Straßenverkehr Immer mehr dicke Autos sorgen für dicke Luft

Der Auspuff eines Porsche Cayenne. Die starke Nachfrage nach SUVs sorgt dafür, dass der Ölverbrauch weiter steigt - und damit der CO₂-Ausstoß.

(Foto: dpa)
  • Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass der Verbrauch von Öl durch Pkw und Lkw weiter steigen wird - und damit auch der CO₂-Ausstoß.
  • Grund sei nicht nur die größer werdende Anzahl an Fahrzeugen, sondern auch die immer stärkere Nachfrage nach großen und PS-starken Autos.
  • Macher und Auftraggeber der Studie kritisieren auch die realitätsfremde Art und Weise, wie Normverbrauch und CO₂-Ausstoß ermittelt werden.
Von Jan Heidtmann, Berlin

Alle Anstrengungen, den Straßenverkehr und damit den Ausstoß an Schadstoffen zu vermindern, haben offensichtlich nichts geholfen. Die Hamburger Beratungsfirma Energy Comment geht davon aus, dass der Verbrauch von Öl durch Pkw und Lkw weiter steigen wird, von heute knapp 50 Millionen Fass pro Tag auf 60,4 Millionen Fass im Jahr 2040. Die Emissionen an Kohlendioxid (CO₂) würden dadurch von heute 7,3 Milliarden Tonnen auf 8,9 Milliarden Tonnen zunehmen. In den 1970er-Jahren waren es noch vier Milliarden Tonnen.

Grund für diesen Anstieg sei die Zahl der Fahrzeuge, 2040 würden mit 2,2 Milliarden doppelt so viele Pkw und leichte Nutzfahrzeuge auf der Erde fahren wie derzeit; die Zahl schwerer Lkw werde auf 100 Millionen anwachsen. Der Verkehr ist fast für ein Viertel der globalen Schadstoffemissionen verantwortlich, nach der Stromerzeugung ist er die größte Quelle für Kohlendioxid.

(Foto: SZ-Grafik)

"Energiewende im deutschen Verkehr findet nicht statt"

Die im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellte Studie sieht die Verkehrspolitik der Bundesregierung als gescheitert an: "Die Energiewende im deutschen Verkehr findet offenbar nicht statt." Denn trotz stetig schärferer Vorschriften zum Kraftstoffverbrauch, sind die Emissionen seit 1990 um eine Million Tonnen gestiegen, von 163 Millionen Tonnen 1990 auf 164 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Und wurden vor acht Jahren noch knapp über 50 Millionen Tonnen Kraftstoffe in Deutschland verkauft, werden es in diesem Jahr mehr als 55 Millionen sein. Dabei sollte der Energieverbrauch im Verkehr bis 2020 um zehn Prozent, bis 2050 gar um 40 Prozent gesenkt werden. Diese Pläne seien nur noch Makulatur.

Hintergrund dafür sind laut Energy Comment vor allem zwei Entwicklungen: Große und PS-starke Autos würden zunehmend nachgefragt, außerdem habe sich nicht nur durch den VW-Skandal gezeigt, dass die Methoden zur Messung des Schadstoffausstoßes sehr fragwürdig seien. Offiziell seien die CO₂-Emissionen neuer Pkw von 170 Gramm pro Kilometer auf 123 Gramm gesunken. Dies gelte jedoch nur für die Tests auf den Prüfständen, tatsächlich werde wesentlich mehr CO₂ ausgestoßen.

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Grünen-Kritik an der Bundesregierung

Lag die Differenz zwischen den Ergebnissen realer Tests und denen auf dem Prüfstand 2001 noch bei acht Prozent, waren es 2014 bereits 40 Prozent. "Wir brauchen dringend einen Neustart, was die Ehrlichkeit der Autohersteller angeht", sagt Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete der Grünen und Vorsitzende im Umweltausschuss. "Und wir brauchen eine Bundesregierung, die sich als Kontrolleur von sinnvollen Regelungen versteht und nicht als Erfüllungsgehilfe von einzelnen Unternehmensinteressen."

Die Autoren der Studie plädieren dafür, nicht weiter auf Verbrennungsmotoren zu setzen und die Dieseltechnologie nicht weiter zu fördern. Stattdessen müssten alternative Antriebe weiterentwickelt werden, insbesondere Elektrofahrzeuge. Weltweit machten die gerade einmal 0,8 Prozent des Fuhrparks aus, nur in vier Ländern liege der Anteil über einem Prozent: Norwegen (12 Prozent), die Niederlande (3,9), die USA (1,5) und Schweden (1,4).

Die Klimabilanz der Elektrofahrzeuge sei zudem sehr unterschiedlich. In einem Land mit hohem Anteil an Kohle in der Stromproduktion lasse sich der Schadstoffausstoß dadurch kaum senken. Durch den hohen Anteil regenerativer Stromerzeugung sei die Klimabilanz der Elektroautos in Deutschland immerhin positiv. Doch um diese Technologie zu verbreiten, müsste sich die Verkehrspolitik grundlegend ändern. "Es bedarf einer staatlichen Anschubfinanzierung, damit Elektroautos konkurrenzfähiger werden, wenn sie mit Ökostrom angetrieben werden", fordert Höhn.

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