Asylbewerber in Bayern Überall nur Notlösungen

Die Anzahl der Flüchtlinge, die nach Bayern kommen, wächst. Die Verantwortlichen tun sich schwer, die Menschen unterzubringen.

(Foto: dpa)

Ein Freibad wird zum Zeltlager, in einer Schule reihen sich Betten aneinander: Weil es in Bayern an Unterkünften für Flüchtlinge fehlt, werden die Gemeinden kreativ. Und ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre die Lage der Asylsuchenden noch trostloser.

Die Zahl der Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten, die in Bayern ankommen, wächst täglich. Bezirksregierungen und Kommunen tun sich schwer, für Unterkünfte und eine angemessene Betreuung zu sorgen. Oft gibt es Widerstände aus der Bürgerschaft, häufig aber auch gute Beispiele für ehrenamtliches Engagement. Ein bayernweiter Überblick

Notcamp im Freibad

Johanna Maluche steht im ehemaligen Kiosk im Erlanger Freibad West und verteilt Kaffee. Aber nicht an Badegäste. Seit einer Woche stehen Zelte auf dem Gelände, in denen fast 300 Asylbewerber leben. Eine Folge dessen, dass das Erstaufnahmelager Zirndorf völlig überfüllt ist. Die Zelte sind eine Notlösung, die in Erlangen aber offenbar besser funktioniert als anderswo. Auch wegen der vielen ehrenamtlichen Helfer. "So was sieht man normalerweise in den Nachrichten", sagt die 18-Jährige. "Ist doch klar, dass ich da helfe." Sie macht ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Arbeiter-Samariter-Bund, der zusammen mit dem Roten Kreuz die Flüchtlinge in Erlangen betreut. Ärztliche Versorgung, Essensausgabe, Kinderbetreuung.

Gelockerte Residenzpflicht Flüchtlinge sollen sich in Bayern frei bewegen können

Die CSU gibt eine Säule ihrer harten Asylpolitik auf: Bayern will die Residenzpflicht lockern. Laut Innnenministerium könnte die Aufenthaltsbeschränkung auf einen Regierungsbezirk "in absehbarer Zeit" aufgehoben werden.

"Das ist mein härtester Einsatz seit 20 Jahren", sagt Thomas Heideloff, der beim Roten Kreuz Erlangen-Höchstadt für den Katastrophenschutz zuständig ist. Damals kümmerte er sich um die Menschen, die aus der DDR geflohen waren. Das Notcamp am Freibad sieht besser aus als andere, es gibt sogar Waschmaschinen und eine Handyladestation. Das liege auch daran, sagt Heideloff, dass die Stadt sofort alle potenziellen Helfer in einen Krisenstab geholt habe. Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Flüchtlingsverbände. An einem Wochenende war das Camp aufgebaut, außerdem waren ein Bürgertelefon und eine Spendensammelstelle eingerichtet.

Eine Wohnung im Pfarrhaus

Es sei genug geredet worden, hat Kirchenpfleger Ottmar Prell vor zwei Wochen zu Pfarrer Stefan Redelberger gesagt. Jetzt müsse endlich gehandelt werden. Also gingen die Vertreter der Pfarrei St. Anton in Schweinfurt zur Stadt, um in der leer stehenden Wohnung im Pfarrhaus Flüchtlinge unterzubringen. In wenigen Wochen soll eine vierköpfige jesidische Familie aus dem Nordirak einziehen. Seit einem Jahr schon könnten sie die Gemeinschaftsunterkunft verlassen, sagt Pfarrer Redelberger, aber bislang hätten sie keinen Vermieter gefunden. In der Pfarrei hat sich nun schon ein Unterstützerkreis formiert, Möbel werden gespendet, und der Hausmeister, ein anerkannter Asylbewerber aus Syrien, dolmetscht. Immer mehr Pfarreien, katholische wie evangelische, nehmen zurzeit Asylbewerber auf. "Eine Wohnung für eine Familie löst noch nicht das Problem", sagt Redelberger, "aber es kann anregen, dass mehr Leute Wohnungen an Asylbewerber vermieten."

Bürger bilden Helferkreis

Als die Bewohner von Winterhausen bei Würzburg vor zwei Jahren erfuhren, dass ein Immobilienmakler in einem alten Gasthof im Ort 25 Asylbewerber unterbringen wollte, war die Begeisterung eher gering. Doch statt sich abzuschotten, wurde die Gemeinde aktiv, Bürgermeister Wolfgang Mann knüpfte den Kontakt zu einer ehrenamtlichen Betreuerin der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, die mit den Winterhausenern über Ängste und Befürchtungen sprach. "Sie sagte uns, wir müssten die Leute so nehmen wie sie sind.

Flüchtlinge in Bad Hindelang Störung im Bergpanorama

Panik, wenn die Feuerwehrsirene heult: In Bad Hindelang im Oberallgäu sind erstmals 20 Flüchtlinge untergebracht. Die Solidarität mit den Männern aus Afrika ist groß. Doch der Bürgermeister fürchtet die Stammtisch-Meinung. Reportage

Auf eine positive Rückmeldung zu setzen, sei schwierig", sagt Mann. Die Gemeinde wagte dennoch die Flucht nach vorne: 39 von 1400 Bewohnern schlossen sich zu einem Helferkreis zusammen, sammelten Kleider und Fahrräder und bildeten Paten-Teams für die Familien aus Syrien, Äthiopien, Armenien und der Ukraine. Seit drei Monaten bieten acht Winterhausener Deutschunterricht an - sie haben sich alles selbst beigebracht. Die meisten Flüchtlinge beteiligten sich daran, erzählt eine Winterhausenerin, freuten sich über jedes Angebot.