Wegfahrsperren Ramsauer will Alkoholsünder mit "Alkolocks" stoppen

Union und FDP planen, mit dem freiwilligen Einsatz von Wegfahrsperren Alkoholfahrten zu verhindern. Auch Verkehrsminister Ramsauer befürwortet den Vorstoß - doch der ADAC ist skeptisch.

Sie sind gerade mal so groß wie Navigationsgeräte und direkt mit der Zündung des Autos gekoppelt: Alkolocks. Hat der Fahrer getrunken, dann verhindern sie, dass der Wagen anspringt. Union und FDP wollen Alkoholfahrten nun von vorneherein verhindern und machen sich für die Einführung solcher elektronischer Wegfahrsperren stark.

Alkohol im Atem - und das Auto springt nicht an: Union und FDP plädieren für die Einführung elektronischer Wegfahrsperren zur Verhinderung von Alkoholfahrten.

(Foto: dpa)

Die Bundesregierung befürwortet die Einführung sogenannter Alkolocks auf EU-Ebene. Allerdings sollten die elektronischen Wegfahrsperren nicht verpflichtend für alle Autofahrer eingeführt werden, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums in Berlin. Für bereits wegen Alkohol am Steuer aufgefallene Verkehrsteilnehmer sei eine freiwillige Lösung jedoch sinnvoll. Auch der TÜV unterstützt entsprechende Überlegungen aus den Koalitionsfraktionen.

Im Ausland bereits erfolgreich

In anderen EU-Ländern laufen bereits Versuche. Die Promilletester wirken wie ein zweites Zündschloss: Erst wenn der Fahrer in das Atemmessgerät gepustet hat und nüchtern ist, gibt das "Alkolock" die Elektronik frei. Einige Hersteller von Lkw und Pkw bieten die etwa 1000 Euro teuren Geräte bereits als Sonderzubehör an. In Schweden fährt der Dekra zufolge jeder vierte verkaufte Volvo mit einem "Alkolock" an Bord.

Eine Ministeriumssprecherin sagte, Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) stehe einem freiwilligen Einbau offen gegenüber, lehne aber einen verpflichtenden Einbau ab. Dagegen sprächen zum einen moralische Gründe, weil man nicht alle Autofahrer unter einen Generalverdacht stellen dürfe. Zum anderen verwies sie auf die Kosten für den Einbau, die Eichung und die Wartung der Geräte. Der Einsatz von "Alkolocks" müsse auf EU-Ebene geklärt werden.

Die Überlegungen in den Koalitionsfraktionen zielen auf Autofahrer, die bereits alkoholauffällig geworden sind. Lassen sie sich freiwillig ein Alkolock einbauen, könnten sie ihren Führerschein früher wiederbekommen. Die Ministeriumssprecherin nannte als eine Voraussetzung, dass sich der betroffene Fahrer bereits in einer Verkehrs-Rehabilitationsmaßnahme befinde.

Ähnlich äußerte sich der TÜV-Verband. "Für sich alleine führt ein 'Alkolock' nicht zu einer dauerhaften Verhaltensänderung", sagte Präsidiumsmitglied Klaus Brüggemann. Das hätten internationale Studien bereits gezeigt. Erst wenn der Fahrer sein Alkoholproblem erkenne und in der Rehabilitation professionell betreut werde, ergebe das System einen Sinn.

ADAC äußert Kritik am Alkolock-Vorstoß

Der Automobilklub ADAC zweifelt indes, ob Alkoholtestgeräte in Fahrzeugen das Unfallrisiko auf deutschen Straßen mindern würden. Autofahrer dürften nicht unter Generalverdacht gestellt werden, sagte auch ADAC-Sprecher Klaus Reindl der Nachrichtenagentur dpa.

Es gebe genug andere Möglichkeiten, Alkoholsünder zur Räson zu bringen, so Reindl. Zum Beispiel könne die Zahl der Kontrollen erhöht werden. Zurzeit werde in Deutschland nur jede sechshundertste Alkoholfahrt überhaupt entdeckt. Sinnvoll sei ein solches Gerät bei Busfahrern und Gefahrguttransportern, sowie im Bahn- und Schiffsverkehr.

"Im privaten Bereich sehe ich große rechtliche Probleme", sagte Reindl. Möglich sei beispielsweise, dass sich jemand anderes zunächst ans Steuer setze, dann werde das Auto freigegeben. "Und dann fährt der alkoholisierte Kraftfahrer weiter."