Eine Reportage von Olaf Przybilla

30 Jahre lebten die Grafenrheinfelder sehr gut mit ihrem Atomkraftwerk. Jetzt kippt die Stimmung - nicht nur wegen der US-Kampfjets, die über dem AKW kreisen.

Gerhard Riegler hat an der Grube für den Reaktor damals "sozusagen noch mitgebuddelt". Im Jahr 1981 war das, Riegler war 25 Jahre alt, und seither begleitet ihn dieses Bauwerk am Ortseingang von Grafenrheinfeld wie kaum etwas anderes in seinem Leben. 60 Betriebssanitäter arbeiten im Atomkraftwerk, und er als der Chefsanitäter lernt die Leute an und unterweist sie in Strahlenschutz. Für alles, was irgendwie mit Gesundheit zu tun hat, ist im Reaktor Riegler zuständig. "Wenn Sie so wollen", sagt er, "gehöre ich in diesem Kernkraftwerk zum Inventar." Dass aber die Stimmung schon einmal so gedrückt gewesen wäre wie jetzt, daran kann er sich beim besten Willen nicht erinnern.

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Die Krux mit dem Kraftwerk: Seit 30 Jahren lebten die Grafenrheinfelder eigentlich sehr gut mit ihrem Atomkraftwerk vor der Tür - jetzt kippt aber die Stimmung. (© dpa)

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Natürlich liegt das auch an Fukushima, aber eben nicht nur. Seit 30 Jahren lebt das Dorf mit dem AKW, und es gab bislang kaum jemanden im Ort, der nicht gesagt hätte, dass man großartig profitiert hat davon. Wer in Grafenrheinfeld vor dem Rathaus steht, ein prächtig sanierter Bau aus dem 17. Jahrhundert, der blickt auf einen Ortswegweiser. Hier sind all die Errungenschaften aufgezählt, die nur dadurch möglich geworden sind, weil 1981 dieses Werk gebaut worden ist, ein äußerst zuverlässiger Gewerbesteuerzahler.

Man erlebt Erstaunliches, folgt man den Wegweisern: Hier die Bibliothek mit ihren Sitzecken, Polstermöbeln und der eindrucksvollen DVD-Auswahl, es dürfte etliche Kreisstädte in Bayern geben, die neidisch sind darauf. Im Jahr 2005 hat sich die Gemeinde eine neue Grundschule geleistet, im Jahr darauf wurde die imposante Kulturhalle eröffnet. Nun kommen die Großen in die Gemeinde, jüngst trat Urban Priol auf, Django Asül war auch schon da. Das Dorf war auf dem besten Weg, zum Begriff zu werden, und nicht nur zu einem für Atomkraft.

Und nun? Es kommt gerade knüppeldick für Grafenrheinfeld. Neulich kam man zusammen zur Bürgerversammlung, und wenn es in den letzten Jahren mehr darum gegangen ist, wo man überhaupt noch etwas investieren könnte im Ort - etwa in noch schönere Geranienbeete? -, so bekamen die Grafenrheinfelder beim letzten Mal völlig anderes zu hören aus dem Mund des Kämmerers.

18 Millionen Euro an Vorsteuern will Eon von der Gemeinde zurückhaben in den nächsten drei Jahren. 18 Millionen? Ein bisschen habe man damit gerechnet, sagt Ludwig Weth, der als Zweiter Bürgermeister derzeit die Geschäfte im Ort führt. Aber so viel und so früh, das sei doch überraschend gekommen.

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  2. 30 Millionen angespart
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