Trotz gestiegener Verkaufszahlen Der Motorrad-Nachwuchs fehlt

Nach jahrelangem Rückgang wurden 2011 wieder mehr Maschinen zugelassen. Doch um junge Käufer kämpft die Branche weiter hart - und oft vergeblich. Modelle mit Elektroantrieb sollen mehr junge Leute locken.

Die Nummer eins auf dem deutschen Motorradmarkt strotzt vor Selbstbewusstsein: BMW nutzt die am Mittwoch gestartete Branchenmesse Intermot in Köln, um seine neue Reise-Enduro zu präsentieren. Lichtshow, Trommelrhythmen und junge Frauen in Lederjacken gehörten zum Pflichtprogramm der Pressevorführung am Dienstag. Überraschender ist, was Stephan Schaller, Präsident von BMW Motorrad, kurz vor der Show verkündet: "BMW Motorrad hat in den Monaten August und September 2012 mehr Fahrzeuge verkauft als je zuvor in diesen zwei Monaten eines Jahres. Und wir gehen weiterhin davon aus, Bestwerte zu erzielen."

Schallers Worte klingen wie ein Befreiungsschlag für die gesamte Branche. Nach vielen Jahren des Abschwungs wagen die Motorradhersteller wieder positive Prognosen. 2011 ist die Zahl der Neuzulassungen von Krafträdern moderat um 1,9 Prozent auf 141.465 gestiegen. Vor zehn Jahren lag sie allerdings fast um die Hälfte höher. Dabei ist Deutschland ein Motorradland: Bundesweit stehen mehr als 3,9 Millionen Motorräder und Roller in den Garagen, davon gut 780.000 alleine in Nordrhein-Westfalen.

"Es fehlt ein bisschen an jugendlichen Einsteigern," erklärt Achim Marten, Sprecher des Industrie-Verbands Motorrad (IVM), den Langzeit-Abschwung. Motorradfahrer sind im Durchschnitt 44 Jahre alt. Anders als in den 1980er Jahren, als die "heißen Öfen" noch Freiheit und Rebellion bedeuteten, gehören Motorräder heute nicht mehr zur Jugendkultur. "Ein Motorrad ist ein Lifestyleprodukt, das mit anderen Lifestyleprodukten konkurrieren muss", erklärt Marten. Im Internetzeitalter besäßen junge Leute eben lieber ein Handy oder einen Laptop. Dennoch hofft der IVM-Sprecher auf eine Trendwende.

Das Motorrad ist Hobby statt Fortbewegungsmittel

Skeptischer ist hingegen der Präsident des Händlerverbandes für BMW-Motorräder, Dirk Horn. 2013 werde sich das Konsumklima wieder abkühlen, glaubt Horn. Seiner Meinung nach ist der Imagewandel des Motorrads auch das Problem der Branche. "Für viele ist das Motorrad ein Hobby und nicht mehr das Verkehrsmittel Nummer Eins. Das war früher anders", sagt er.

In Zukunft wollen die Hersteller verstärkt auf Modelle mit Elektroantrieben setzen. BMW plant die Einführung seines Elektro-Scooter für 2014. Bereits in diesem Jahr hat die Intermot dem E-Thema eine eigene Halle gewidmet. Dort halten kleine, unbekannte Hersteller die Stellung. Von den großen Marken ist nichts zu sehen. Noch nicht.