Polizei vor allem eins: viel zusätzliche Arbeit. Denn häufig, das haben die Beamten auch vor den Ereignissen in Köln schon beklagt, verbreiten sich solche Hinweise über soziale Medien - und entbehren jeder Quelle.

Im aktuellen Fall soll ein Mädchen im oberbayerischen Landkreis Traunstein in einer Unterführung vergewaltigt worden sein, wie in einem Facebook-Post verbreitet wurde. "Und zwar von Asylanten/Flüchtlingen!!!" Der Beitrag war öffentlich und enthielt eine weitere Botschaft: "Die Polizei, unser Freund und Helfer, hält schön den Mund und gibt nichts an die Bevölkerung raus!! Das sage ich nur SCHÄMTS EUCH!!! Diese Information stammt aus einer sicheren Quelle!!!"

Und hier kommt Jan Böhmermann ins Spiel. Der Moderator (und Rapper) hat nicht nur Polizei, er hilft ihr auch noch - mit einer perfiden Art von Clickbaiting.

Böhmermann empört sich!!!!

Böhmermann präsentiert die Geschichte so, wie es der Vorzeige-Pegidist nicht besser könnte: Viele Versalien, jede Menge Ausrufezeichen und am Ende natürlich ein Lesebefehl.

Schade nur, dass Böhmermann-Fans in der Regel gar nicht jene sind, die derartige Hinweise auf zweifelhafte Inhalte nötig haben. Spätestens seit dem Varoufakis-Stinkefinger-Skandal (mehr dazu hier) dürften sie Medienberichterstattung sowieso etwas kritischer sehen und nicht jede Botschaft sofort als Wahrheit ansehen.

Der Post auf Böhmermanns Facebook-Seite (hier der Link)

(Foto: oh)

Die Polizei dürfte sich trotzdem über die Aufmerksamkeit freuen, schließlich versuchen die Beamten mit ihrem Post, Facebook-Nutzer (und alle anderen, die sich im Internet herumtreiben) so weit zu sensibilisieren, dass sie nicht jede Schreckensnachricht glauben und teilen.

Die Geschichte vom Wandel einer Tatsache, zur Halbwahrheit und schließlich zum unhaltbaren Gerücht: Beispiel #hoax...

Posted by Polizei Oberbayern Süd on Mittwoch, 20. Januar 2016

Zumal die Beamten nicht nur online gegen Falschmeldungen kämpfen, sondern auch im echten Leben.

Frau berichtet von Raub und Übergriffen

Etwa im Allgäu, wo eine 35-jährige Frau eine Anzeige wegen einer vermeintlichen Raubtat erstattet hatte. Sie behauptete in Memmingen von einer Gruppe nicht deutschsprechender Täter festgehalten, mit einem Messer bedroht und geschlagen worden zu sein. Der angebliche Haupttäter habe sie zudem unsittlich berührt. Außerdem seien ihr bei dem Übergriff ein hoher Bargeldbetrag und ein Mobiltelefon entwendet worden. Die Anzeige erstattete die Frau bereits vergangene Woche, als die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln das beherrschende Thema in den Medien waren.

Mehr als 180 Stunden Ermittlungsarbeit - umsonst

Umfangreiche Ermittlungen der Kripo ergaben jedoch, dass die Tat in Memmingen in der geschilderten Form nicht stattgefunden haben kann. Die 35-Jährige muss sich nun wegen Vortäuschens einer Straftat verantworten. "Das Vortäuschen einer Straftat ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine schwere Straftat, da hier der Rechtsstaat in seiner Arbeit massiv behindert wird", sagte Christoph Ebert von der Staatsanwaltschaft Memmingen laut Mitteilung. Eine solche Straftat könne mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

In diesem speziellen Fall waren nach Polizeiangaben mehr als 180 Stunden an Ermittlungsarbeit erforderlich. Die Arbeit der Beamten in anderen Fällen musste in dieser Zeit zurückstehen.

Hi !!!!!!!!!!!!

Früher war das Ausrufezeichen eine Besonderheit. Und heute? Stehen am Ende jedes Facebook-Kommentars gleich drei davon. Das ist falsch - hat aber ein paar echte Vorteile. mehr ... SZ-Magazin

Mit Material aus den Agenturen