Bayerischer Wald Luchse - schnell, scheu und hoch bedroht

Schmusekatzen: Luchse sind zweifelsohne schöne Tiere - aber nicht bei jedem beliebt.

(Foto: Uwe Zucchi/dpa)

Wilderer und Autos gefährden die wenigen Luchse im Bayerischen Wald. Binnen drei Monaten wurden drei Tiere getötet. An den Stammtischen schießen die Spekulationen ins Kraut.

Von Christian Sebald

Der Bayerische Wald ist ein schlechtes Pflaster für Luchse. Zwar haben die streng geschützten und sehr scheuen Raubkatzen in den weitläufigen, dunklen und einsamen Wäldern hervorragende Lebensbedingungen - zumal dort sehr viele Rehe und andere Beutetiere leben. Aber den Luchsen machen zwei Feinde das Überleben schwer: Wilderer und Autos. In der Vergangenheit waren es zumeist Wildereien, die Schlagzeilen machten. Zurzeit häufen sich Autounfälle, bei denen Luchse getötet werden. So wurde erst am Gründonnerstag ein Luchs überfahren. Es war der zweite Unfall binnen zehn Tagen, bei dem ein Luchs totgefahren wurde.

Der Unfall passierte auf der B 12 nahe Philippsreut (Kreis Freyung-Grafenau) nahe der tschechischen Grenze. Bei dem Luchs handelte es sich um ein etwa zehnjähriges Männchen aus Tschechien. Das belegt der Sender, den das Tier trug. Er war der Raubkatze vor Jahren von tschechischen Forschern angelegt worden und hatte sich technisch bedingt bereits vor längerer Zeit abgeschaltet. Der Luchs wollte am frühen Abend die B 12 überqueren und lief in einen Kleintransporter. Ebenfalls überfahren wurde in der Woche zuvor ein junger Luchs, als er zusammen mit dem Muttertier bei Zwiesel die B 11 überqueren wollte. Die Luchsin verschwand unverletzt im Wald, ihr Junges wurde tot auf der Fahrbahn gefunden.

Bayerischer Wald Luchs erdrosselt - 10 000 Euro Belohnung auf Wilderer ausgesetzt

Abgehackte Vorderpfoten oder in der Falle verendet: Immer wieder werden im Bayerischen Wald Luchse getötet. Nun reagiert das Umweltministerium

Spekulationen über Todesurasche schießen ins Kraut

Derweil schießen nicht nur an Stammtischen die Spekulationen ins Kraut, wie das junge, ungefähr sechs Monate alte Luchsweibchen zu Tode gekommen ist, dessen Kadaver vor einem Vierteljahr in einem Straßengraben ebenfalls im Kreis Freyung-Grafenau entdeckt worden war. Auch in diesem Fall sah zunächst alles nach einem Verkehrsunfall aus. Analysen ergaben jedoch, dass das Tier mit einer Schlinge erdrosselt worden war - und zwar so, dass an dem Kadaver keinerlei äußerliche Spuren erkennbar waren.

Die illegale Tötung eines Luchses ist eine Straftat, deshalb wurden Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie haben nach wie vor keine Spur von dem Täter. Ein Gerücht hält sich auch unter Naturschützern. Demnach hat sich die junge Luchsin in einer Falle verfangen, wie sie auf dem einen oder anderen Bauernhof in der Region gegen streunende Katzen aufgestellt würden. Später sei das Tier qualvoll mit einer Schlinge erdrosselt worden - der viele Sand im Maul des Kadavers deute auf einen langen, besonders grausamen Todeskampf hin.

Die Bauern in der Region bestreiten vehement, dass Fallen und Schlingen auf den Höfen in Gebrauch seien. Ihr Argument: Solche Gerätschaften seien allein schon aus Tierschutz-Gründen streng verboten. Auch der Raubtier-Experte Ulrich Wotschikowsky spricht von einer "absurden Geschichte". Die Bauern hätten "andere Sorgen als streunende Katzen". Außerdem würden sie mit solchen Methoden die eigenen Hofkatzen gefährden.

Bayerischer Wald Bermudadreieck für Luchse

Luchse sind im Bayerischen Wald wieder heimisch geworden - doch das gefällt offenbar nicht jedem. Unbekannte haben jetzt vier abgehackte Beine der geschützten Raubkatzen im Wald ausgelegt. Es ist nicht der erste Fall von Wilderei in der Gegend rund um den Arber.

Der Polizei wird vorgeworfen, nachlässig ermittelt zu haben

Ein anderes Gerücht lautet, dass der Kadaver der Jungluchsin auffällig klein gewesen sei. So klein sogar, dass die Raubkatze unmöglich ein halbes Jahr alt gewesen sein könne, als sie von dem Wilderer getötet wurde. Der Täter habe die Raubkatze womöglich schon Wochen vor dem Auffinden ihres Kadavers getötet und in einem Eisschrank eingefroren - um ihn später zu präparieren. Als ihm die Sache zu heiß geworden sei, habe er den Kadaver "im Straßengraben entsorgt". Wotschikowsky nennt auch das eine "absurde Spekulation, die nichts zur Aufklärung beiträgt".

Sehr viel ernster nimmt der Experte da schon die Vorwürfe gegenüber der Polizei. Danach haben die Beamten, die zum Fundort des Kadavers gerufen wurden, nur sehr nachlässig ermittelt und nicht einmal ein Foto von der toten Luchsin gemacht. "Wenn Ermittler bei der Spurensicherung so oberflächlich vorgehen, wird man bei der Aufklärung kaum Fortschritte machen können", sagt Wotschikowsky. "So wie ja auch bisher bei keiner einzigen solchen Wilderei der Täter dingfest gemacht werden konnte."

Bei der Staatsanwaltschaft Passau heißt es hierzu, es gebe "keine Anzeichen für Defizite bei der Spurensicherung". Die Polizisten hätten kein Foto von der toten Luchsin gemacht, weil sie von einem Verkehrsunfall ausgegangen seien. Für die weiteren Ermittlungen sei es wichtig gewesen, dass der Kadaver rasch seziert wurde.